Mario Thiel

Mario ThielVorsicht, Thiel geht!

Ende des Jahres ist es soweit: Mario Thiel tritt ab. Nicht von der Bühne des Lebens, aber von der des Kabaretts Breschke und Schuch. Mit einer Träne im Knopfloch fragte der BLITZ!-Redakteur den BLITZ!-Kolumnisten, warum der sich zu diesem Schritt genötigt sah. Die schockierenden Antworten des Mario Thiel findet Ihr nachfolgend dokumentiert.


BLITZ!: Mario, Du gehst? Wohin und warum?
M.T.: Ja, es stimmt. Ende des Jahres ist nach 63 Ausgaben "Vorsicht! Thiel!" Schluss. Übrigens nicht wegen des Geldes. Das war schon eher alle …

BLITZ!: Was sind die Gründe für diesen dramatischen Schritt, der ganz Dresden in ein kulturelles Koma versetzen wird?
M.T.: Ohne viel Geheimniskrämerei: Ich bin von der Stadtverwaltung darum gebeten worden.

BLITZ!: Wie bitte?
M.T.: Die Auswirkungen meiner Show wurden einfach zu einer finanziellen Belastung für die Stadt. Für zahlreiche Gäste wurde der Besuch bei mir zum Karriere-Knick. Ich habe zwei OBs verschlissen, einen OB-Kandidaten, zwei City-Manager, einen Olympia-Staatssekretär, einen Zoodirektor, zwei Dynamo-Trainer und einen Kapitän… Ich glaube, das war's. Dass die Stadt etwas dagegen tun musste, ist verständlich. Ehrlich gesagt, sind mir aufgrund dieser Vorfälle auch langsam die potenziellen Gäste ausgegangen. Keiner, der mit seinem Leben noch etwas vorhatte, wollte kommen. Und ohne Gäste, also nur mit 2HOT und Holger langweile ich mich auch nur …

BLITZ!: Ja, der Holger. Was wäret Ihr ohne ihn?
M.T.: Ohne ihn wären wir wie Dresden ohne OB. Es würde was fehlen.

BLITZ!: Kommen wir aber zurück zum Ende der Show. Bevor deren unheimliche Effekte bekannt wurden, sind die Gäste gern zu Dir gekommen. Ich denke nur an den wundervollen Abend mit dem Direktor der Staatsoperette Wolfgang Schaller, an dem Du für Deine Michael-Jackson-Parodie standing ovations geerntet hast und aufpassen musstest, dass Dich Herr Schaller nicht vom Fleck weg engagiert. Erinnerst Du Dich?
M.T.: Selbstverständlich! Das war ein echter Höhepunkt. Genauso wie die Diskussion zwischen Kirche und Studentenschaft über die Funktion des musikalischen Undergrounds für das Gemeinwesen, die aufgrund ihrer politischen Brisanz die ganze Ausrichtung der Show nachhaltig beeinflusste. Ich wusste sofort: Jetzt habe ich das Medium gefunden, mit dem ich wichtige gesellschaftliche Fragestellungen in Angriff nehmen und darüber hinaus zur Lösung grundlegender Konflikte beitragen kann. Ursprünglich wollte ich nur eine getunte Kopie der Schmidt-Show machen, dazu eine geile Soulband mit fettem Bläsersatz … Was übrigens nicht geklappt hat. Sechs Wochen vor der Premieren-Show habe ich die Band wegen ihrer ständig steigenden Gagenforderungen gefeuert. Zu dem Zeitpunkt war schon klar, dass wir auf Jahre hinaus ausverkauft sein werden und so wurden die Jungs etwas übermütig. Zum Glück habe ich mit 2Hot zwei Musiker ergattert, die ich mir leisten kann und die wirklich gute Arbeit machen.

BLITZ!: Du bist mit deinen Gästen nicht immer zimperlich umgegangen. Politikern "geistiges Prekariat" zu bescheinigen, ist schon harter Tobak. Konntet Ihr Euch nach den Shows noch leiden?
M.T.: So viele Politiker waren gar nicht da. Und die da waren, sind schon wieder weg… Aber es stimmt, beim Thema Politik werde ich schnell zum verbalen Ultra. Dass wir 2.000 Jahre nach den Römern nicht mal ein Stadion bauen können, regt mich auf. Andererseits können wir auch keine Brücken bauen, reißen Straßen mehrmals auf und vom Hallenbau haben wir auch keine Ahnung… Das relativiert die Sache schon wieder.

BLITZ!: Deine formalen Experimente haben beim Publikum für einige Verunsicherung gesorgt. Ist Dresden wirklich so konservativ, wie es gern von Medien aus dem NSW kolportiert wird?
M.T.: Die Aussage gilt uneingeschränkt für die Konservativen. Für alle anderen möchte ich das geflügelte Wort zitieren: "Wir sind nicht konservativ, wir mögen nur keine Veränderung." Ich habe leider vergessen, von wem das stammt.

BLITZ!: Für die letzten beiden Veranstaltungen hast Du Dir die mëdlz und die Eislöwen eingeladen. Warum?
M.T.: Das ist simples marktwirtschaftliches Kalkül. Schöne Frauen und starke Männer - und das kurz vor Weihnachten. Übrigens auch mit Rock 'n Roll der LazyBoys. Das werden sicher zwei heiße Shows, wobei mich persönlich die mëdlz hormonell mehr stimulieren als die Eislöwen.

BLITZ!: Apropos Stimulation: Wirst Du uns auch in Zukunft kulturelle und andere Höhepunkte bescheren?
M.T.: Es wird ein privates "Projekt" geben, über welches sich Deutschland und Ursel von der Leyen bestimmt freuen werden, auch wenn Ursel mir dabei definitiv keine Hilfe sein wird. Zudem freue ich mich auf kommende Moderationen und darüber hinaus muss ich natürlich sehen, was die Stadtpolitik ohne mich anstellt. Sollte ich das Gefühl haben, gebraucht zu werden, dann, naja, vielleicht, irgendwann …

PS.: Seine Kolumne für uns wird Mario weiterhin schreiben. Im BLITZ! erfahrt Ihr auch, ob und wann es weitergeht mit "Vorsicht Thiel!" oder etwas anderem.


Die letzten Termine
23. November, 14. Dezember
Kartentelefon 490 40 09
www.vorsicht-thiel.de
 
Wort: Ullrich Bemmann / Bild: Tobias Kade