| Kommando Kochen |
Geheimnis
Schweineschmalz
"Böhmische Knobi-Brote, anständiges Gulasch mit hausgemachten
Semmelknödeln und Sauerkraut, danach Palatschinken für mindestens sechs Leute."
"Tut mir leid, aber wir haben noch nicht geöffnet."
Doch das war uns relativ egal, als wir am frühen Nachmittag des 28. Februar am
Wirtshaus "Zum Schwejk" schellten. Chefkoch Ringo fühlte sich überfallen, aber
das war ja auch Absicht. Zack, den Fuß in die Tür! Kurz darauf standen wir mit
unseren Lesern Annette, Chris, Anja und René (den alle Katze nennen) in Schwejks
Küche. Mit imaginärer Pistole auf der Brust zog Ringo los, um zunächst mal
Schweinerücken zu holen. Wir stießen inzwischen mit eisgekühltem Becherovka auf
die schnelle und unblutige Eroberung der Räumlichkeiten an. Und dann war es
Chris, der scheinbar den größten Hunger hatte oder den wenigsten Alkohol
vertrug, denn als der Schweinerücken kam, begann er wie ein Wahnsinniger zu
filetieren. Währenddessen
probierten
sich die Damen im Wenden von Eierkuchen oder Palatschinken, wie die Tschechen
die Dinger nennen, was wiederum aus Rumänien kommend vom angeblich lateinischen
Wort für Kuchen, Placenta, abgeleitet wurde (was wiederum an Nachgeburt erinnert
und damit jeden Bezug zur überaus delikaten Nachspeise vermissen lässt). Wir
wollten es lediglich erwähnt haben.
Den Rekord im Eierkuchenhochwurf sicherte sich, wie erwartet, Koch Ringo, aber
auch die Damen feierten Erfolge. Katze schnitt inzwischen Zwiebeln mit einem
derart gewetztem Messer, dass wir Angst um seine Fingerkuppen hatten. Anja tat
es ihm gleich - mit altbackenen Semmeln, die jeder Haushalt für Enten
bereithält. Die Semmeln kamen in eine große Schüssel und wurden in Milch
ertränkt, dazu Eier und Mehl nach gelernter Menge: Auf zehn Brötchen kommen ein
halbes Kilo Mehl, sechs Eier und ein halber Liter Milch. Nachdem die Zwiebeln
und kleingeschnittener Prager (gebackener) Schinken gedünstet waren, warfen wir
sie mit Pfeffer, Salz, Majoran und Muskat in den Knödelteig. Anja, Chris und
Katze, der seine Finger noch komplett zählte, begannen den Teig zu kneten und
Knödel zu formen. Annette brutzelte inzwischen Zwiebeln und Tomatenmark und
löschte das Ganze mit gesammeltem Bratensaft. Da zu Hause eher Briefmarken statt
Bratensäfte gesammelt werden, könnt Ihr alternativ Brühe nehmen. Gewürztechnisch
gaben wir neben Salz und Pfeffer noch Majoran, Thymian und saures Gurkenwasser
in den Fond.
Inzwischen
lag auch das Fleisch in heißem Schweineschmalz und der Pfanne, wurde unter
Aufsicht von Annette anständig dunkel angebraten und hernach in die leicht vor
sich hin brodelnde Soße gegeben, wo es noch gute 15 Minuten verweilte.
Schweineschmalz, so Ringo (Küchen-)Star, sei das Geheimnis für alle, die
traditionell mit Öl oder Margarine braten, denn dieses tierische Produkt bringe
den kräftigsten Geschmack. Gleichzeitig kochten auch die Klöße im gesalzten Nass
und blieben dort solange, bis sie an der Oberfläche auftauchten.
Ach, Knobibrot stand auch auf dem Speiseplan. In Böhmen wie folgt produziert:
Brotscheiben in Schweineschmalz knusprig braten und anschließend mit püriertem
Knoblauch bestreichen, Salz und Petersilie darüber und fertig. Jetzt wurden noch
rote Früchte mit Honig verfeinert erhitzt und mit den fliegend gewendeten
Palatschinken umwickelt, fertig war ein original böhmisches Drei-Gänge-Menü,
nachdem sich auch der brave Soldat die Finger geleckt hätte. Im rustikalen und
urgemütlichen Restaurant wurden jetzt schnell Tische zur Tafel zusammengeschoben
und sich platziert, um Gekochtes zu genießen. Nachdem auch der letzte
Palatschinken in den Mägen verschwunden war, konnten sich getrost alle auf die
Schultern klopfen, denn es war köstlich!
Nächsten Monat wird es griechisch, und wer Lust und Hunger hat, das Restaurant
"Delphi" zu überfallen, der meldet sich einfach unter
halle@blitz-world.de.
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| Wort und Bild: Thomas Leibe |
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