Eszter Csontos

Eszter CsontosEin großes Talent ohne Allüren

Seit Beginn der laufenden Saison spielen die ChemCats in der Basketball-Bundesliga. BLITZ! war bei einem Spiel dabei und erfuhr von Kapitänin Eszter Csontos unter anderem, warum diese viel lieber in Deutschland und nicht in Amerika in die Körbe trifft.


Die Deutschen machen alles zu 100 Prozent, ihr Kampfgeist begeistert mich", sagt die Ungarin Eszter Csontos. Ob die 100 Prozent heute für den Sieg reichen? Eszter spielt in dieser Saison bei den ChemCats, dem Chemnitzer Frauen-Basketball-Verein.
Um ihrem Ziel, dem Klassenerhalt, ein Stück näher zu kommen, sollten die Katzen gegen Mitaufsteiger BG Zehlendorf gewinnen. 500 Zuschauer sind in die Sporthalle am Schlossteich gekommen, um das Spiel zu sehen und die ChemCats zu unterstützen - einige sogar mit Tröten und Trommeln. Von den sechs Bundesligaspielen bis dahin konnten die Chemnitzerinnen nur eines gewinnen, höchste Zeit, ein paar Punkte zu sammeln. Nach dem ersten Viertel steht es 13:15. Die Frauen aus Zehlendorf sind energischer und treffsicherer. Doch die ChemCats lassen spüren, dass sie heute unbedingt gewinnen wollen. Eszter Csontos baut das Spiel immer wieder neu auf und erzielt selbst einige Punkte. Am Ende wird sie - gemessen an den Körben - mit 20 Punkten die zweitbeste Chemnitzerin sein. Und das, obwohl sie heute nicht absolut fit ist, gestern lag sie noch mit 38 Grad Fieber im Bett.
Derzeit konzentriert sich Eszter nur auf Basketball, ohne nebenbei arbeiten gehen zu müssen. Ein Studium der Wirtschaftsökonomie hat sie bereits abgeschlossen. 2003 kam die Ungarin nach Deutschland. "Die deutsche Bundesliga ist immer besser geworden. Außerdem ist Deutschland nicht ganz so weit weg von zu Hause", erklärt die 24jährige. Schließlich wartet in Sopron, ihrem ungarischen Wohnort, ihr Ehemann auf sie.
Bis zur letzten Saison spielte Eszter beim Bundesligist Schwabing. Dort erreichte sie durchschnittlich 18,2 Punkte pro Spiel und war damit zweitbeste Scorerin der Liga. Für die ChemCats ist Eszter ein Segen. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga wurden auch ein paar neue professionelle Spielerinnen gebraucht. Seit September ist die Ungarin Kapitänin der Mannschaft und fühlt sich sichtlich wohl: "Ich habe mich hier gut eingelebt. Im Ausland denken ja viele, die Deutschen seien nicht so zugänglich. Aber das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Alle sind sehr hilfsbereit und freundlich. Ich habe hier alles, was ich brauche." In den USA, dem Mutterland des Basketballs, will Eszter dagegen nicht spielen. In Europa sei nämlich nicht nur die Physis entscheidend, sondern auch die Cleverness. Das liege ihr mehr. Der Trainer, Raoul Scheidhauer, schätzt an Eszter nicht nur ihr großes Talent im Basketball. "Sie ist auch eine Führungspersönlichkeit auf dem Spielfeld", sagt er. Und darauf kommt es schließlich an als Kapitänin. Noch dazu ist die ungarische Nationalspielerin überaus freundlich und ohne jegliche Allüren. Geduldig beantwortet sie die Fragen von Zuschauern und Journalisten.
Im Spiel gegen Zehlendorf steht es zur Halbzeit 27:26 für die ChemCats. Es bleibt spannend. In der Pause debattieren die Fans über die Spielzüge. Hier scheint es eine große Basketball-Familie zu geben: viele kennen sich, viele kennen sich aus. Einige tragen gar T-Shirts und Schals mit dem Logo des Basketballvereins.
In der zweiten Halbzeit müssen die ChemCats treffsicherer werden, wenn sie heute den zweiten Heimsieg der Saison feiern möchten. Es wäre ein so wichtiger. "Das Ärgerliche an den bisherigen fünf Niederlagen war, dass wir meist gut gespielt haben und immer auch eine Chance hatten, zu gewinnen", sagt Raoul Scheidhauer. Er betont zudem, dass er in dieser Saison noch nie mit dem kompletten Team spielen konnte. Auch heute sind nur drei Spielerinnen richtig fit, die anderen leicht angeschlagen. Doch das lassen sie sich kaum anmerken. Fünf Minuten vor Schluss liegen die ChemCats mit zehn Punkten vorn. Die Zuschauer sind begeistert - jetzt stehen alle auf, klatschen mit, jubeln bei jedem erzielten Korb und schaffen die Geräuschkulisse einer großen Arena. So fällt es den Basketballerinnen nicht schwer, den Vorsprung bis zum Ende des Spiel zu halten. Sie gewinnen 69:57. Ein wichtiger Sieg. "Wir wussten, dass wir gewinnen müssen, wenn wir in der ersten Liga bleiben wollen. Wir sind die ganze Zeit drangeblieben und haben ein paar Minuten lang richtig Power gegeben", erklärt Eszter Csontos nach dem Spiel.
Der Klassenerhalt scheint ein realistisches Ziel zu sein. Doch bis zum Ende der Saison müssen noch einige Punkte geholt werden. Kein Grund also zum Ausruhen. Aber das wollen die Spielerinnen ohnehin nicht, schließlich geben sie immer 100 Prozent, wie Eszter sagt. Sie macht es mindestens genauso.
 
Wort und Bild: Anne Hähnig