| Nick Cave |
Murder
Ballads in Dresden
Ein Mann von einer geradezu unheimlichen Aura. Geboren in Australien, hat er
schon in der ganzen Welt gewohnt. Von Down Under ging er nach London, von da
nach Los Angeles, dann Berlin, nach Rio de Janeiro, wieder London etc. pp. Ein
echter Weltenbürger!
Stilistisch ist er sehr launisch, doch gleichzeitig außerordentlich produktiv.
Neben den Alben entstanden viele Filme (Cave führt Regie und schauspielert,
natürlich komponiert er immer die entsprechenden Soundtracks), er schreibt
Bücher usw.. Begonnen hat es eigentlich mit Punk. Cave und sein bester Kumpel
Mick Harvey hatten schon ein paar Veröffentlichungen, als sie sich entschlossen,
übern Teich nach London zu wechseln. Hier beeindruckten sie mit einer rohen
Mischung aus Rock 'n Roll, Blues und exzentrischer Show. Kult-DJ John Peel war
begeistert, bald winkte ein Plattenvertrag. Die Band hieß inzwischen The
Birthday Party - noch heute sind Alben aus dieser Zeit Kult. Nick Cave jedoch
gab seinen Mannen keine Zeit sich festzusetzen, ähnlich wie vor ihm David Bowie
und Iggy Pop zog es ihn nach Berlin, die Mauerstadt. Damals eine faszinierende
Metropole mit einer irren Musikszene, die erst später zu einem weichgespülten
Massenprodukt namens Neue Deutsche Welle mutierte.
Cave stürzte sich gleich ins Getümmel. Seine Band löste er auf und schnappte
sich den begabtesten Gitarristen von einem dieser äußerst schrägen Haufen: Blixa
Bargeld von den Einstürzenden Neubauten. Mit ihm gründete er die Bad Seeds. Dann
gab es diverse musikalische Achterbahnfahrten zwischen großem Gefühl und
dissonanter Moderne. Geblieben ist immer die ganz ursprüngliche, bis zur
Schmerzgrenze raue emotionale Direktheit des Gesangs. Einige Klassiker
entstanden, Platten, Filme, Bücher. Das Ding lief - doch Nick haute
zwischenzeitlich ab, um in Rio bei einer Frau zu leben.
1996, er wohnte inzwischen wieder in London, entstand das Album "Murder Ballads"
mit Kylie Minogue als schönster Wasserleiche der Filmgeschichte. Nun wurde der
Mann mit dem dämonischen Charisma plötzlich ein Thema für die Charts. Was ihn
nicht hinderte, sich immer neu zu erfinden. Auf dem schlicht wunderschönen Album
"No More Shall We Part" sang der große Finsterling zu Beginn des neuen
Jahrtausends plötzlich bittersüß-hoffnungsvolle Lieder voller Liebe und Gefühl:
Kurz vorher hatte er geheiratet ...
Die Bad Seeds hat er inzwischen aufgelöst (schade!), das letzte große Aufsehen
erregte einer seiner Filme beim Filmfest in Venedig. Uns erwartet einer der
letzten Multispartenkünstler, einer, der allein mit seiner Stimme eine
unvergessliche Atmosphäre erzeugen kann, ein Mann, der immer faszinierend und
rätselhaft sein wird!
Termin
22.11. Dresden, Kulturpalast
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| Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D. |
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