| Oliver Baglieri |
Plattformen
schaffen
Auf dem Weg zum Friedensnobelpreis hat Oliver Baglieri schon einige Stationen
hinter sich. Geografisch gehören dazu: Leverkusen, Düren, Düsseldorf, Magdeburg.
Und biografisch: Fachabitur, Ausbildung zum Fotolaborant, Weiterbildung in
Marketing und Markforschung, Arbeit in einer Werbeagentur.
Der Tausendsassa schrieb in jungen Jahren Texte für Bands, veröffentlichte
eigene Bücher (u.a. bei Ubooks und Edition 42), arbeitete journalistisch und
knipste leidenschaftlich gern und viel. Er kam in Kontakt mit Autoren, Musikern
und Magazinen, stellte seine Fotografien zahlreich aus. Als Ubooks ein
Manuskript ablehnte ("Ninette"), festigte sich sein Wunsch, einen eigenen Verlag
zu gründen. Mit dieser Idee kam er 2003 nach Leipzig. "Dieses Flair, dass keiner
einem im Weg steht ... das habe ich hier erst kennengelernt." Im gleichen Jahr
eröffnete er den kleinen Szeneladen "Your PaperZone", welcher sich innerhalb
kürzester Zeit zu einer Plattform für Künstler in und um Leipzig etablierte.
Ein-, zweimal im Monat lud er zu Lesungen von Sabottka, Schweßinger, Miller,
Christian von Aster, Volly Tanner, Elia van Scirouvsky u.a.. Ende 2005 schloss
er den Laden, um seinen Traum zu verwirklichen: Oli gründete den Verlag PaperONE
und veröffentlichte seinen Roman "Ninette". Dann "ging alles Schlag auf Schlag":
Innerhalb der letzten zwölf Monate erschienen 37 Werke der genannten und anderer
Autoren in seiner Edition. Fotobände, Lyrik, Geschichten - nicht nur für die
Schwarze Szene. "Die Manuskripte kamen einfach, die Leute kannten mich ja."
Inzwischen reichen seine Kontakte über Persönliches und Landesgrenzen hinaus, er
druckt Autoren aus Berlin, Frankfurt am Main, Köln. Dennoch liegt das
Hauptaugenmerk auf Leipzig, wo sich unter seinem Dach "die ganze literarische
Kraft bündelt". Im Februar, erzählt er stolz, erscheint Kudernatschs nächstes
Buch, "Rache ist Blutwurst". Der Umsatz steigt. "Ich bin ein guter Verlag",
erklärt er. Es gehe ihm um die Nähe zu seinen Autoren, darum, "dass man sich an
erster Stelle als Mensch gegenübersteht". Auch, wenn es oft nicht ohne
Druckkostenzuschuss geht, unterscheidet sich sein Konzept von dem anderer
Verlage: Durch das "Folgebuchbudget" fließt ein Anteil des Gewinnes jedes Buches
in die Finanzierung des nächsten. Wenn Oliver Baglieri den Nobelpreis bekommt
("für das Engagement für junge Schreibende, die von den großen Verlagen so oft
vergessen werden"), wird er ihn mit seinen Autoren teilen. Und wenn nicht, dann
knipst, schreibt und verlegt er fleißig weiter, denn "das ist genau das, was ich
will, was ich bin."
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| Wort: Katrin Merten / Bild: P.D. |
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