Deine Lakaien mit großem Orchester

Deine Lakaien mit großem Orchester20 Jahre Electronic Avantgarde

Vor 20 Jahren suchte der Karlsruher Orchesterleiter Ernst Horn einen Sänger, um seine Intentionen in Richtung elektronisch basierter, anspruchsvoller Populärmusik auszuleben. Er fand Alexander Veljanov, einen Mann von enormem Charisma in der Erscheinung und - vor allem - in der Stimme.


Das Duo machte sich rasch einen Namen, in den 90ern stiegen sie zur absoluten Kultband in der schwarzromantischen Szene auf. Im neuen Jahrtausend gelang es ihnen, die stilistischen Akzeptanzgrenzen zu überwinden. Ohne ihre Anhänger in der dunklen Szene zu verlieren, konnten sie beim "Rest der Welt" zunehmend die Berührungsängste abbauen. Sie sind heute eine Institution für ambitionierten Pop, der sich nirgends anbiedert, aber aufmerksame Hörer braucht. In diesem Jahr feiern sie ihr 20jähriges Bestehen mit einer spektakulären Tour, für die sie eine Reihe ihrer Songs für großes Orchester arrangiert haben. Schon jetzt eines der aufregendsten Ereignisse des Musikjahres 2007. Im Gespräch mit Sänger Alexander Veljanov wollte BLITZ!-Redakteur Frodo Wawrzyniak Näheres erfahren.

A.V.: Wir haben diesen Plan schon lange gehegt. Jetzt endlich, zu unserem Bandjubiläum, haben wir die Zeit gefunden, ihn wirklich auch umzusetzen. Der Gedanke, mit einem Orchester aufzutreten, ist für uns ja naheliegend, immerhin war Ernst ja mal Kapellmeister. Wir haben keinen Extra-Arrangeur gebraucht.

BLITZ!: Mit orchestraler Begleitung versuchen Künstler meist, ihren Sound breiter, bombastischer zu machen. Eure Lieder leben im Allgemeinen von einem wohldosierten Minimalismus ...
A.V.: Wir gießen nicht einfach einen Schwall dicken Orchestersirup über unsere Stücke. Es geht nicht darum, alles pompös aufzublasen. Wir wollen die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten eines Orchesters ausreizen. Dabei soll die Ästhetik unserer Lieder nicht krampfhaft verändert werden. Es wird keineswegs immer das gesamte Orchester erklingen, nach wie vor wird es minimalistische Stücke geben. Aber es ist natürlich reizvoll, viele unserer elektronischen Klangfarben durch akustische Instrumente zu transportieren, auch und gerade dort, wo die Elektronik gewohnterweise die rhythmischen Akzente setzt.

BLITZ!: Die großen Hits mal ganz anders ...
A.V.: Es wird nicht einfach so ein Art Best-of-Programm geben. Wir haben die Lieder danach ausgesucht, inwieweit sie sich für eine Interpretation durch ein Orchester anbieten.

BLITZ!: Wie gestaltete sich die Suche nach einem Klangkörper? Es ist ja bekannt, dass Ernst nach seinem Wechsel von der Klassik zum Pop gewissen Anfeindungen aus dem Lager der sogenannten E-Musik ausgesetzt war, einige sahen ihn als Verräter an der heiligen Tonkunst.
A.V.: Gott sei Dank sind ja die Fronten zwischen U- und E-Musik heute nicht mehr so verhärtet. Scharlatane wie André Rieu haben eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Stempel "Klassik" nicht vor kommerzieller Beliebigkeit schützt. Es gibt nur gute und schlechte Musik, egal in welchen Genres.

BLITZ!: Die Wahl fiel auf die Neue Philharmonie Frankfurt.
A.V.: Es war von Anfang an nicht unsere Absicht, ein preiswertes Orchester aus Osteuropa zu mieten. Nicht, weil wir den Kollegen ihr handwerkliches Können absprechen, sondern weil es uns enorm wichtig war, uns jedem Einzelnen ohne Einschränkung verbal verständlich machen zu können. Die Neue Philharmonie Frankfurt war uns schon früher aufgefallen. Es ist ein junges, aufgewecktes, neugieriges Orchester. Die Musiker waren sofort mit Begeisterung bei der Sache, da musste niemand überredet werden.

BLITZ!: So eine Produktion ist ja eine wahnsinnig aufwändige Sache ...
A.V.: Allerdings! Wir werden mit 35 bis 40 Musikern auf der Bühne stehen. Noch etliche Leute mehr sind im Tourtross. Wir spielen in ganz verschiedenen Lokalitäten. Es war uns gar nicht so wichtig, ausschließlich in klassische Konzertsäle hineinzukommen. Es stehen auch großen Arenen im Tourplan. Die bauen wir allerdings um, so dass Theaterbedingungen entstehen. Natürlich müssen alle Leute sitzen.

BLITZ!: Geld dürfte bei so einem Aufwand kaum zu verdienen ein.
A.V.: Nein, definitiv nicht. Es ist einfach ein Geburtstagsgeschenk, das wir unseren Hörern und natürlich uns selbst machen. Ganz besonders freuen wir uns auf das wunderbare Leipziger Gewandhaus. Das wird sicher der Tourhöhepunkt.

BLITZ!: Die Freude ist ganz auf unserer Seite!


Termin
21.02. Leipzig, Gewandhaus
 
Wort: FW / Bild: P.D.