Rüdiger Ludwig

Rüdiger LudwigVon der ersten Sekunde an mit
am Start


Rüdiger Ludwig aka D.Hoerste wurde vor 29 Jahren in Jena geboren und lebt derzeit mit seiner Familie in Göhren auf Rügen. Der gelernte Baufacharbeiter beantwortet die Frage danach, wo er aufgewachsen sei, gern mit "auf der Muna".


Der bald zweifache Vater erzählt über sein Dasein als DJ und seine Erfahrungen mit Musik, Clubkultur und den Leuten.

BLITZ!: Als Thüringer Haudegen hast Du in den letzten zwölf Jahren viel erlebt. Dennoch bist Du treuer Resident auf der Muna (in der Nähe von Bad Klosterlausnitz, ein Kult-Club - d.A.). Was ist so besonders dort?
D.Hoerste: Zuerst einmal ist an der Muna für mich so besonders, das ich von der ersten Sekunde an mit am Start war. Mit dem Urgestein von den Munisten habe ich schon einige Parties vor 1994 organisiert. Zweitens stecken nicht nur die musikalische Arbeit, sondern auch unzählige Nacht-, aber auch Tagschichten in der Muna. So habe ich meine berufliche Ausbildung wenigstens zu Ende gemacht, um mich dann sechs Jahre aktiv nützlich zu machen. Natürlich ist durch diese Jahre eine Familie herangewachsen, welche ich nie missen möchte.

BLITZ!: Wenn sich die Interaktion zwischen Dir und Deinem Publikum geändert hat, wer hat den größeren Wandel der letzten Jahre vollzogen, Du oder sie?
D.Hoerste: Ich denke, das liegt im Auge des Betrachters. Klar habe ich mich soundtechnisch weiterentwickelt. Für den einen zur vollsten Zufriedenheit, für den anderen zum Nachteil. Ich sehe diese Geschichte regional. In manchen Gebieten Deutschlands haben Veranstalter durch in meinen Augen weniger anspruchsvolle Events ihr Publikum verformt. Also habe ich an der Stelle den Eindruck des Publikumswandels. In anderen Gebieten ist der Anspruch wiederum so hoch, dass ich mich selbst im Rückstand fühle. Also kann ich die Frage nur schwer beantworten. Selbst auf unser Muna-Publikum bezogen könnte ich auch keine direkte Antwort geben. Wenn ich das mal ohne zu heulen sagen darf: Früher wurde halt ganz anders gefeiert!

BLITZ!: Die Bookings der Muna zielen auf ein anspruchsvolles Publikum ab, das meist gehobeneren Alters ist. Spiegelt sich, da Du meist das Programm zusammenstellst, auch Dein Musikgeschmack darin wider?
D.Hoerste: Na logisch! Aber ab und zu beuge ich mich auch Publikumswünschen.

BLITZ!: Erinnerst Du Dich an Dein verrücktestes Erlebnis während des Auflegens?
D.Hoerste: Verrückt kann man ja die Leute, welche sich irgendwelche Chart-Hits wünschen, nicht nennen ... Auch nicht diverse Verkleidungen wie Hüte oder Tücher um den Kopf. Aber so richtig verrückt war während des Auflegens nichts. Pinkelpausen können ab und zu zum Erlebnis oder auch Verhängnis werden. Wie kürzlich, inmitten eines Sets in der Gerberei in Schwerin: Da bin ich wegen einer kurzen Pause im Halbsprint über ein paar Raver-Füße gestolpert und habe mich mit dem linken Knie abgefangen. Außer Dreck an der Hose war nichts zu sehen oder zu spüren. Am nächsten Tag bin ich dann im Hotel aufgewacht und konnte nicht mehr laufen.
 
Wort: Kai Waldowski / Bild: P.D.