Clint Eastwood: Flags Of Our Fathers

Clint Eastwood: Flags Of Our FathersHervorragend in dem, was er tut

Es erstaunt immer wieder, mit welcher Energie Clint Eastwood nach wie vor arbeitet. Andere Leute in seinem Alter - er ist 76 - genießen längst ihren Ruhestand. Eastwood hingegen befindet sich im permanenten Unruhestand. Und er ist nach wie vor hervorragend in dem, was er tut.


Vor zwei Jahren erhielt er einen zweiten Regie-Oscar für sein "Million Dollar Baby", einen wirklich starken Film. Ein genau so starker wie sein Spätwestern "Erbarmungslos", für den er mit dem gleichen Preis schon 1993 geehrt wurde. Und nun wird er erneut als heißer Kandidat für die Trophäe gehandelt. Der Mann ist der beste Beweis dafür, dass man zwar schon Jahre zuvor Ehrungen für sein Lebenswerk erhalten kann (wie 1988 den Cecil B. DeMille Award) und dennoch noch lange nicht am Ende seines Könnens angelangt sein muss.
Clint Eastwood: Flags Of Our FathersUnd dabei wurde Eastwood erst einmal als Westernheldendarsteller bekannt, war zunächst Ende der 1950er sechs Jahre lang als Cowboy in einer TV-Serie unterwegs. Glück für ihn, dass sich Sergio Leone für seinen 1964er Western "Für eine Handvoll Dollar" keinen der etablierten Schauspieler leisten konnte. So übertrug er Clint Eastwood die Hauptrolle für bescheidenere 15.000 Dollar. Der Film wurde ein unerwarteter Kassenerfolg und prägte ein ganzes Genre, das des Spaghetti-Westerns; viele Schauspieler begannen Eastwood nachzuahmen.
Einige Western und Erfolge später profilierte der Mann sich auch als Zweiter-Weltkriegs-Held in "Stoßtrupp Gold", ehe er zu "Dirty Harry" wurde. Der hing ihm eine ganze Weile an. Mit Regisseur Don Siegel realisierte Eastwood aber auch anderes, wie beispielsweise den Knastausbruchsthriller "Flucht von Alcatraz". Und schon 1971 begann er selbst Regie zu führen. Zunächst bei einem Psychothriller. Clint Eastwood: Flags Of Our FathersAn Oscar-Reifes war da noch nicht zu denken. Überhaupt war sich der Mann eigentlich für nichts zu schade, von Action bis Komödie machte er alles. Inzwischen verdiente er gut, und mit dem Geld aus den großen Filmen konnte er eigene kleinere realisieren. Jedoch, auch die größeren Streifen waren nicht immer unbedingt gut und erfolgreich, man denke an "Pink Cadillac" oder "Weißer Jäger, schwarzes Herz". Nach wie vor stand Clint Eastwood vor der Kamera anderer Regisseure. Sein erfolgreichster Auftritt war der in Wolfgang Petersens "In the Line of Fire", wo er den alternden Personenschützer gab.
Er führt also Regie, ist ein erfolgreicher Schauspieler, ebenso Produzent, und, was vielen nicht bekannt ist, er komponiert auch recht beachtlich. Meistens schreibt er die Musik für seine Filme selbst. So auch wieder für sein neuestes, sehr ambitioniertes Werk "Flags Of Our Fathers" (Die Flaggen unserer Väter), eine Literaturverfilmung, die sich mit den realen Kriegsgeschehnissen im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Ausgangspunkt ist ein legendär gewordenes Pressebild, das ein Fotograf genau in dem Moment geschossen hat, als sechs US-Soldaten ihre Fahne auf dem höchsten Gipfel der japanischen Insel Iwo Jima hissen. Eastwood setzt sich mit den damit verbundenen Fragen auseinander, mit den bereits kriegsmüden Amerikanern, die durch dieses Bild wieder Hoffnung und Kraft schöpften.
Clint Eastwood: Flags Of Our FathersDer Vielbeschäftigte hat den Versuch gestartet, mit "Flags Of Our Fathers" ganz viel auf einmal abzudecken: Ein Zeitdokument soll es sein, ein Kriegsfilm, die damalige Generation darstellen und das ganze soziale Dilemma militärischer Auseinandersetzungen aufzeigen. Das alles macht einen sehr patriotischen Eindruck, muss aber im Zusammenhang mit dem nächsten Eastwood-Werk gesehen werden. In den "Flaggen" erzählt er die Geschichte aus der Sicht der Amerikaner. Unmittelbar danach drehte er einen zweiten Streifen ab, "Letters from Iwo Jima" (Briefe von Iwo Jima), und stellt in diesem die Schlacht aus Sicht der Japaner dar.Clint Eastwood: Flags Of Our Fathers
Wenn Eastwood in "Flags Of Our Fathers" die sinnlosen Worthülsen anprangert, die von der Propaganda abgegeben werden, verteilt er ganz klar neuerliche Seitenhiebe auf die momentane amerikanische Regierung. Das ruft in den USA die Rechten auf den Plan. Die sind doppelt sauer, da Clint Eastwood viele Jahre als einer der Ihren galt. In den 80er Jahren zeigte er das in Filmen wie "Firefox", als er den "bösen Russen" die Militärflugzeuge stahl, oder in "Heartbreak Ridge", in dem er den gnadenlosen Schleifer in der US-Armee mimte. Aber spätestens mit "Ein wahres Verbrechen" und seiner Haltung zur Todesstrafe entfernte er sich von den Konservativen und verdarb es sich endgültig mit ihnen in der Frage auf das Recht nach Sterbehilfe in "Million Dollar Baby". Schon in "Erbarmungslos" hatte er ja eigentlich seine früheren gewaltverherrlichenden Werke in Frage gestellt.
Wenn man sich das "Alterswerk" dieses Mannes ansieht, dann hat man Hoffnung, dass da noch einiges kommt. Wer mit 62 seine ersten beiden Oscars (Regie und Bester Film) erhält, mit 74 zum zweiten Mal diese Auszeichnung entgegennehmen und mit 76 zwei so kraftvolle Filme nacheinander drehen kann, dem könnte es doch glatt gelingen, später noch ein drittes Mal zuzuschlagen. Das gab es auch noch nie. Der älteste unter den so geehrten Regisseuren ist er ja schon. Außerdem machte er mit seinen Filmen auch noch acht Schauspieler zu Oscar-Preisträgern!
Ach ja, bei allem, was er je gedreht hat - einer der schönsten Clint-Eastwood-Filme ist doch immer noch "Die Brücken am Fluss", in dem er einen Fotografen spielt, der ein kurze Affäre mit einer Farmerin hat. Er und Meryl Streep waren ein unwahrscheinlich tolles Paar.
 
Wort: Carola Kinzel / Bild: Warner