Dieter Nuhr

Dieter NuhrEinfach mal Fresse halten

Ihr habt alles erreicht, wenn andere Eure Weltreise bezahlen, wenn der Bundespräsident Euch zum BBQ einlädt, und wenn Ihr die Zeit habt, Vereine zur Gründung von Vereinen zu gründen. Die einzige Bedingung, die man dabei an Euch stellt, ist, witzig sein.


Das ist er, der Nuhr, der Dieter. Der 46jährige ist witzig; selbst bei Themen wie Sterbehilfe oder religiösem Fundamentalismus werden die Schenkel gekloppt. Nicht umsonst verlieh man ihm den deutschen Comedy-Preis für die beste Live-Performance. Am 8. März performt er in der Händel-Halle. In seinem neuen Programm erzählt Dieter Nuhr die Wahrheit, wissenschaftlich, theologisch und vor allem humoristisch fundiert. Uns erzählte er noch ein bisschen mehr, denn wir haben ihn gefragt.

BLITZ!: Herr Nuhr, Sie stehen nun schon seit 20 Jahren auf der Bühne und sind ganz oben angekommen, welche Gipfel wollen Sie in den nächsten 20 Jahren noch erklimmen?
D.N.: Auf keinen Fall den Annapurna. Da ist es mir oben zu kalt. Ich bin nicht so der Gipfelstürmer. Ich möchte es angenehm haben. Für mich wäre der Gipfel, wenn ich diesen Spagat schaffen würde: Oben zu sein und es trotzdem warm zu haben.

BLITZ!: Man zitiert Sie häufig mit Ihrem Leitsatz "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!". Wer sollte Ihrer Meinung nach momentan die Fresse halten?
D.N.: Da nehme ich mich selbst nicht aus. Leider schaffe ich es - wie alle anderen auch - nicht immer, mich daran zu halten. Im Grunde ist das gut so, denn sonst wäre ich berufslos.

BLITZ!: Wie kommt ein Lehrer für Kunst und Geschichte zu dem Entschluss, fortan als Comedian die Brötchen zu verdienen. Gab es ein Schlüssel- oder Erfolgserlebnis?
D.N.: Das hat sich so ergeben. Ich habe mit anderen zusammengespielt, bin dann alleine übriggeblieben. Plötzlich haben mir die Leute Geld gegeben, wenn ich auftrat. Da dachte ich: Hoppla! Es scheint sich also um einen richtigen Beruf zu handeln. Diesen Glauben habe ich bis heute nicht verloren.

BLITZ!: Sie sind ja dennoch Lehrer, ist Ihr Tourprogramm auch ein wenig Lehrauftrag?
D.N.: Absolut. Am Ende wird ja auch eine kleine Lehrzielkontrolle durchgeführt. Allerdings gibt es keine Noten. Da kommt der kleine Waldorf in mir durch.

BLITZ!: Sie machen Stand-Up-Comedy auf Kabarett-Niveau. Manche Kollegen hauen lieber erfolgreich unter die Gürtellinie und leben die F***- und Sch***-Wörter aus. Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach der deutsche Humor von A wie Appelt bis Z wie z.B. Pocher?
D.N.: Gott sei Dank bin ich kein Kritiker. Da kann ich die Beurteilung anderen überlassen. Jeder hat seinen eigenen Humor, und wenn er den Humor anderer Leute trifft, ist das ja erst mal keine schlechte Sache. Ich kann nicht leiden, wenn Humor arrogant ist, sich hochmütig über andere stellt oder einfach nur verletzend ist. Das ist dann wohl eine Charakterfrage. Ingo Appelt ist übrigens ein sehr intelligenter und liebenswürdiger Mensch. Dem wird man Charakterlosigkeit kaum vorwerfen können.

BLITZ!: Interessieren Sie sich für die Städte, in denen Sie auftreten? Stadtrundfahrt, Historie, Menschen? Wenn ja, was fällt Ihnen spontan zu Halle an der Saale ein?
D.N.: In Halle bin ich schon mal ordentlich versackt, bis tief in den Morgen hinein, insofern habe ich beste Erinnerungen. Wenn ich es zeitlich schaffe, nutze ich die Tage, um durch die Stadt zu laufen und Fotos zu machen. Insofern glaube ich, dass ich mich in Deutschland besser auskenne als die meisten anderen.

BLITZ!: Ihr neues Programm heißt "Nuhr die Wahrheit". Die Wahrheit worüber?
D.N.: Die ganze Wahrheit. Wobei es leider mehrere Wahrheiten gibt, unter anderem auch verwirrende - dass die Erde aus einem Staubball entstanden ist und nicht in sechs Tagen gewerkelt wurde, dass Ahornsirup klebt oder dass Eins und Eins 41.625 sein kann, wenn man eine männliche und eine weibliche Stubenfliege zusammen allein lässt.

BLITZ!: Das erklären Sie mir am besten vor Ort. Danke fürs Gespräch!
D.N.: Danke auch.


Termin
08.03. Händel-Halle
 
Wort: Thomas Leibe / Bild: Tom Wagner