| MDR Sputnik - Neu seit 1. Dezember |
The Next Level
Historie
Unterstützt, geliebt, verschmäht, verklagt, verbannt und wieder auferstanden.
Sputnik ist Radio und Zeitgeschichte. Man schrieb das Jahr 1964, als DT64 auf
Sendung ging. 35 Jahre dauerte der Spagat zwischen Blauhemd und den Beatles,
zwischen Zensur und Anspruch, zwischen sozialistischer Wirklichkeit und Umgehung
derselben, bis sich 1989 alles wendete. Neue Möglichkeiten, neue Themen und neue
Aufgaben. "Power from the Eastside" lautete der Anspruch des Senders. Silvester
1991 ging eine Meldung über den Ticker, die verkündete, dass aus DT64 ein neues
Radio wird, das neue Wege gehen soll - die Geburtsstunde von MDR Sputnik. Aus
dem modernsten Radiostudio der ARD - am Waisenhausring in Halle gelegen - probte
man die Zukunft. Sputnik setzte Trends, schaltete Funkbrücken über den Kontinent
und war am 13. Mai 1995 als einer der ersten deutschen Sender online. Die
Sputnik-Community entstand, Radio und Internet wuchsen zusammen und Sputnik
wurde zum ersten Multimediaradio der ARD. Mit dem Umzug ins neue Funkhaus an der
"Spitze" in Halle startete Sputnik im Alter von zehn Jahren die erste
interaktive Radioshow - Hören, Sehen, Chatten, Mailen, Anrufen. 2002 gewann der
Sender den Neo Award als beste deutsche Radioseite im Netz. Ein Jahr später
folgten der renommierte Lead Award, der deutsche Dance Award und der Online
Music Award. Nun schreiben wir die Gegenwart und Sputnik - Next Level.
Relaunch
Die größten Hits der 70er, 80er und 90er und das Beste von heute im besten
Mega-Mix und Blablabla. Wann gibt's da mal was Neues? Ein Radio nicht für die
Masse, ohne nervige Endloswerbeschleifen und noch nervigere Gewinnspiele, die
einen zwingen wollen, rund um die Uhr jenen allgemeingefälligen Musik-Quark zu
hören, Geräusche zu raten, auf den Superhit des Tages zu warten, einfach mal zu
schätzen, wie viele Ecken ein Viereck hat ... Die Ärzte raten, das Radio klein
zu hacken, an die Wand zu schmeißen und anzuzünden. Die Botschaft eben jener
Farin-Urlaub-Formation war nie verständlicher als heute.
Eric Markuse, neuer Programmchef bei MDR Sputnik, will nicht, dass man das Radio
eintritt, während sein Programm läuft, und darum gab es am 1. Dezember einen
Sputnik-Relaunch oder auf deutsch Neustart. Wir hören von Magazinsendungen, die
Hintergründe liefern zu dem, was wichtig ist. Von neuen Musiksendungen, neuen
Nachrichtensendungen, die dem Tagesgeschehen mehr Zeit schenken als zwei
Minuten, einer neuen Musikplattform, die junge Musiker und Bands fördern und ins
Radio holen will, von noch mehr Podcasts und Downloads mit einer Community, die
Spaß haben soll am kommerz- und spamfreien virtuellen Raum. Sputnik - Next
Level.
Wir brechen das Format auf
Sputnik hat also nicht den besten und tollsten Wie-auch-immer-Hit-Mix? Was dann?
"Dieses Rennen findet ohne uns statt", meint Musikchef Reinhard Bärenz. "Wir
brechen das Format auf. Musik ist viel mehr als nur Rotation für den
Hintergrund. Unsere Antwort heißt 'Sputnik - Deine Musik'. Dafür haben wir neue
Verbündete gefunden, zum Beispiel die Redaktion der Musikzeitschrift Intro, und
bewährte Traditionen wiederbelebt." Wer das behauptet, muss Taten folgen lassen.
Das könnte gelingen, denn man hat im Sender den kompetenten Musikjournalismus
wieder ausgegraben und zum Kerngeschäft erhoben. So wird mehr Wort, mehr
Information und weniger Gedudel auf Format gebracht.
Mehr Nachrichten
Doch informieren kann man sich überall, Nachrichten überfluten uns, jeder hat
Zugriff auf Informationen, permanent und weltweit - was kann da das Radio Neues
leisten? "Sputnik recherchiert, filtert und sortiert, was wichtig ist", erklärt
Nachrichtenchef Mike Heerdegen das neue Konzept. "Nicht nur informieren, sondern
das Warum klären und welche Folgen es für den geneigten Hörer hat", beschreibt
er den Anspruch seines gewachsenen Nachrichtenteams. Da scheint die
Nachrichtenredaktion also zu wissen, was Euch interessiert, welche Probleme Ihr
habt und was Euch wichtig ist. Wir fragen uns woher? "Die Themen, Reportagen und
Hintergründe entstehen immer in Kommunikation mit den Hörern - durch Votings und
Foren auf unserer Webseite, sowie SMS und Telefon", meint dazu
Sputnik-Redaktionsleiter Jörg Wiesner. "Zudem entsteht Sputnik Campus, eine
Zusammenarbeit mit den Studentenradios der Unis und Hochschulen im Sendegebiet.
Sie bringen täglich Themen und Beiträge der Studenten auf den Sender, ein Novum
im deutschen Radio." Das klingt nach echter Nähe!
Multimedia
Hörernähe, die in der neuen Community ausgelebt werden soll. Doch die ist nicht
neu, sondern sucht seit mittlerweile zehn Jahren genau diese Nähe. Laut
Statistik besitzen 57 Prozent aller Sputnik-Hörer einen mp3-Player, die
Podcast-Generation vermehrt sich wie die Karnickel, und seit dem Frühjahr
arbeiten sechs Informatikstudenten unter der Leitung des Informatik-Dozenten Dr.
Jörg Ritter an einer Sputnik-Community-Plattform unter dem Titel "FKK -
Freunde-, Kommunikations- und Kontaktplattform".
Mit Sätzen wie "Radio und Netz werden noch weiter zusammenwachsen" lassen wir
uns aber nicht abspeisen. "Was ist neu?" geht die Frage an Sputnik-Online-Chef
Uwe Sänger und Multimedia-Mann Jens Schöne: "Jeder hat die Möglichkeit, seine
persönliche Seite mit eigenen Inhalten zu füllen." Jaja. Das kennen wir bereits.
Doch was ist wirklich neu? In den Antworten hören wir von täglich wechselnden
und einzigartigen Podcast-Angeboten. Jeden Tag produziert die Redaktion
Musik-News für mobile Endgeräte und präsentiert die wichtigsten Platten, die
neuesten Songs, Tops und Flops, Themen und Trends im wöchentlichen Abo.
Ebenfalls auf mp3-Player gelangen die Songs junger Bands aus dem
Sputnik-Soundcheck.
Soundcheck
Es gibt Newcomer-Plattformen,
Newcomer-Festivals und
Newcomer-hast-du-nicht-gesehen - aber alles auf einmal, das gab es noch nicht.
"Wir bieten Öffentlichkeit, eine Plattform und ein Publikum", sagt
Sputnik-Musikredakteur Hendryk Proske. "Die Community mySputnik ist die
Plattform dafür. Die Bands können ihre Seiten selbst gestalten, ihre Musik
vorstellen, Kontakt zu anderen aufnehmen und ihre Termine veröffentlichen. Sie
bekommen sogar ihre Sendung im Radio. Jede Woche dienstags ab 21 Uhr werden neue
Musiker und deren Songs vorgestellt und zusätzlich als Podcast angeboten. Und
sie werden bei Sputnik-Veranstaltungen auf der Bühne stehen. Den Weg, den wir
mit dem Sputnik-Soundcheck vor fünf Jahren begonnen haben, setzen wir damit
konsequent fort", so Proske. Und: "Wer gute neue Musik im Radio will, der muss
auch bereit sein, sie zu fördern."
Fazit
Summa summarum hat Sputnik das Rad(io) nicht neu erfunden, möglicherweise aber
runder gemacht.
Oder vielmehr eckiger! Freut Euch auf neue Moderatoren am
Morgen, eine Radio-Soap ab Januar, eine Internet-Community, die noch nie
dagewesene Vielfalt verspricht. Freut Euch auf mehr Anspruch, auf Radioreporter,
die ab sofort auch mit Kamera unterwegs sind und sich ihrerseits auf diese "ganz
neue, wilde Welt" freuen. Euch erwartet ein komplett neues Programm mit
wiederbelebten legendären Shows und neuen Sendungen. Freut Euch auf die
Turntabledays 2007, auf gut recherchierte und verständlich erzählte Nachrichten,
die täglich 13 und 18 Uhr in Englisch über den Sender gehen. Freut Euch auf MDR
Sputnik The Next Level.
Eric Markuse
Neuer Chef, neues Programm
Sie sind der neue Programmchef bei MDR Sputnik. Wer ist Eric Markuse?
Ich bin 44 Jahre alt und kam 2001 als Unternehmenssprecher zum MDR. Zuvor war
ich stellvertretender Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Seit Juli dieses
Jahres bin ich Programmchef von Sputnik und leite zudem die Hauptabteilung Neue
Medien des MDR. Den weniger interessanten Rest kann man unter
www.ericmarkuse.de nachlesen.
Sputnik will mit dem Relaunch ein neues Level erreichen. Erfinden Sie Sputnik
neu oder renovieren Sie nur Altes?
Wir renovieren nicht und erfinden auch das Radio nicht neu. Wir entwickeln uns
konsequent weiter. Wir reagieren auf einen veränderten Anspruch an das Medium
Radio und auf ein verändertes Mediennutzungsverhalten bei den Unter-30jährigen.
Es wird zukünftig mehr Journalismus, mehr Magazine, mehr Diskussion und
Hintergründe geben. Sie gehen demnach davon aus, dass die Hörer mehr Anspruch
statt Musik wollen. Ist Ihre Zielgruppe intellektuell genug, um sich mehr als
nur berieseln zu lassen?
Unsere Zielgruppe war bislang grob über die Altersgruppe der 14- bis 29jährigen
definiert. Wir wollen jetzt auch diejenigen erreichen, die Trends setzen, die im
besten Sinne leistungsorientiert sind, die im Internet zu Hause sind und in der
Tat mehr vom Radio erwarten als Berieselung. Fachleute bezeichnen diese als
Milieus der "Experimentalisten" und "modernen Performer" mit positivem
Lifestyle. Es sind aufgeschlossene junge Menschen, die studieren oder in der
Berufsausbildung sind oder schon den Einstieg ins Berufsleben gefunden haben.
Passt sich Radio den Hörern an oder kann Radio die Hörer verändern bzw.
anpassen?
Das Radio muss aufpassen, dass es seine Hörer nicht vergrault. Nur noch die
besten Hits, die größten Hits, das Beste von gestern, das Blödeste von morgen.
Das klingt alles gleich und ist öde. Das mag auch ein Grund sein, warum die
Hördauer bei jungen Menschen zurückgeht. Und wir stellen zudem fest, dass immer
mehr Jugendliche ihr Programm aus dem Internet beziehen, sich ihre Inhalte auf
mp3-Player downloaden. Nicht nur Musik, sondern auch Wortbeiträge. Sputnik wird
also anders werden. Wir brechen mit dem bisherigen Format und verändern unsere
Musik. Wir werden besser informieren und unterhalten. Und wir werden so viele
Inhalte wie möglich auf unserer Homepage zum Download anbieten.
Es wird viele neue Sendungen geben. Welche beschreibt am ehesten das neue
Sputnik-Konzept?
Das ist der Soundcheck, weil Online und Radio bei diesem Projekt grandios
zusammenspielen werden. Der Soundcheck ist zunächst eine Internet-Plattform für
Newcomer. Hier schafft Sputnik Raum für neue Bands und Musiker, bietet ihnen
eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung und ein großes Forum. Daraus machen wir
eine wöchentliche Sendung. Wir reden mit den Musikern, stellen sie einem
Publikum vor, indem wir sie ins Radio holen. Für das neue MDR Sputnik stehen
aber auch unsere Musik-Specials am Abend und unsere Hörerlebnisse sowie unsere
beiden Magazinsendungen um 13 und um 18 Uhr.
Haben Sie schon einmal über eine Sputnik-Fernsehsendung nachgedacht?
Eine Sputnik-Sendung im MDR-Fernsehen? Ich glaube nicht, dass es funktionieren
würde. Ich kann mir aber Sputnik sehr gut auf den neuen Handies vorstellen als
"Visual Radio". Daran arbeiten wir übrigens. Wir haben drei ausgebildete
Video-Reporter und bekommen ein kleines Video-Studio.
Was hören Sie persönlich am liebsten für Musik?
Musikalisch bin ich breit aufgestellt. Von der Belcanto-Oper zum lauten
Mitsingen unter der Dusche bis Rock ist alles dabei, sogar ein wenig R'n'B.
Abends mag ich's gerne ein wenig chilliger.
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| Wort: Thomas Leibe / Bild: Stephan Flad, Marco
Prosch, Thomas Leibe |
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