Christoph Maria Herbst

Christoph Maria HerbstSogar bei Sabine Christiansen lachen

Christoph Maria Herbst war unter anderem ein Ladykracher und die ulkigste Hitler-Adaption seit Chaplin, er ist der schlimmste Chef aller Zeiten und einer der prämiertesten Comedians des Landes. Als Hommage an seinen größten Helden der Literaturgeschichte sprach er den "Vollidioten" aus Tommy Jauds gleichnamigem Bestseller auf Band bzw. Hörbuch und gibt eben diesen nun am 5. Januar im Steintor zum Besten. Doch bevor Christoph Maria Herbst sitzt und liest, sollte er stehen und zwar Rede und Antwort. Die Fragen dazu kamen von uns.


BLITZ!: Sie waren zu Beginn Ihrer Fernsehkarriere in Serien wie "Balko" und "Alarm für Cobra 11" zu sehen. Wie kam der Wechsel ins komödiantische Fach?
C.M.H.: Gleich die erste Frage ist eine gute Frage. Ich war schlicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In meiner bisherigen Laufbahn hab ich überwiegend Theater gespielt, wo du mehr oder weniger alles spielen musst. Ich war niemals der Komiker vom Dienst. Der Sprung zu "Ladykracher" in 2001 kam über ein ganz normales Casting, wo halt meine komödiantische Seite abgefragt wurde. Auf diese Weise bin ich dann bei einem größeren Publikum als "Comedian" hängen und ich selbst diesem Genre zunächst mal treu geblieben. Ich empfinde mich allerdings nicht als solcher, doch macht mir die Komödie noch zuviel Spaß, und es gibt dort noch wahnsinnig viel zu tun und vor allem zu lassen.

BLITZ!: Zerstört man sich dadurch die Möglichkeit, ernste Rollen zu spielen oder wirklich fiese Bösewichte?
C.M.H.: Ich hoffe nicht. Ich arbeite gerade daran, dass das nicht passiert und will mich mittelfristig auch gern mal wieder auf nicht-komödiantische Aufgaben konzentrieren.

BLITZ!: Anfang 2007 kommt die langersehnte dritte "Stromberg"-Staffel ins Fernsehen. Was erwartet uns Neues vom "Chef der Herzen"?
C.M.H.: War die erste Staffel noch eher Exposition von Figuren und Szenerie, die zweite dann schon mehr von der Midlife-Crisis unseres Bernd geprägt, so zeichnet sich die dritte Staffel, zu der ich momentan in den Dreharbeiten stecke, vor allem dadurch aus, dass die Titelfigur auf Teufel komm raus versucht, wieder auf die Füße zu fallen. Auffallend ist zum Beispiel, dass mindestens zwei Folgen der dritten Staffel die Vornamen von Frauen als Titel tragen werden … Da ist also einer auf der Suche nach seiner Mitte, auf dem Umweg über das andere Geschlecht. Ansonsten gibt es Tod, Krankheit, Prügeleien usw., also alles, was zu einer Comedy aus deutschen Landen gehört!

BLITZ!: Ein bisschen Stromberg steckt sicher in jedem Mann. Wie viel Stromberg sind Sie selbst?
C.M.H.: Wollen sie es in Prozent oder Kilo wissen? - Ich will es mal so ausdrücken: In homöopathischen Dosen. Ich blase meine Strombergschen Anteile für diese Figur vor der Kamera bis zur Kenntlichkeit auf. Die äußere Erscheinung geprägt von Halbglatze und Kinderschänderbart hilft mir dabei. Aber glauben sie mir, es gibt schönere Masken!

BLITZ!: Sie lesen am 5. Januar im Steintor aus Tommy Jauds Bestseller "Vollidiot". Warum gerade aus diesem Buch?
C.M.H.: Aus zutiefst egoistischen Gründen: Ich finde es selbst klasse und bring gern andere zum Lachen. Und beide Punkte erfüllt der "Vollidiot". Tommy versteht es besonders gut, lebendig und lebensnah zu schreiben und nur soweit zu überziehen, dass man es so gerade eben noch glaubt, was man da liest - immer aber mit mindestens einem Schmunzeln! Vielleicht weil er bislang überwiegend Dialoge fürs Fernsehen und Kino geschrieben hat.

BLITZ!: Was erwartet die Hörer zur Lesung?
C.M.H.: Nicht sehr viel mehr als eben selbige. Ich stell mich in den Dienst des Textes. Sollte mich der Hallenser an sich indes herausfordern, so will ich mich bemühen, ihm in adäquater Form Kontra zu geben.

BLITZ!: Über wessen Humor können Sie lachen?
C.M.H.: Bei Jaud fühl ich mich schon ziemlich zu Hause. Gern mag ich auch die Schreibe unseres "Stromberg"-Chefautoren Ralf Husmann, der sich im Übrigen auch grad prosaisch versucht. Ansonsten kann ich sowohl bei Kleist als auch bei Loriot lachen und mit genügend Alkohol sogar bei Sabine Christiansen.

Termin
05.01. Steintor-Varieté
 
Wort: Thomas Leibe / Bild: P.D.