| Nicolas Cage im "World Trade Center" |
Verwandt
und bekannt
Die Verwandtschaft muss man erst einmal haben und sich dennoch nicht auf den
berühmten Namen stützen, sondern auf das eigene Talent. Und von dem hat Nicolas
Cage genug, sonst hätte er sich im Filmgeschäft, in dem gute Beziehungen zwar
noch nie geschadet haben, niemals derartig durchsetzen können.
Eigentlich heißt er ja Nicolas Kim Coppola. Jener berühmte Regisseur namens
Francis Ford Coppola, der unter anderem den "Paten" gedreht hat, ist sein Onkel.
Sein Großvater wiederum war und ist als Komponist erfolgreich, die Cousine Sofia
hat alle Welt mit ihrem großen Erstling "Lost in Translation" verzaubert. Die
Reihe ließe sich beliebig fortsetzen.
Ihm, dem berühmtesten unter den Schauspielern in seiner Sippe, begegnen wir
immer wieder im Kino oder bei Wiederholungen im Fernsehen. Doch selbst bei
letzteren gibt es immer wieder Streifen, die man sich schon allein, weil er
mitspielt, gern noch einmal ansieht. Erinnert sei nur an so eindrucksvolle
Leistungen wie in "Leaving Las Vegas". Einen solch authentischen Alkoholiker sah
man selten. Wenn "Stadt der Engel" zu Ende geht - man weiß ja, wie es ausgeht -,
schluchzt man immer wieder. Oder wenn er mit Cher in "Mondsüchtig" ewig
streitet. Doch nicht nur in diesen Streifen haben wir ihn sehen können, auch im
Action-Fach hinterließ er seine Spuren, beispielsweise in "The Rock", "Im Körper
des Feindes" oder in "8 Millimeter". Zuletzt wirkte Cage in "The Lord of War -
Händler des Todes" mit.
Jetzt werden wir ihm im "World Trade Center" begegnen. Der große alte Rebell
Hollywoods, Regisseur Oliver Stone, hat das momentane amerikanische Trauma in
Szene gesetzt. Und er erzählt es ganz brav, so brav, dass selbst seine
erbitterten Feinde aus dem Bush-Lager ihn loben. Heißt es nicht in einem
deutschen Spruch: Wenn dich deine Feinde loben, hast du was verkehrt gemacht?
Soweit wollen wir nicht gehen, aber merkwürdig ist das schon, wenn Stone selber
beteuert, keinen Stone gedreht zu haben, sondern nur brav und korrekt eine wahre
Geschichte zu erzählen. Es kommt also keine der Verschwörungstheorien auf die
Leinwand, nicht mal dem Präsidenten wird am Zeug geflickt. Erzählt wird eine
regelrecht unpolitische Geschichte, wenngleich eine dramatische und zugleich
bewegende. Die allerdings dem Zuschauer schon suggeriert, dass die Helden und
das Land unzerstörbar sind.

Die beiden aus den Trümmern geretteten Polizisten John McLoughlin und Will
Jimeno standen Stone als Berater zur Seite und bestätigen, dass er minutiös bei
der Wahrheit geblieben sei. Um diese beiden Polizisten geht es im Film. Gespielt
werden sie von Nicolas Cage und Michael Pena.
Als am 11. September vor fünf Jahren die obersten Etagen des World Trade Centers
brennen und es noch gerüchteweise heißt, ein Flugzeug sei eingeschlagen, wird
Sergeant McLoughlin (Nicolas Cage) vom Port Authority Police Department mit
seiner Truppe zur Lagesondierung in den ersten Turm beordert. Er ist ein
erfahrener Mann und zudem Terrorspezialist, der schon 1993 dabei war, als es
einen ersten Anschlag auf das Center gab. McLoughlin und seine Männer sollen auf
der U-Bahn-Ebene die Evakuierung in die Wege leiten. Doch plötzlich folgt eine
weitere Explosion und die Polizisten werden verschüttet. Einzig McLoughlin und
sein junger Kollege Jimeno überleben, schwer verletzt und unter Tonnen von
Stahl, Glas und Beton von der Außenwelt abgeschnitten. Und nun versuchen sich
die beiden gegenseitig am Leben zu halten. Ganz viel Kammerspiel also für die
Hauptdarsteller, nicht immer leicht für sie, und nicht immer tragen sie das auch
hundertprozentig.

Von außen werden lediglich die Familien eingeblendet, und über das, was oben
passiert, berichten dem Kinopublikum die Fernsehbilder. Spannend wird es wieder,
als ein tiefreligiöser Mann auf Erweckungstour sich seine alte Marine-Uniform
überstreift, um zu helfen und zum wahren Helden der Rettungsaktionen zu werden.
Das ist für uns Europäer befremdlich, aber den Mann hat es wirklich gegeben. Und
vielleicht will uns Stone damit sagen: Ihr da im Rest der Welt, die Amerikaner
sind wirklich solche Patrioten, und nur so funktioniert dieses Land!? Vielleicht
ist das auch einer der Gründe, die Nicolas Cage dazu bewogen haben, hier
mitzuwirken. Aber das bleiben Mutmaßungen.
Fakt allerdings ist, dass sich Nicolas, Sohn eines Universitätsprofessors, schon
früh die Frage stellte, was er einmal werden wolle. Und da stand einiges auf der
Liste, das reichte vom Boxer über den Zauberer bis hin zum Meeresbiologen, dann
war da aber auch noch die Entscheidung zu treffen, entweder Theaterautor zu
werden oder Schauspieler. Dass die Wahl auf letztgenannte Profession fiel, hat
wohl doch mit den oben genannten guten Beziehungen des Onkels zu tun. Francis
Ford Coppola verhilft seinem Neffen 1981 zu einem TV-Auftritt in "Rocket Man",
in den Jahren darauf verschafft er ihm in eher harmlosen Filmen wie "Ich glaub',
ich steh' im Wald" und "Valley Girl" Rollen, 1983 die erste wichtigere in "Rumble
Fish". Und als Cage dann in "Cotton Club" mitwirken durfte, war der Durchbruch
geschafft.
Nicolas Cage spielt eigentlich alles quer Beet, so dass man die Mutmaßung, er
wolle uns Europäern mit seiner Rolle in "World Trade Center" etwas sagen, doch
eher ins Reich der Fantasie verweisen kann. Eins muss man dem Mimen jedoch
lassen: Wenn auch seine Rollenwahl nicht immer glücklich scheint - ein Beispiel
dafür ist "Airborne - Flügel aus Stahl", eher ein Werbefilm für die US-Luftwaffe
als ein ernstzunehmender Streifen für einen guten Schauspieler -, so hat er doch
inzwischen mit jeder Menge richtig guter Regisseure zusammengearbeitet. Neben
seinem Onkel sind diesbezüglich die Coen-Brüder zu nennen, David Lynch ("Wild at
Heart"), Martin Scorsese und für Cage vor allem wichtig Mike Figgis. Unter
dessen Regie spielte er in "Leaving Las Vegas". Für diese 1995er Produktion
bekam Cage den Oscar und den Golden Globe als bester Hauptdarsteller.
Der Mann ist nun 42, lebt in dritter Ehe (auf die mit Patricia Arquette folgte
eine viermonatige Liaison mit Lisa Marie Presley; Alice Kim heißt die aktuelle
Ehefrau) hat inzwischen bereits in fast 60 Filmen mitgewirkt, selbst Regie
geführt, mehrfach produziert und sogar Filmmusiken komponiert - der Großvater
lässt grüßen. Dieses Jahr kommt noch ein bereits abgedrehter Streifen mit ihm
raus und für das kommende Jahr avisieren uns die Verleiher weitere zwei.
Fleißig, fleißig! Und vielleicht ist auch mal wieder eine oscarreife Leistung
dabei. Ebenso vielleicht tauscht er dann sein richtiges Schloss gegen sein
falsches außerhalb von Los Angeles. Es heißt, er wolle ein echtes Schloss aus
Deutschland, den von ihm erworbenen Herrschaftssitz der Freiherren von Brand,
Schloss Neidstein in Etzelwang in der Oberpfalz, in die USA importieren. Könnte
seine Lebensmaxime lauten: Nicht kleckern, sondern klotzen? Möglich.
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| Wort: Carola Kinzel / Bild: UIP |
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