| Jungunternehmer in Leipzig |
Selbstständig kurz nach der Ausbildung
Ganz jung schon Unternehmer
Es gibt verschiedene Gründe für die Selbstständigkeit, manch einer sehnt
sich schon immer nach ihr, ein anderer will der Arbeitslosigkeit entgehen, aber
im Land bleiben, und wieder andere versuchen, ihr "Angestelltenwissen" auf
eigene Rechnung anzuwenden. Mit 21 schon selbstständig? Warum nicht!
Haus
& Garten Service nennt Christian Nickel
seine Firma, "das umfasst alles ein bisschen". Der 24jährige Groitzscher
beschäftigt sich im Augenblick vor allem mit Fußböden, legt Laminat und Fliesen,
renoviert Wohnungen, hat aber auch mehrere Objekte in Leipzig und Zwenkau, an
und in denen er alles macht, was anfällt - wie ein Hausmeister. Christian Nickel
erlernte den Beruf des Zentralheizungs- und Lüftungsbauers, leistete seinen
Zivildienst und war anschließend arbeitslos. "Vom Arbeitsamt kam nichts",
erinnert er sich, also wurde er selbst aktiv und suchte nach Möglichkeiten. Im
gelernten Beruf hätte er von heute auf morgen nach Mallorca oder in die Schweiz
gehen können. Die andere Möglichkeit: Sich hier in der Heimat selbstständig
machen. "Ich habe die zweite Variante gewählt", sagt Christian Nickel. Ein
richtiges Wunder ist das nicht, hat der junge Mann doch Entsprechendes vorgelebt
bekommen: Der Vater war Malermeister, der Onkel selbstständiger Heizungsbauer.
Hinzu kommt, dass die Familie zwei Häuser besitzt. "Da war immer einiges dran zu
machen. Man wächst rein." Die Familie steht hinter ihm, der Schwager hilft beim
"Papierkrieg" - und das ugb unterstützte den Schritt in die Selbstständigkeit.
Christian Nickel besuchte ein Dreitageseminar der Einrichtung. "Bis jetzt bin
ich sehr zufrieden, gerade das letzte Jahr lief spitzenmäßig", erzählt der
Jungunternehmer. Mundpropaganda und die Tätigkeit als Subunternehmer brächten
Erfolg. "Die Leute scheinen mit meiner Arbeit zufrieden zu sein und erzählen es
weiter." Übrigens zumeist in Leipzig.
Haus & Garten Service Christian Nickel
Mühlstraße 39a, Groitzsch
Thomas
Müller aus Torgau führt ein Fachgeschäft für Angelsport - als
Franchise-Nehmer. Gegründet hat er im April vorigen Jahres. Da war er 21 und
hatte bereits anderthalb Jahre Vorbereitung hinter sich. Er habe gleich nach der
Lehre Kontakte geknüpft, sich das Gebiet gesichert und Gewerberaum reserviert. Im
Motorradladen des Bruders absolvierte er eine Ausbildung zum
Einzelhandelskaufmann und bemerkte während dieser, dass ihm der Verkauf liegt.
Müller ist Angler seit seinem 6. Lebensjahr, kennt das Metier und seine
Zielgruppe. Günstig für ihn: Es gibt nur einen Konkurrenten in Torgau. Am
Ortsausgang in Richtung Wittenberg sitzt nun die Konkurrenz des Konkurrenten.
Der junge Unternehmer findet die Situation an der Bundesstraße ideal. "Hier hat
jeder einen Parkplatz", sagt er und fügt hinzu: "Der Angler ist bequem". Beim
AngelSpezi reicht das Angebot vom Zubehör für Allround-Angler bis hin zum
Material für auf der Hochsee Aktive. Letzteres komme sehr gut an, die Angler
versorgen sich zu Hause, weil es in Norwegen oder an der Ostsee viel teurer sei.
Müller selbst angelt meist an Sonntagen, zeigt Präsenz mit neuem Gerät und geht
am liebsten auf Zander, an der Elbe. Das Faszinierende am Angeln für ihn seien
die Natur und die Ruhe.
"Das ugb hat meine Existenz durchgeboxt", erklärt der 22jährige und verrät:
"Zunächst waren die Banken schwierig, weil ich so jung bin." Über die Sparkasse
geriet er dann ans Unternehmensgründerbüro und ist "bis jetzt wirklich
zufrieden". Auch mit seiner Entscheidung, als Partner von AngelSpezi zu starten,
"Franchise macht viel aus - man hat gleich einen Namen vor den Kunden". Und
irgendwann will Thomas Müller Arbeitsplätze schaffen.
AngelSpezi Torgau, Inhaber Thomas Müller
Alte Molkerei 1, Torgau
Zurück
nach Groitzsch: In der kleinen Stadt im Süden von Leipzig handeln
Janine Endruhn (25) und
Rebekka Schreck (30) seit Dezember mit Mode.
"Conkurrenz Fashion Store" heißt ihr geschmackvoll eingerichtetes Geschäft, und
ähnlich wie bei AngelSpezi Müller in Torgau gibt es für die beiden Frauen in
Groitzsch kaum Konkurrenz. Das war entscheidend für die Standortwahl!
Janine Endruhn und Rebekka Schreck haben drei Jahre lang gemeinsam in einem
Leipziger Jeans-Laden gearbeitet und dann gedacht: Das können wir auch auf
eigene Rechnung! Die Einzelhandelskauffrau aus Ramsdorf (Regis-Breitingen) und
die einstige Friseurin aus Zwenkau suchten in der näheren Umgebung ihrer
Wohnorte "nach einer kleinen Stadt, die trotzdem floriert". Vor zweieinhalb
Jahren schon inspizierten sie ihr jetziges Ladenlokal. "Es hat uns sofort
gefallen." Dann wurden Konzepte geschrieben und eine Weile nach den richtigen
Beratern gesucht. Als die jungen Frauen als Handelsvertreter für eine
italienische Modemarke ein Geschäftskonto bei der Sparkasse eröffneten, wurden
sie schließlich aufs ugb aufmerksam.
"Wir bringen die Großstadt in die Kleinstadt", sagen Janine Endruhn und Rebekka
Schreck - mit Fashion-Parties im Laden oder auf Wunsch auch zu Hause, mit der
kleinen Bar im Geschäft, mit ihrer Erfahrung aus Leipzig, den Öffnungszeiten von
10 bis 20 Uhr, mit kostenloser Änderungsschneiderei, Stilberatung, Home-Service
... "In der Kleinstadt hat man mehr Zeit für die Kunden", wissen die
Unternehmerinnen aus eigener Erfahrung, es gebe nicht soviel Laufkundschaft.
Ihre Zielgruppe, 20- bis 60jährige Männer und Frauen, scheint zufrieden. Janine
Endruhn und Rebekka Schreck sind es ebenfalls: "Wir hätten keinen besseren
Standort finden können!"
Conkurrenz Fashion Store, Schreck und Endruhn
Lindenplatz 24, Groitzsch
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| Wort und Bild: Ernie Le Coq |
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