Jungunternehmer in Leipzig

Selbstständig als Nachfolger
Unternehmen übernehmen


Eine Existenz zu gründen, heißt nicht in jedem Falle, etwas völlig Neues aufzubauen. In die Selbstständigkeit starten kann man auch als neuer Eigentümer eines etablierten Unternehmens. Eines Unternehmens, in dem man zuvor angestellt gewesen ist. Wir stellen drei Firmen vor.


Maik WuttigSeit Anfang dieses Jahres sein eigener Herr ist Maik Wuttig. Er führt den alteingesessenen Dachdeckerfachbetrieb D. Fuchs im Zwenkauer Heinrich-Mann-Weg 7. Der vormalige Eigentümer, Dieter Fuchs, verabschiedete sich in den Ruhestand.
Von einem gemeinsamen Bekannten hatte Maik Wuttig erfahren, dass Dieter Fuchs einen Nachfolger sucht. Er meldete Interesse an, Treffen folgten; schließlich begann zukünftige Inhaber in Zwenkau zu arbeiten, um sich mit dem Betrieb, den Kunden und Mitarbeitern bekannt zu machen. Acht Monate lang.
Maik Wuttig wollte schon immer ein eigenes Unternehmen haben. "Seit der Lehre hab ich das im Kopf." Zielstrebig verwirklichte er sein Vorhaben. Der gebürtige Leipziger ging - kurz nach der Wende - zur Ausbildung in die alten Bundesländer, begann frühzeitig mit der Meisterschule und sammelte Erfahrungen als Bauleiter in verschiedenen großen Unternehmen. So war er gut vorbereitet und kann mit Fug und Recht behaupten: "Ich habe das Anleiten und Organisieren ausgiebig kennengelernt." Gemeinsam mit den komplett übernommenen vier Mitarbeitern erledigt Maik Wuttig nun alle Arbeiten rund ums Dach und möchte mittelfristig auch verstärkt das Thema Solaranlagen angehen.
Dachdeckerfachbetrieb D. Fuchs
Inh. Dachdeckermeister Maik Wuttig
Zwenkau, Heinrich-Mann-Weg 7



Thomas Hildebrand und Falk ZagrodnikBereits seit 3. Juli selbstständig sind Thomas Hildebrand und Falk Zagrodnik. Beide betreiben im Hof der Dresdner Straße 62 die Hildebrand & Zagrodnik GbR, eine freie Autowerkstatt mit einem Servicevertrag für Fahrzeuge von Ford. Bis Juli vergangenen Jahres befand sich an Ort und Stelle das Unternehmen von Fritz Becker, in dem zu DDR-Zeiten Trabants repariert wurden und nach der Wende Fords. Dann verabschiedete sich Fritz Becker in den Ruhestand und schloss sein Autohaus. Thomas Hildebrand und Falk Zagrodnik, Becker-Angestellte seit 1984 bzw. 1992, schlossen es wieder auf. Sie wagten den Neustart, den Schritt in die Selbstständigkeit und stellten auch ihre bisherige Kollegin und den Lehrling ein.
Die zwei Kfz-Mechaniker machten und machen ihre Arbeit wie in den Jahr zuvor - nun allerdings auf eigene Rechnung. "Das funktioniert weitestgehend so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagt Falk Zagrodnik. "Allerdings haben wir jetzt viel längere Arbeitszeiten", ergänzt Thomas Hildebrand, der vor Juni vergangenen Jahres "eigentlich nicht" über eine eigene wirtschaftliche Existenz nachgedacht hatte. Falk Zagrodnik hingegen meint: "Ich hatte es schon mal in Erwägung gezogen."
Die Jungunternehmer hoben die Konzentration auf Ford auf, reparieren "alles, was auf den Hof rollt" und nennen als Schwerpunkte ihrer Arbeit Karosseriemechanik, Elektrik, Glas sowie den An- und Verkauf von Neu- und Gebrauchtfahrzeugen. Die Neuwagen kommen nach wie vor von Ford.
Hildebrand & Zagrodnik GbR
Dresdner Straße 62



Leif Edner und Jens MünzerSeit 1997 arbeitet Leif Edner im "Speed - Jeans & Jackets" in der Strohsack-Passage. Seit Anfang dieses Jahres gehört ihm der Laden. Er und Jens Münzer haben ein funktionierendes Geschäft mit fünf Mitarbeitern übernommen. Gerade einmal sechs Monate vergingen von der Planung bis zur Übernahme. Das passt zum Namen, Speed: "Es geht um Party und um Geschwindigkeit. Party, um zu sehen, was angesagt ist in Sachen Mode. Und Geschwindigkeit, um das schnell umzusetzen. Das wurde zelebriert und wird weiter zelebriert werden."
Edner war 14 Jahre im Unternehmen der vorherigen Inhaber tätig gewesen und im Speed von Beginn an als Geschäftsführer. Der Laden ist sein "Kind". Angefangen hat das auf 120 Quadratmetern, sich im Laufe der Zeit immer weiter vergrößert und heute knapp 700 Quadratmeter Verkaufsfläche. Verkauft wird Bekleidung, "von der Street Wear bis hin zum High-Fashion-Label". Marken wie Yakuza, De Puta Madre, Diesel Silk, Rare und Singly sind präsent.
Die einstigen Besitzer wiederum verlegten sich mehr und mehr auf Mono-Label-Stores, das heißt, auf Ladenlokale, in denen ausschließlich Kleidungsstücke einer Marke angeboten werden. Speed hat ein anderes Konzept. Und so fragten die Inhaber ("Sie sind Chefs und Freunde!") Leif Edner, ob er den Laden übernehmen wolle. Die Antwort lautete: Ja, aber nur mit Jens Münzer. Der war und ist Handelsvertreter eines Young-Fashion-Labels und erledigt im Speed "alles Betriebswirtschaftliche und Verwaltungstechnische". Leif Edner trägt, wie als angestellter Geschäftsführer auch schon, die Verantwortung für "alles, was mit der Mode und dem Laden zu tun hat". Er wollte schon lange selbstständig sein und trat, als er die Chance für die eigene Existenz sah, an die Sparkasse und das ugb heran. Namentlich mit Existenzgründungsberater Jörg Weyh ist Edner sehr zufrieden.
Leif Edner und Jens Münzer haben eine GmbH gegründet und bereits weitere Visionen und Träume in petto. Ihr Hauptaugenmerk wollen beide in Zukunft noch mehr auf Exklusivität legen, auf "Sachen, die nicht in jedem Laden zu haben sind".
Speed, Edner & Münzer GmbH
Nikolaistraße 10 (Strohsack-Passage)

 
Wort und Bild: Ernie Le Coq