Kudernatschs Kolumne

Erfurt ist die Maschinenstadt

Erfurt wird 2007 was, Erfurt steigt auf. Hurra! Und es liegt nicht am Steigerwald und nicht an Rot-Weiß. Erfurt steigt von allein und maschinell. Und André Kudernatsch steigt mit ein.


Kudernatsch-Starschnitt zum Sammeln, Teil 1 von 5Den großen Aufstieg verrät uns die Zeitschrift "Capital", ein Heft für Pfennigfuchser und Geldhaie. Aber solche mit dritten Zähnen, die unentwegt daheim hocken und immer und immer wieder in den Börsennachrichten schmökern, als würden diese sie irgendwie betreffen. Wenn die eigene Börse leer ist, tröstet es vielleicht, sich dicke Makler mit dicken Sprüchen anzugucken, die geschäftig schwitzen. Solche Herren haben dafür sicherlich niemals Zeit, "Capital" zu lesen. Es gibt also doch noch so etwas wie Gerechtigkeit in der Welt. Blöd ist dann nur, dass diese wichtigen Männer wohl nie erfahren werden, dass Erfurt jetzt im Kommen ist.
Erfurt ist nämlich im Städte-Ranking von "Capital" tüchtig voran geklettert. Streberstadt München hat, vermutlich wie immer, gewonnen - wie langweilig (nur, weil die Prüfer im Hofbräuhaus abgefüllt wurden), letzter ist Schwerin. In Schwerin klappt also gar nix, aber dafür ist es dort schön still. Und es ist schön weit weg.
Erfurt ist stattdessen so richtig mittendrin. Von Platz 52 (was, so viele Städte gibt's bei uns?) ist unsere Kapitale im Ränke-Ranking auf Platz 36 vorgeklettert. Berlin liegt auf Platz 32 - nur vier Plätze weiter vorn. Während es für Berlin nun heißt, da fehle eine moderne industrielle Basis, soll Erfurt diese haben - dank Maschinenbau.
Ich weiß ja nun nicht, wer von Euch beim Einkaufen oder Radfahren in Erfurt schon mal eine Maschine getroffen hat. Vielleicht so manches heiße Gerät, aber eine echte Maschine? Hat Erfurt neuerdings einen neuen Wesenszug, nämlich ein Maschinenbauwesen? Und keiner weiß es? Oder meint "Capital" eine wachsende Zahl von Auftritten der Puhdys mit Dieter "Maschine" Birr in der Landeshauptstadt? Dann könnten wir aufatmen und daheim bleiben. Doch so bleibt die bange Frage: Werden bald mehr Maschinen als Menschen in Erfurt leben? Und sind dann künftig auch die Puffbohnen aus Metall und maschinenbetrieben?
Denn wenn Erfurt jetzt für den Maschinenbau derart öffentlich belobigt wird, werden sich alle noch viel mehr an den Maschinen für die Maschinen abrackern. Diesen werden immer intelligenter - intelligenter als die meisten Thüringer sind sie schon lange - und früher oder später werden die Maschinen die Geschicke dieser Stadt übernehmen. Erste willenlose Roboter sollen bereits im Kultusministerium gesichtet worden sein. Sie wollen sich dort nichts von Thüringer Orchestern aufspielen lassen, sondern all das geblasene Blech einschmelzen - ganz im Sinne der Maschinerie. Tüt-tüt-tot. Und das, da bin ich mir sicher, ist nur der Anfang. Meine Kaffeemaschine guckt schon ganz fies rüber. Und jetzt kommt sie näher. Uh, sie schmeißt mit einer Filtertüte nach mir. Wie böse: In der Tüte war noch Kaffeesatz von gestern ...


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Wort: Kudernatsch