| Placebo |
Enorme
psychische Wirkung
Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet in etwa: "Ich werde
gefallen". In der Medizin steht Placebo für ein Medikament ohne eigentlichen
Wirkstoff. Der feste Glaube des Patienten, eine helfende Substanz einzunehmen,
löst Selbstheilungs-prozesse aus, den Placebo-Effekt. Tatsächlich ist auch die
Musik des britischen Trios gleichen Namens von enormer psychischer Wirkung.
Placebo passt also und klingt auch noch gut: Ursprünglich sollte die Band nach
dem Willen ihrer Gründer Brian Molko und Stefan Olsdal Ashtray Hearts heißen.
Wer weiß, ob sie sie damit Erfolg gehabt hätten. 1994 hatten sich die beiden,
die zusammen in Luxemburg auf eine Schule gegangen waren, in London
wiedergetroffen und - da beide von den Fähigkeiten des anderen überzeugt waren -
eine Band gegründet. Sie fanden schnell ein Label; London war um diese Zeit
wieder einmal ein brodelnder musikalischer Schmelztiegel. Ihr kometenhafter
Aufstieg fiel in die große Zeit des Britpop. Oasis und Blur keiften sich
regelmäßig an, was von der Presse zur "Battle of Bands" hochstilisiert wurde.
Alles, was irgendwie eine Gitarre in der Hand hielt, wurde erst einmal in diese
Richtung eingeordnet. Doch während etwa die Gallagher-Raufbolde am Gitarrenbeat
der 1960er anzudocken versuchten, war bei Placebo (ähnlich, aber viel deutlicher
als bei vergleichbaren Bands wie Suede oder den Manic Street Preachers) eine
Affinität zum Glamrock der 1970er erkennbar.
Der Hang zum Glamourösen, zum Morbiden, zur Androgynität - eigentlich war das
etwas gänzlich anderes als die Working-Class-Attitüde von Oasis. Dazu die
bittersüße Melancholie: Placebo vereinigten Guitarwave mit Glamrock und Postpunk
zu einer betörenden Mischung. Bereits das selbstbetitelte Debüt wurde zum großen
Erfolg, es verkaufte bis heute fast eine Million Exemplare (die zur gleichen
Zeit veröffentlichten Alben der Blur oder Oasis kamen freilich auf das
Zehnfache).
Die romantische Düsternis brach dann auf den zweiten Album "Without You I'm
Nothing" durch. Sänger Brian Molko verwandelte sich mehr und mehr in ein rätsel-
und divenhaftes Zwitterwesen, eine Reminiszenz an Glamrock-Stars wie David Bowie
(als Ziggy Stardust) oder den T.Rex-Sänger Marc Bolan.
Mit dem aktuellen, ihrem fünften, Album "Meds" gehen sie wieder ein wenig zurück
zu ihren rockigen Wurzeln; die Electronics, die sich in den vergangenen Jahren
allmählich eingeschlichen hatten, sind weitestgehend eliminiert. Momentan sind
Placebo auf Welttournee - und bald auch in unserer Nähe!
Termine:
12.10. Erfurt, Messehalle
17.12. Leipzig, Arena
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| Wort: FW / Bild: P.D. |
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