| 50 Cent und G-Unit in Chemnitz |
Vom Crack-Dealer zum Teen-Idol
Er ist der Gangsta-Rapper schlechthin. Seine Geschichte und seine Lieder,
sein Auftreten und sein Erfolg sind für europäische Verhältnisse eigentlich kaum
nachzuvollziehen. Das hat faszinierende, erschreckende, beeindruckende, aber
auch eine Menge unfreiwillig komische Elemente. Wenn in Kreuzberg ein paar
Aggro-Rapper diesen Style zu imitieren versuchen, hat das vor allem viel von
Letzterem.
Aber von Anfang: 50 Cent (der Name ist eine Reminiszenz an irgendein
Gang-Mitglied) wird in Queens, New York, groß. Er lernt seinen Vater nie kennen,
die Mutter stirbt an Drogen, der Junge ist als Teen schon ein bekannter
Crack-Dealer. Er kennt die Gesetze der Straße: Ellenbogen raus und nie
zurückschrecken, jeder ist ein Feind und nur einer schafft es an die Spitze. Und
so rappt er auch. Fiftys Reime sind die mit der wahrscheinlich höchsten
Kollegen-Diss-Rate im Geschäft. Er duldet keinen neben sich, er beschimpft sie
einfach alle (und die anderen natürlich zurück, was im Wesentlichen das Leben in
der HipHop-Community ausmacht).
Ende der 90er wird der rappende Dealer (und inzwischen auch Knasti) von
Run-DMC-DJ Jam Master Jay entdeckt. Der coached ihn in langen Nächten, bis 50
Cent seine bissigen Texte auch live performen kann. Bald schon wartet der große
Platten-Deal bei Columbia. Doch dann der herbe Rückschlag, seine Vergangenheit
holt ihn ein, er hat sich einfach zu viele Feinde gemacht: Im Mai 2000 wird er
mit neun Schüssen niedergestreckt. Das wird der Plattenfirma zu heiß, der Mann
sofort gefeuert. 50
Cent steht wieder auf der Straße und vertickt Crack. Er
weiß, das geht nicht lang gut: Irgendwann bist du tot oder im Knast. Rettung
kommt von den Rap-Heiligen Eminem und Dr. Dre. Die nehmen den King der Disser
auf ihrem eigenen Label unter Vertrag und machen energisch Druck. Jetzt geht es
nach oben. (Für seinen eigentlichen Entdecker übrigens nicht: Jam Master Jay
wird 2002 erschossen).
50 Cent trägt noch heute kugelsichere Westen und verlässt das Haus nie ohne
Bodyguards. Zu viele alte Rechungen sind noch offen. Doch mit der CD "Get Rich
Or Die Tryin'" wird er 2003 zum Szene-Star. Er gründet das Label G-Unit Records,
das in der Folgezeit eine ganze Serie äußerst erfolgreicher Alben
veröffentlicht. Schnell läuft die Vermarktungsmaschine an: Unter seinem Namen
wird eine Klamottenlinie herausgebracht, die Kids kaufen wie blöd. Dazu noch ein
Energy-Drink ("Formula 50"), Turnschuhe und ein Videospiel. Es gibt eine
Autobiografie und einen Kinofilm auf der Basis dieser Biografie. Diverse
Klingeltöne runden das Paket ab.
Wenn 50 Cent heute in New York festgenommen wird, gibt das gleich einen
Riesenauflauf. Aber er hat natürlich keinen Stoff dabei, sondern ist mit seinem
Lamborghini einfach zu schnell gefahren. Das kostet zwar auch 'ne Menge.
Peanuts…
Sensationell kommt das Idol nun nach Chemnitz! Karten-Infos bekommt Ihr unter
www.brauclub.de.
Termin
08.11. Chemnitz, Arena
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| Wort: FW /Bild: P.D. |
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