Der Glühwein-Test

Der Glühwein-TestMan nehme Rotwein niederer Qualität, zuckere die Plörre, um den Gütemangel zu kaschieren, haue Zimt, Zitronenschalen und Gewürznelken dran, erhitze es auf circa 70 Grad Celsius und verkaufe es den Weihnachtsmärkten der Republik. Wir wollten wissen, wie es um den Glühwein auf dem halleschen Markt bestellt ist und haben Franzi, Diana und Nathalie, allesamt in der hiesigen Gastronomie tätig, zum Testen auf den oberen Weihnachtsmarkt geschickt. Dabei war nur eins wichtig: Schmecken muss es!

17.00 Uhr
Die drei freuen sich durstig auf den ersten Glühwein an der Glühweinpyramide am Händel. Wir bekommen drei frischgebrühte Fabrikate zu je 1,50 Euro. Angeblich wurden die auf 80 Grad erhitzt, unsere Testerinnen aber sprechen von gefühlten 60 Grad. Die offenbar zu niedrige Temperatur lässt den Alkohol kräftig schmecken. Der Abgang mundet herb-würzig. Alles in allem ein trinkbarer Glühwein. Kekse und Walnüsse, inklusive eines Nussknackers, reicht man kostenlos dazu.

17.20 Uhr
Weiter geht's beim Nachbarn, der sich mit "Glühwein vom Winzer" präsentiert. Eine rheinische Frohnatur serviert drei Würzweine, diesmal ordentlich heiß. Ein lieblicher Dornfelder aus eigenem Anbau am Rhein stellt die Grundlage für diesen als kräftig, intensiv und fruchtig beschriebenen Glühwein zu 1,50 Euro. Derweil babbelt der Chef über seinen Wein und unterhält auf angenehme Art unser Testpersonal. Zu diesem Zeitpunkt weiß das noch nicht, dass dieser Glühwein einer der leckersten des Abends werden sollte.

17.45 Uhr
Die Glühweinkutsche, Richtung Große Märkerstraße, wartet mit drei anständig heißen Bechern Glühwein auf unsere drei Frauenzimmer, die zunehmend fröhlicher werden. 1,50 Euro verlangt man ganz traditionell auch hier, als hätte man sich abgesprochen. Überraschenderweise zahlen wir kein Pfand. Der Glühwein schmeckt angenehm leicht, nicht übertrieben nach Gewürzen und wird einhellig als Frauenglühwein betitelt. Womöglich lag es auch am freundlichen Cowboy hinterm Ausschank. Mädels, wir müssen weiter!

18.00 Uhr
Kurz bevor der Markt in die Leipziger Straße mündet, verkauft man Glühwein für einen Euro. Wer auf Ambiente verzichten kann & den Charme einer Großküche in Miniatur mag, darf sich getrost anstellen. Hier am McDrive der Glühweinkultur schmeckt eben jener fruchtig, mild und hatte auch eine ordentliche Temperatur. Irgendwie fehlt allerdings die Weihnachtsstimmung und das gewisse Etwas fürs Herz. Für Sparfüchse und Trinkfeste jedoch ist das die gelungene Alternative. Nach einer Stunde und vier Glühweinen beginnen unsere drei Ladies unkontrolliert zu kichern.

18.15 Uhr
Nächster Stopp ist die Glühweinhütte am Stadthaus. Hier sieht es auch wieder herrlich nach Weihnachten aus. Das geräumige Objekt bietet ausreichend Platz und kuscheligen Schutz vor widrigen Witterungen. Wir bestellen drei Glühweine, die prompt und "schweineheiß" geliefert werden. Mit 1,80 Euro trinken unsere Mädels hier den teuersten Glühwein des Abends. Das Objekt der Begierde schmeckt fruchtig, kräftig und süß. Standardglühwein, aber gemütlich zu trinken. Die Augen der Ladies beginnen zu glänzen, die Wangen glühen bereits seit der Glühweinkutsche. Feierabend? Von wegen!

18.40 Uhr
Meyers Glühweinschänke, Richtung Kaufhof, will auch probiert werden. Im lustigen Wackelschritt tanzen wir direkt in die nächste Hütte. In der vielleicht weihnachtlichsten Glühweinbude des gesamten oberen Marktes schmeckt der Trunk zu 1,50 Euro fruchtiger als jeder bisher gestestete. Bei aller Lobhudelei über die Freundlichkeit des Personals, das Ambiente und den fruchtigen Geschmack des Weins lag die Temperatur des Getränks jenseits von "Glüh". "Mundwarm" nannten es unsere Testerinnen. Dafür bekommen sie hier aber eine Bonuskarte. Wer zehn vertrinkt, bekommt weitere zwei aufs Haus. So bindet man Kundschaft. Aber nicht uns und nicht heute.

Der Glühwein-Test19.00 Uhr
Letzte Station, Lutzes Glühweinhütte direkt vorm Kaufhof. Lutz steht selbst hinterm Ausschank, direkt neben seiner Frau, 31 Jahre lang verheiratet und aus Teutschenthal. Der kräftige Glühwein kommt aus Nürnberg, kostet 1,50 Euro, ist anständig heiß und schmeckt noch fruchtiger als der bei Meyers. Ab hier wird hemmungslos mit Lutz geflirtet. Die Frau duldet's, ist es doch gut fürs Geschäft. Für die Mädels, die mittlerweile prächtig einen in der Krone haben, ist klar: Lutz ist der Star an der Glühweinbar. Ein krönender Abschluss mit viel Herzlichkeit und einem überragenden Lutz.

Fazit: Den besten Glühwein tranken unsere Testerinnen bei Lutz und beim Winzer.
 
Wort und Bild: Thomas Leibe