Nelly Furtado in Leipzig

Nelly Furtado in LeipzigAnhimmeln und beneiden

Sie ist eine der vielseitigsten Künstlerinnen unserer Zeit. Die portugiesischstämmige Kanadierin Nelly Kim Furtado hat es geschafft, sich mit jedem ihrer bisher drei Alben neu zu erfinden. Ihre Eltern waren Ende der 1960er von den Azoreninseln nach British Columbia in Kanada ausgewandert, vielmehr emigriert: In Portugal herrschte seinerzeit eine Militärdiktatur.


Mit 17 sang Nelly in einem Trip-Hop-Duo namens Nelstar, trampte durch Nordamerika. Sie verstand es, die Leute in ihren Bann zu ziehen. Irgendwie war ihr immer klar, dass sie mal berühmt werden würde. Das hat bei Nelly aber wenig mit Selbstüberschätzung zu tun; sie ist einfach fest davon überzeugt, dass ihr Talent eine göttliche Gabe sei und sie nichts anderes täte, als sich dieses Geschenkes von ganz oben als würdig zu erweisen. Ihr erstes Album hieß "Whoa, Nelly!". Sie veröffentlichte es 2001 mit 23, schoss dank Hits wie "I'm Like A Bird" (der später einen Grammy erhielt) gleich nach oben in die Charts - ihre Mischung aus HipHop, Pop und Ethno verzauberte ebenso wie ihr unglaubliches Charisma. Nelly ist eine typische veni-vidi-vici-Persönlichkeit: Sie kommt, sieht und siegt.
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Hit-Debüt hinlegte, zog sie sich mit ihrem zweiten Album etwas mehr in sich zurück. Sie war inzwischen Mutter geworden, stolzer Papa ist der DJ ihrer Live-Band, und beschäftigte sich ein wenig mit der spirituellen Seite des Daseins, schaltete einen Gang zurück. Immerhin, mit "Força" enthielt das Album den Song zur Fußball-WM in Portugal. Die Verkäufe des Albums "Folkolore" waren nicht so spektakulär wie die des Erstlings. Wahrscheinlich ist dies den Platten-Label-Chefs sauer aufgestoßen, vielleicht wollte Nelly aber auch selbst wieder raus aus der besinnlichen Ecke. Mit "Loose" jedenfalls legte sie im Sommer letzten Jahres ein furioses Album hin. Auf den Videos tanzt sie im besten Disco-Pop-Stil á la Aguilera. Bestechend auf den Punkt produziert haben Timbaland und Chris Martin von Coldplay.
Nelly Furtado in LeipzigDie ersten Singles hießen jetzt poppig, frisch und frech "Maneater" und "Promiscuous". Beide gingen sofort an die Spitze der Charts, das Album war in vielen Ländern wochenlang auf Nummer 1, unter anderen in Deutschland und den USA. Insgesamt sind im letzten halben Jahr drei Millionen Einheiten abgesetzt worden, Frau Furtado ist jetzt ein Weltstar. Auch wenn ihr einige das all zu Poppige und das Geflitter, das zu diesen Tanznummern nun mal gehört, übelnehmen, weil sei meinen, Nelly sei zu Höherem berufen. Vielleicht ist sie das - aber dafür hat sie ja immer noch Zeit.
Sie selbst nennt ihre Mischung aus tanztauglichem Gebrauchs-Pop, R&B und einem Schuss portugiesischen Ethno-Flairs übrigens "Punk Pop". Man kann sich über diesen Begriff streiten oder das sein lassen. Heimlich wünscht sich ohnehin jeder, auf jeden Fall jeder Mann, mal mit dieser Dame zu streiten - nur um sich nach hartem Kampf ihrem Charme und Sex-Appeal zu ergeben. Ganz egal, wovon die Rede war, auf Derartiges wird man sich kaum konzentrieren können, wenn man(n) Nelly Furtado gegenübersteht. Der "Playboy" hat ihr übrigens eine halbe Million Dollar geboten für einschlägige Aufnahmen. Sie hat abgelehnt. Das macht sie uns noch sympathischer.
Und jetzt kommt sie höchstselbst! Am 8. März dürft Ihr in der Leipziger Arena zu fluffigem Pop tanzen, die Frau auf der Bühne nach Herzenslust anhimmeln und - soweit männlich und hetero - den Typen hinter den Turntables, der Glückpilz heißt Jasper Gahunia, aus tiefstem Herzen beneiden.


Termin
08.03. Leipzig, Arena
 
Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D.