Krissi trifft Björn Köbis

Björn KöbisMusik über alles heben

Man kann machen, was man will, und trifft doch immer auf einen, der besser ist als man selbst! Der Typ jetzt hat einen Flugschein, moderiert bei Thüringens angesagtestem Radiosender und darf jedes Wochenende in 'nem anderen Club die Party schmeißen! Für mich spricht da nur, dass ich die wesentlich attraktiveren Arbeitszeiten habe und besser aussehe!


Keine Angst, RadioTop40-Björn (29), unser Typ des Monats, wird mir den Spruch nicht krumm nehmen. Wir kämpfen quasi mit den gleichen Waffen, und verbal gewaltfrei zerbröselte Friedenskekse gibt es bei uns nicht. Da huscht mir doch ein Grinsen übers faltenfreie Gesicht! Der Björn, nee, nee, der ist schon ein Lieber! "Ja! Ich weiß!" So seine Antwort! Macho-Typ oder was? Oh, für die Antwort auf diese Frage, muss man schon ein tiefes Loch in die oberflächliche RadioTop40-Erfolgsgeschichten-Saga bohren. Die Stoppschilder am Wegesrand in Richtung "Seelenpool Björn Köbis" einfach gnadenlos ignorieren und irgendwann, und zwar genau dann, wenn man es nicht erwartet, ist man angekommen und sitzt drei Stunden an einem Glas Wein, weil man aus dem Quatschen nicht mehr rauskommt.
Da erzählt Björn vom Casting für Top40 damals in Erfurt, davon, dass Mutti bei der Bewerbung geholfen hat und vom Schiss davor, nicht genommen zu werden. "Björn? Setz dich hin! Du bist im Boot", lauteten die erlösenden Worte von Thommy, dem Chefredakteur von Top40, damals am Telefon. Zwei Casting-Runden und eine Probesendung waren überstanden und Björn dabei! Das ist mittlerweile über sechs Jahre her, und er kann sich "Man-on-Moon-like" der Erste schimpfen! "Radio Top 40... wir sind drauf!" Die ersten Worte, die erste Sendung, der erste Moderator!
Doch weil es jetzt eben nicht um den grünen Sounddealer gehen soll und Privates von bekannten Menschen immer interessant ist, kommen hier die schonungslos ehrlichen Details: Er trinkt gern Chianti, hat erst kürzlich die therapierende Wirkung von ABBA auf sein Seelenwohl entdeckt und findet - wie alle Kinder - SpongeBob geil. An letzterer Leidenschaft dürfen zuweilen auch die Menschen teilhaben, die mit ihm außerhalb des Radios zusammenarbeiten. Kein Geringerer als Louis Garcia hat sich seiner angenommen und glaubt an Björns Talent, welches, so versichert mir Louis, im wesentlichen darin besteht, dass Björn sofort einen Hit erkennt. Und so produzieren Louis und Björn unter dem Decknamen Selectric fleißig an einem elektronischen Housesound, der die "die perfekte Mischung aus French-House, Elektro und Pop" werden soll. Und Björn meint es ernst. Hinter einer Tür in seiner Wohnung befindet sich ein sehr gut ausgestattetes Studio, wie man es so in Erfurt nicht vermuten würde.
Unterhält man sich ernsthaft mit ihm über seine Passion, kommen konkrete Ziele ans Tageslicht: "'ne eigene Sendung bei Top40, mit Selectric-Produktionen finanzielle Unabhängigkeit erreichen und Musik über alles heben!" Große Worte von einem Typen, der es einem schwer macht, ihn richtig ernst zu nehmen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass er zu jeder passenden wie unpassenden Gelegenheit Synchronstimmen-Jepardy mit seinen Gesprächspartnern spielt. Dennoch, egal welche Macke man ihm anhängen will, er hat's einfach drauf. Wenn er spinnt, dann richtig! Ich kenne sonst niemanden, der aus dem Stand die Vita von Terence Hills Synchronstimmengeber runterrattern kann. Aber nicht nur deshalb hinterlässt er bei mir die Ahnung im Hinterkopf, dass er sehr konsequent seinen Weg gehen und seine Ziele erreichen wird. Hilfreich ist ihm dabei seine Fähigkeit, sich selbst zu kritisieren.
Ich frage Björn, was für ihn die größten Fehler sind, die man in seinem Beruf begehen kann und wie groß seine Angst ist, in eben diese Fehlerfallen zu tappen. "Ich habe keine Angst vor Fehlern!" Aaah ja! Gut, dann halt andersherum gefragt: "Machst Du alles richtig?" Spontan und ehrlich kommt zurück: "Nein!" "Also, was machst Du denn nun falsch?", wundere ich mich. "Ich weiß es auch nicht", überlegt er, "nur, wenn ich denke, ich mach alles richtig, hör ich, glaub ich, auf, besser werden zu wollen, oder?" Er hat recht, und weil wir gerade bei schweren Denkaufgaben sind, gibt es von mir gleich nach Assoziationen schreiende Schlagwörter obendrauf. Frei nach dem Motto: "Zuhören! Kurz nachdenken! Drüber reden!" So fällt ihm zum Thema Musik ziemlich schnell ein schlauer Satz ein: "Musik ist der Soundtrack zu Deinem Leben". Stars setzen sich seiner Meinung nach zum Kacken hin, und Eis ist für ihn ein Spielzeug! Soso, Du Schuft, denke ich mir, das kannst Du haben: Sexspielzeug? Er überlegt lange, grinst, wird sich indes bewusst, dass ich ihn auf jeden Fall zitieren werde und bleibt wortlos! Schachmatt! Advantage Krissi! Wenigstens dieses eine Mal! Danke Björn!
www.derbjoern.com
 
Wort: Kristina Hentsch / Bild: Niklas Hoffa, P.D.