| The BossHoss machen Rodeo-Radio |
Rock
'n Roll mit Hut
Am Anfang waren einige einigermaßen verwirrt: Mitten in der großen Country-
und Cowboywelle, als die Vorstadt-Trucker stolz ihren Stetson polierten und die
Alternativen plötzlich Johnny Cash entdeckten, kam aus der Hauptstadt eine
Truppe daher, die es ausgerechnet jetzt wagte, das ganze Ding mit einem breiten
Grinsen zu sehen, ja sogar richtig zu veralbern.
Hatten The BossHoss da irgendetwas missverstanden oder den Schuss überhaupt
nicht gehört? "Wir haben dieses ganze Cowboy-Ding irgendwie gar nicht
mitgekriegt", gibt Drummer Frank Doe gegenüber BLITZ! zu, "wir hatten im
Freundeskreis ein paar Projekte in den Schubladen, eines war BossHoss mit der
Absicht, Country so ein bissel auf die Schippe zu nehmen. Dass wir dann in so
einen Boom reinrannten, hat uns sehr überrascht. Wir sind anfangs auf ein paar
richtige Cowboy-Feste gebucht worden. Da war es uns gelegentlich auch schon mal
bissel mulmig. Am Ende brauchen aber auch die echten Cowboy-Spießer mal ein
bissel Frische und Spaß. Sie haben uns fast immer gemocht."
Na siehste! Bekanntester Song der glorreichen Sieben ist wahrscheinlich die
Eiscreme-Werbung für's Kino, eine recht geglückte Version des bekannten
Gassenhauers "Like Ice In The Sunshine". Der Gedanke liegt nahe, dass das der
Höhepunkt jedes Konzertes sein könnte. "Neee", wehrt Frank sofort ab, "diesen
Song haben wir noch nie live gespielt. Wir haben das damals gemacht, um ein
bissel bekannt zu werden. Der Song wäre sonst nicht für uns in Frage gekommen.
Wir wollen auch nicht als Eis-Werbungs-Band abgestempelt werfen."
Sie sind ohnehin klug genug zu wissen, dass man als Coverband schnell Erfolge
einfahren kann, die Strähne aber meist nicht lange anhält. Frank erklärt: "Wenn
wir uns auf Coverversionen bekannter Hits im Country-Gewand beschränken würden,
müssten wir uns nach dem zweiten Album auflösen, weil sich nichts mehr
entwickeln würde. Das ist absolut nicht unseres. Wir haben also schon auf der
zweiten Platte etwa die Hälfte der Stücke selber komponiert, auf der dritten
sollen es tatsächlich fast alles eigene Nummern werden. Unser eigenes Zeug geht
musikalisch weg vom Country, das wird mehr so Rock 'n Roll mit Hut."
Aha. Immerhin, die Richtung scheint zu stimmen. Nach nur drei Jahren des
Bestehens ist man bei einem Konzertdurchschnitt von 1.000 Fans angekommen. Da
sie von MTV und bis auf die hübsche Nummer "Hey Ya" auch weitgehend von den
Radios ignoriert werden, muss das wohl mit den Live-Qualitäten der Band zu tun
haben.
"Danke für die Blumen!" Frank Doe ist ganz Gentleman: "Klar, unsere Stärke sind
die Live-Gigs. Die Singles, die wir ausgekoppelt haben, sind bis auf 'Hey Ya'
alle gefloppt, bei MTV wollen sie uns nicht spielen. Anders als zum Beispiel
Texas Lightning, die schon jeder kannte, bevor sie zum ersten Mal auf einer
Bühne gestanden haben, müssen wir uns die Basis live erspielen." Wie sie das
machen, dürfen wir uns jetzt erneut ansehen.
Termine
30.11. Leipzig, Werk II
01.12. Dresden, Schlachthof
13.12. Erfurt, Stadtgarten
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| Wort: FW / Bild: P.D. |
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