Kudernatschs Kolumne

Kudernatsch-Starschnitt zum Sammeln, Teil 2 von 5 Falco, der tote Fuffziger

"Jeanny" und "Der Kommissar", die singende Öse Johann Hölzel machte uns den Falco und wäre am 19. Februar 50 Jahre alt geworden. André Kudernatsch legt nochmal die alte Platte auf.


Falco war ein internationaler Star, wie ihn ein kleines Land wie Österreich selten hervorgebracht hat. Mal abgesehen von Hitler. Wobei ich jetzt über Hitler gar nichts mehr sagen möchte. Hitler gibt's im Kino, im Theater, als Lied, als Comic, als Helge - demnächst sicherlich auch als Zäpfchen (mit Heil-Wirkung), Schlüpfer (natürlich braun bei H&J), Führerhäuschen für den Kinderspielplatz und Extra-Hitlerwochen unten bei McAdolf. Nee, bei Hitler fällt mir nichts mehr ein.
Falco war viel größer und hatte die bessere Aussprache. Ich denke sogar, dass sich seine Platten mehr verkauft haben. Auch wenn Adolf wiederum mehr Live-Zuspruch hatte. Vielleicht wäre das anders gekommen, hätte Adolf im Studio mehr auf Mozart ("Amadeus") oder NDW ("Der Kommissar") gemacht. Hat er aber nicht, er kannte nur Frischluft und Marschmusik. Da musste erst der kleine Johann Hölzel kommen.
Der war aber auch ziemlich schlimm - denkt nur mal zurück an "Jeanny". Das war diese bitterböse Nummer, in der der Ich-Erzähler zugibt, ein Psychopath zu sein und von Entführung, von Gewalt und Mord singt. Die Österreicher können scheinbar nicht anders - vielleicht liegt es an der Ernährung? Da sind möglicherweise nicht nur die Wiener Schnitzel platt geklopft worden …
Im Radio war das Lied jedenfalls verboten, trotzdem hatte es 1986 bei uns jeder auf Kassette und fand's cool. Wieder hatte uns eine Öse am Kragen! Falco hätte wahrscheinlich nur noch mit dem Finger schnipsen müssen, und wir wären alle in den Wald gegangen.
Mit "Jeanny Part II" hat er das dann aber ganz schnell aufgeklärt - das Mädchen kam munter wie Rotkäppchen aus dem Wald zurück, nix war passiert. Nur ein Missverständnis! Falco war lieb und ging in sich. Und was fand er da? "Wiener Blut".
Ha, mit solchen Songtiteln kann man viele Sätze befüllen! Passt auf: Falco nahm zusammen mit der Familie Drogen und rief immer: "Mutter, der Mann mit dem Koks ist da." Er rief viel von zu Hause aus in England an und meldete sich mit "Vienna calling". Dann war er in England - und wollte wieder raus - "Out of the Dark". Funktioniert gut, stimmt's? Da kann das Erfurter Kabarett gleich eine lustige Nummer draus machen. Ich opfere die Idee gern.
Doch bevor Falcos "Out of the Dark" das Licht der Welt erblickte, wurde der arme Mann in der Dominikanischen Republik von einem Laster hinweggerammt. Es ist eben doch nicht alles schön in der Karibik! Und in Österreich auch bloß nicht.


Kudernatsch-Live-Termine
16.02. Chemnitz, Subway to Peter
17.02. Leipzig, Kunstgeist
10.03. Leipzig, Kulturbundhaus
www.kudi.de
 
Wort: André Kudernatsch / Bild: Ernie Le Coq