| Disaster79 |
"Beat
Valley lebt!"
Entgegen aller Gerüchte, "Beat Valley lebt!" Das verkündet Disaster79. Die
Gerüchte um die Auflösung waren jedoch nicht aus der Luft gegriffen, vor gerade
mal sechs Monaten nämlich war es auf Grund persönlicher Differenzen zum Split
der Crew gekommen. Dies war allerdings nicht das Ende von Beat Valley. Der harte
Kern um Disaster79, StickyIcky, Ledahz MC und Monopol blieb bestehen, bekam mit
Doggshock und Sanjor D. tatkräftige Unterstützung und formierte sich neu.
Vor der Neugründung existierte Beat Valley bereits geschlagene drei Jahre. Alles
begann im Wohnzimmer von Disaster79. Dessen wütende Beats schallten damals aus
dem Fenster eines Plattenbaus, der sich im Tal zwischen anderen Wohnhäusern
befand (daher auch der Name Beat Valley). Anfangs lediglich zu zweit legten
Disaster79 und StickyIcky gemeinsam auf, begannen eigene Texte zu schreiben und
Beats zu bauen. Dank der zu dieser Zeit im ZV Bunker noch regelmäßig
stattfindenden Open-Mic-Sessions kamen die beiden mehr und mehr in Kontakt mit
anderen HipHop-Interessierten. Beat Valley zählte zeitweise über zehn
Mitglieder.
Diese
Menge an Persönlichkeiten führte zwar stets zu guter Stimmung und ausgelassenen
Parties, war aber musikalisch gesehen eher kontraproduktiv. "Man fand keinen
gemeinsamen Nenner, jeder machte sein eigenes Ding, bei Auftritten war die Bühne
komplett überfüllt, und die Mikros mussten auf Grund zu geringer Anzahl während
der Show untereinander ausgetauscht werden."
Es wurde generell viel zu viel geredet und nichts gemacht. Verständlich, dass
Beat Valley in der neuen, reduzierten Besetzung optimistisch in die Zukunft
blicken. Die Rollen und Aufgaben jedes einzelnen sind nun besser verteilt.
Disaster79, StickyIcky und Lehdahz MC schreiben Texte und rappen, Monopol und
Doggshock bauen die Beats und mischen alles ab, und Sanjor D. agiert als DJ und
ist fürs Organisatorische zuständig.
"Die vielen Leute waren eine Bremse. Wir haben zwei Jahre lang auf der Stelle
getreten", sagt Disaster79. Aber das ist jetzt vorbei. Endlich werden Projekte
abgeschlossen und Ideen in die Tat umgesetzt. Disaster allen voran mit seinem
Soloalbum "TheRAPie", das am 10. November erschienen ist. Der Titel ist
Programm: Therapie. Besser noch Selbsttherapie. "Wenn ich Texte schreibe, kann
ich abschalten, dann bin ich frei und kann mit meinen Problemen umgehen. Rap ist
Therapie." In 22 Songs verarbeitet Disaster79 sein Leben. Im Mittelpunkt stehen,
wie könnte es anders sein, seine Beziehungen zu Frauen, die ständigen
Geldprobleme und vor allem Freundschaft und die damit verbundene Loyalität. Es
kommen aber auch verstärkt politische Aspekte zum Tragen, insbesondere in Bezug
auf die derzeitige amerikanische Außenpolitik. Um dies zu verdeutlichen, geht er
jedoch nicht den direkten Weg, sondern bedient sich sehr oft der Ironie und
einer metaphorischen Sprache. Im ersten Moment mag einem beim Hören ein Lächeln
über die Lippen huschen, aber dann kommt man ins Grübeln. "Das ist der Reiz an
der ganzen Sache. Ich sehe Rap als Mittel, um zum Nachdenken anzuregen."
Musikalisch setzt Disaster auf harte Beats und Rap in Verbindung mit klassischen
Streichern, aber auch auf aggressive Synthiesounds. Um angestautem Frust und
Aggression Luft zu verschaffen, kommt hier und da der Battle Rap zum Einsatz.
Dann stellt er unter Beweis, dass sein Mundwerk seine größte Waffe ist.
Aber auch StickyIcky arbeitet schon auf Hochtouren an seinem Solo-Debüt, das für
Mitte nächstes Jahr angekündigt ist. Wo StickyIcky innerhalb der Gruppe in
erster Linie die spaßige Schiene fährt, schlägt er in seinem Solo-Projekt einen
weitaus ernsthafteren Ton an. Tiefgründig setzt er sich mit seinem Leben
auseinander, angefangen von seiner Kindheit und der Beziehung zu seinen Eltern
bis hin zum gegenwärtigen Alltag. Als Betreuer in einem Jugendclub arbeitend ist
er täglich mit Problemen wie Gewalt und Alkohol konfrontiert. Das lässt ihn
keineswegs unberührt. Die Musik dient ihm hier als hilfreiche Kompensation.
Bevor es jedoch zur Veröffentlichung seiner Solo-Scheibe kommen wird, steht erst
einmal eine für Anfang 2007 geplante gemeinsame Veröffentlichung auf dem Plan.
Unter dem Titel "Sieg oder Spielabbruch" zeigen Beat Valley, dass sie getreu dem
Motto "Ganz oder gar nicht" keine halben Sachen mehr machen wollen. In
Verbindung damit wird es auch eine Fortsetzung der sehr erfolgreichen "Lyricist
Lounge Germany"-Party geben.
Das gemeinsame Album spiegelt einen gemeinsamen Traum wider, "den Traum von
Freiheit, sein eigener Chef zu sein, aktiv zu sein. Das Ideal, irgendwann
professionell Musik machen, dem eigenen Willen mit Hilfe der Musik Ausdruck zu
verleihen zu können und somit Plattform und Forum zu haben, um sich
mitzuteilen." Das sind Gründe, weshalb Beat Valley Musik machen.
www.beatvalley.de
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| Wort und Bild: Jan Soldat |
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