| Daniel Craig |
Als
James Bond im "Casino Royale"
Was ist um diesen neuen Bond nicht schon alles diskutiert worden.
Geschickt hielten über die letzten Jahre hinweg die Macher das Süppchen am
Kochen. Schließlich: Bond ist Kult. Bond muss Kult bleiben. Und sind wir doch
mal ehrlich: Bei jedem Darstellerwechsel im Verlaufe der letzten Jahrzehnte
wurde erst einmal gemeckert. Aber diesmal wurde mehr als nur ein wenig gemotzt.
Diesmal kam die ganze Breitseite Feuer auf den Neuen zu, auf Daniel Craig.
Als Milchreisbubi wurde er verschrien, als Schlaffi, der erst ordentlich
trainieren musste, um der Rolle gerecht zu werden. In den einschlägigen
TV-Magazinen durfte man dann sehen, wie bizarr die Sportarten sind, die er zur
Ertüchtigung in Sachen Körper betreibt, einschließlich des Querfeldeinrennens
durch die Großstadt, jegliches Hindernis überwindend. Klar, machten die
Medienvertreter gleich eine neue Trendsportart aus. So baut man ganz langsam,
aber geschickt einen neuen Bond-Darsteller auf. Auf dass er dann beim
Leinwanddebüt inzwischen jedem sympathisch ist, jeder weiß, wo er seine Anzüge
kauft und und und …
Das
nennt man Marketing. Auch alles andere wurde schon clever lanciert, wie das
Auto, das der stets smarte Agent diesmal fahren darf. Nein, nicht wieder ein
deutsches Modell, diesmal einen urbritischen Sportwagen. Und das muss ja so auch
sein, schließlich handelt es sich bei "Casino Royale" um den ersten Roman des
britischen Bond-Erfinders Ian Fleming. Verfilmt ist der schon vor über einem
halben Jahrhundert worden, aber damals, 1954, nur für das Fernsehen. Der erste
Kinofilm kam 1962. In dem wurde Dr. No von 007 gejagt, dann folgten Liebesgrüße
aus Moskau, mischte sich Goldfinger ein.
Nun aber endlich der erste Roman als Leinwandspektakel. Daher und wohl mit einem
Augenzwinkern ist auch der offizielle Filmtitel mit der "21" versehen. Damit
wäre dann von offizieller Seite aus die Sache mit der Zahl der Bond-Filme
geklärt!
Begonnen hatte alles mit Sean Connery, inzwischen geadelt und daher nun Sir Sean
Connery.
Einen Film zwischendurch gab den Geheimagenten Ihrer Majestät ein gewisser
George Lazenby. Das war aber wohl nicht so recht. Connery kam noch einmal, bis
Roger Moore übernahm und ganze sieben Folgen zwischen 1973 und 1985 drehte.
Timothy Dalton durfte auch nur zweimal ran und wurde schließlich von Pierce
Brosnan beerbt. Der agierte schließlich viermal, von "Golden Eye" bis "Stirb an
einem anderen Tag".
Nun also Daniel Craig. Mal sehen, wie lange der darf oder kann. Zunächst aber
erzählt er uns, wie das alles so begann mit James Bond, dem Herzensbrecher und
unfehlbaren Agenten. Dabei spielt ein Le Chiffre (Mads Mikkelsen) eine tragende
Rolle. Der ist Bankier weltweit operierender Terroristen. Bond stellt sich
natürlich der Aufgabe, den Mann auszuschalten und zugleich das ganze
Terror-Netzwerk zu zerschlagen. Dazu muss er Le Chiffre bei
einem
Pokerspiel im Casino Royale schlagen. Was man nicht alles als Angestellter
Seiner Majestät können muss. Aber gut, hier geht es um Höheres, da wird man doch
schon mal ordentlich Karten legen können.
Was fehlt noch? Ach ja, die schöne Frau. Die darf auch in keinem der Streifen
fehlen. Hier ist es die wunderhübsche Beamtin des britischen Schatzamtes. Eva
Green spielt jene Vesper Lynd. Die Dame soll Bond nicht nur den Spieleinsatz
aushändigen, sondern das Geld auch bewachen. Klar, dass der Mann davon erst
einmal nicht so begeistert ist - vom Bewachtwerden. Das ändert sich einige
Anschläge später. Man findet erwartungsgemäß Gefallen aneinander, aber das
bringt neue, noch größere Gefahr mit sich und wird Bonds weiteres Leben prägen.
Mit anderen Worten: Wir werden nach diesem Film wissen, warum James Bond so und
nicht anders geworden ist. Wurde aber auch Zeit. Und dazu musste natürlich auch
ein jüngerer Mann her. Brosnan war inzwischen bereits 52 und hatte ziemlich hohe
Gagenvorstellungen. Craig dagegen war erst 37, als man ihn als neuen Bond
präsentierte.
Ausgewählt
hatte man ihn unter circa 200 Kandidaten. Er, der alle Bond-Abenteuer gesehen
hat und dessen Lieblingsteil "Goldfinger" aus dem Jahr 1964 heißt, ist der erste
Blonde und Blauäugige unter den Darstellern. Begonnen hat der gebürtige
Liverpooler auf der Theaterbühne. Erst 1992 trat er erstmals vor die Filmkameras
in John G. Avildsens Jugenddrama "The Power of One". Und er erwies sich alsbald
als sehr fleißig. Innerhalb der letzten zwölf Jahre hat er es immerhin auf
erstaunliche über 40 Drehs für Film und Fernsehen gebracht.
Einen davon realisierte er mit dem deutschen Regisseur Peter Sehr. Den haben
leider nur recht wenige gesehen, obwohl "Obsession" ein wunderbarer Film ist.
Was allerdings wunderbar für recht lange Zeit funktionierte: Im Anschluss an die
Dreharbeiten blieb die filmische Beziehung auch menschlich bestehen. Craig und
Heike Makatsch waren lange ein Paar und lebten sieben Jahre gemeinsam in London
zusammen. Anfang 2004 ging diese Beziehung auseinander. Er widmete sich dann ein
Weilchen einer gewissen Kate Moss, aber nicht all zu lange. Zur Zeit schweigt er
sich doch eher aus über seine Beziehungen. Hauptsache, die zur 13jährigen
Tochter aus erster Ehe hält.
Und für einen weiteren Deutschen stand Daniel Craig vor den Kameras. Als man in
London - gut inszeniert - dessen Übernahme der Bond-Rolle verkündete, flog man
den Schauspieler direkt aus Baltimore ein, wo er mit Oliver Hirschbiegel, dem
Regisseur des "Untergangs", einen alienhaltigen Horror-Thriller gedreht hatte.
Der kommt aber erst im nächsten Jahr in die Kinos, unter dem Titel "The
Invasion". Craigs Gesicht kennen die meisten aus "Lara Croft: Tomb Raider", wo
er Angelina Jolie zur Seite stand und deren nicht ganz loyalen Filmfreund Alex
West verkörperte. Oder man erinnert sich vielleicht an den Mossad-Agenten Steve
in Spielbergs Verfilmung des olympischen Dramas von München.
Die Oscar-Rolle war bis dato noch nicht dabei; aber immerhin bekennt Craig, dass
er den Preis schon gern haben würde. So hat er denn auch, bevor er sich für
James Bond entschied, Branchengurus gefragt, ob sie mit ihm auch danach noch
zusammenarbeiten würden. Die haben ihm das versichert, und so unterschrieb er
den Vertrag über die nächsten drei Bond-Steifen und sicherte sich damit
angeblich 12 Millionen Euro. Damit kommt man schon mal ein Eckchen weiter. Aber
der zweite Brite unter den Bond-Darstellern weiß, dass davon die meisten seiner
Berufskollegen nur träumen können.
Immer schön auf dem Teppich bleiben, vielleicht klappt's dann ja auch irgendwann
einmal mit dem erträumten Oscar. Aber jetzt sollte sich erst einmal jeder
Bond-Fan ein eigenes Urteil bilden, was Craig da geleistet hat und ob es den
Machern gelungen ist, sich wieder mehr an der Romanvorlage zu orientieren. Mit
weniger Drumherum, was von der eigentlichen Figur ablenkt. Wäre doch auch nicht
schlecht. Und darauf hoffen die echten 007er schließlich!
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: Sony Pictures
Releasing GmbH |
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