| Hauke von Grimm |
Geschichten schreiben sich fort
Der Name Hauke von Grimm assoziiert Geschichten. Tatsächlich hatte Hauke
schon immer viel zu erzählen.
Zum Beispiel seinem Schuldirektor im zentralsächsischen Colditz, zu dem er
wöchentlich gerufen wurde. Nach der Schule kam die Wende und Hauke ging in den
Westen. "Um etwas aus meinem Leben zu machen", zwinkert er. Drei Jahre lang
lebte und lernte er in Trier: Bademeister. Weil ihm dort niemand zuhörte, begann
er, seine Geschichten auf Papier zu bringen. Zurück im Osten ging Hauke zur
Armee und dann ins "Riff" nach Bad Lausick, wo er bis heute in seinem
bürgerlichen Dasein als "Mann für die kleine Wassergymnastik zwischendurch"
seine Brötchen verdient. Nachdem er jahrelang "beim alltäglichem Abendprogramm
mit Bier im Colditzer Jugendclub verdümpelte", kam er nach Leipzig, lernte Volly
Tanner kennen und "wurde neu geboren". Haukes Brötchen gibt es nun mit Käse,
ohne Wurst, dazu Kaffee, kein Alkohol und eine gediegene Pfeife - wie man ein
gutes Abendprogramm gestaltet, dafür ist der 30jährige inzwischen Spezialist. Er
kooperiert mit der Kneipenlyrik, ist Mitglied im UT Connewitz und liest auf
Bühnen von Gotha bis Magdeburg: "Irgendwer hat mal gesagt, dass es Lyrik ist.
Aber egal, wie jemand es nennt, für mich ist wichtig, was drin steckt." Und drin
steckt viel - hineingeworfen "zwischen Abendbrot und Polaroididylle" in den
"Streichelzoo der Zivilisation".
Und mehr noch, immer mehr erobert er sich: Einst Sprecher für den Abendgruß bei
Radio Blau, hat Hauke dort inzwischen drei eigene monatliche Sendungen,
präsentiert in COREnFLAKES "alles, was mit Core anfängt oder aufhört", in
RocknRoll Muzika "das Zusammentreffen der Urgesteine mit den jungen Wilden" und
mit LesBar "ein Magazin für Lese- und Hörkultur jenseits von Populärgedudel,
Independent-Oberflächen und Alternativ-Mainstream". Im März wurde sein "ganz
eigenes Baby" geboren, der Kunststoffklub. Als Frontmann dieser Kleinkunstbühne
präsentiert er jeden dritten Donnerstag im Monat eine Mischung aus Lesung,
Theaterperformance, Film und Musik. Im Sommer wanderte er mit seinem Team, dem
auch Dirot von der Emergenza-Sieger-Band Lament und Christian Mahlow
(Theatergruppe aXion fatal) angehören, durch die Stadt und machte u.a. Station
auf der Moritzbastei und neben der Pferderennbahn. Ab November präsentiert sich
der KSK monatlich in neuen McCormacks neuem Ballroom in der Südvorstadt. Von
einem Saal im Stil der 20er Jahre, von einer Bühne mit bordeauxroten
Samtvorhängen und "allem, was man sich erträumen kann", schwärmt Hauke mit
leuchtenden Augen. Eins ist sicher: Die Geschichten schreiben sich fort.
www.kunststoffklub.de
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| Wort: Katrin Merten / Bild: ELC |
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