Manuela Feher

Manuela FeherFußgängerkarate ohne Beintechnik

Irgendwann kommt eine Kreuzung und manchmal auch eine Leitplanke. Für Manuela Feher am 9. Mai 1999. Unter ihr vibrierte eine Honda CB 450 S, und die Leitplanke war viel zu schnell da. Kurz darauf lag die junge Frau für eine Woche im künstlichen Koma, der linke Lungenflügel zusammengefallen, ein Wirbel zer-trümmert.


Wenig später waren da zwei Männer - in der Rehabilitationsklinik, der Peter und der Detlef, selber angeknackst, jedoch aktiv. Die nahmen sich der Manuela an und raus ging's mit den Rollis, vier Monate nach dem Unfall, ohne Begleitung zu dritt durch Erfurt. "Drei Rollstuhlfahrer ohne fremde Hilfe - da habe ich begriffen, dass kann ich auch alleine", erzählt Manuela und von ihrer Kindheit in Bad Muskau, der Kochlehre in Hannover (noch vor der Leitplanke), der Zeit am Agrarwissenschaftlichen Gymnasium in Leipzig, vom Abitur am Beruflichen Gymnasium für Wirtschaft und Verwaltung (ebenfalls in Leipzig) und ihrem Studium an der Fachhochschule für sächsische Verwaltung in Meißen. Nun, mitten im Leben, hat sie den Finanzwirtschaftler für Steuerverwaltung in der Tasche und bekommt ihren Kühlschrank voll als Steuerinspektorin z.A. im Leipziger Finanzamt.Manuela Feher
Nebenbei: Rollstuhlkarate. Seit 2002. Bei Shotokai Leipzig (ein Verein, hinter dem unter anderem das Sanitätshaus Stolze steht). "Rollstuhlkarate unterscheidet sich von Fußgängerkarate nur darin, dass wir keine Beintechnik haben, die Armtechniken sind jedoch dieselben, wie bei den Fußies. Es gibt schon Schritttechniken, mit dem Rollstuhl eben." Nun ist Rollstuhlkarate noch sehr jung, und so war's nicht all zu schwierig, 2003 zur WM nach Japan zu kommen. Dort jedoch schlug SARS, die böse Grippe, um sich, und die WM wurde abgesagt. Was tun? Glücklicherweise gerieten Manuela und ihre Shotokais in die japanische Meisterschaft, männlich und weiblich gemischt, und da das weltweit die einzig entsprechende Meisterschaft war und die Deutschen kurzfristig teilnehmen konnten, wurde Manuela Feher flugs globale Drittplatzierte: "Die Japaner haben sich für's Rollstuhlkarate extra in Rollstühle gesetzt. Unser Vorteil war, wir konnten mit den Rollies umgehen - die nicht!"
Wieder zurück wurde trainiert, es gab Schaukämpfe und irgendwann dann auch drei Vereine in Deutschland, einen in Erfurt, einen in Berlin und eben Shotokai in unserer Stadt. Diesmal wurde die Qualifikation wirklich bestritten, wieder war Leipzig vorn und hat die Karten für Japan 2007. Im April geht es nach Okinawa, wo dann die weltbesten Rollstuhlkarateka warten ...
Es gibt aber auch ein Privatleben, Nachtleben in Leipzig und Manuelas Verlobten Nils, einen professionellen Lebensretter. "Sobald ich die weltbeste Karatekarin bin, heirate ich ihn." Die ehrgeizige Sportlerin schwimmt und reitet, lauscht Lesungen in der Moritzbastei und knuddelt ihren semmelgelben Magyar-Vizsla-Hund Chiron: "Wenn der groß ist, wird er gefärbt: Schwarz natürlich." Warum? Weil sie doch auch mit schwarzem Auto in schwarzem Leder und zu schwarzen Veranstaltungen unterwegs ist. Im dunklen Lebensgefühl unserer Metropole ...
www.rollstuhl-karate.de
 
Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie Le Coq