Vorsicht Thiel!

Vorsicht Thiel'tschuldigung, ist das Ihr Koffer?

Der Juli war viel zu warm und viel zu trocken. Ganz klar, eine Folge des Klimawandels, der Umwelt-verschmutzung und der damit einhergehenden Erderwärmung. Genau darum war auch der August zu kalt und zu feucht.


Das Wetter-Durcheinander führte bei vielen Menschen zu Kreislaufproblemen, Denkblockaden und Verbalentgleisungen. Mitten im Urlaub meldete sich der Finanzminister mit dem Hinweis, man solle lieber auf Urlaubsreisen verzichten und dafür schon mal die Rente abpolstern. Nachdem man ihm erklärt hatte, dass der Sommerurlaub für viele der einzige Grund wäre, sich nicht zu erschießen, ruderte er mit dem Hinweis zurück, er meine natürlich den Dritt- und Vierturlaub. Assistiert wurde ihm dabei von Doppelkinn Kurt Beck. Da stand der oberste Sozial-Demokrat (Doppel-Lüge?) vor den Kameras und grinste uns den Steinbrück-Schwachsinn schön. Nun wollte die CDU/CSU nicht Zweiter werden, beim Wettstreit um den allergrößten Nonsens und schickte uns den Markus Söder, ihren Generalsekretär. Nachdem Steini die Arbeitnehmer beschimpft hatte, beleidigte Södi die Hartz-IV-Belobigten mit der Aussage, dass die ja wohl nicht auch noch Urlaub brauchten, nachdem sie in der sozialen Hängematte ausgeschlafen hätten. Diesen Ausgleich durch die Union konterte die SPD mit ihrem Vorzeige-Ossi Wolfgang Tiefensee. Der sagte sich, wenn der Hartz-IV-Arsch schon mal auf der Welt ist und sowieso nicht in den Urlaub fahren darf, kann er doch gleich als Kofferbombensucher, eingesetzt werden. Schließlich lungern die Nervensägen sowieso auf der Straße rum, also können sie dabei auch nach Koffern Ausschau halten. Als Belohnung dürfen sie Bus und Bahn fahren, kostenlos. Müssen nur auch dabei auf Koffer und Terroristen achten. Immerhin gibt es dafür Kohle extra, also eine Hartz-IV-Mugge! Hat nur Vorteile: Der Hartz-IV-Lästige wird stinkreich, Deutschland bekommt den billigsten Sicherheitsdienst der Welt und das Volk kann sich extrem entspannt zurücklehnen. Bis es selbst zur Hartz-IV-Elite gehört. Ich höre schon die Al-Kaida-Terroristen ängstlich tuscheln: "Scheiße, die Deutschen bringen die Hartz-IV-Abwehr." Übrigens, Herr Tiefensee, bitte vergessen Sie nicht, die Hartz-IV-Security auf den öffentlichen Toiletten zu stationieren. Dort werden mit Abstand die meisten und härtesten Koffer stehen gelassen! Übrigens werden die neuen Elite-Einheiten vorher geschult, ehe sie in die Achse der Gerechten gelassen werden. Insgesamt soll es drei Seminar-Wochenenden geben, mit den Schwerpunktthemen: Was ist ein Koffer? Wie unterscheide ich Koffer mit von Koffern ohne Bombe? Woran erkenne ich einen Terroristen? Bei knapp 5 Millionen Arbeitslosen wundere ich mich, dass man die nicht auch noch mit dem Öffnen von vermutlichen Kofferbomben beauftragt. Bei reichlich Kofferbomben könnte die Bundesagentur für Arbeit bald sinkende Arbeitslosenzahlen melden, was wiederum einen Riesenerfolg der Reformpolitik unserer Regierung darstellte.
Nun möchte ich nicht ungerecht sein und den 2:1-Vorsprung der SPD so stehen lassen. Natürlich hat die CDU wieder ausgeglichen, in Person von Ronald Pofalla, ihrem Generalsekretär. Wenn Eltern langzeitarbeitslos sind, warum dann nicht die Kinder zur sozialen Absicherung heranziehen? Warum soll der Staat für Langzeitarbeitslose aufkommen, wo doch deren Kinder oftmals Millionäre sind? Recht hat er! Aber inkonsequent ist er auch. Warum nur die Kinder? Warum sind wir mit Enkeln, Nichten, Neffen, Cousinen, Großnichten und Patenkindern gesegnet, wenn wir sie nicht gezielt einsetzen? Wird ja wohl einer in der Verwandtschaft Kohle haben, oder?
Apropos Verwandte. Die Israelis kennen auch keine Verwandten, wenn sie mit Bomben loslegen. Da werden schon mal "aus Versehen" Flüchtlingskolonnen, Sanitätseinrichtungen oder UN-Soldaten weggebombt. Klar, sicher ist sicher. Ich will mir gar keine Beurteilung von Recht und Unrecht anmaßen, nur eine Frage sei mir erlaubt: Ab wann darf man offiziell von Krieg sprechen? Im Nahen Osten raucht der Karton und in deutschen Medien erfahre ich etwas von einem Konflikt, einer Krise, von Gefechten und Meinungsverschiedenheiten. Freunde, muss ich in ein paar Jahren vom Hitler-Konflikt lesen, der Faschismus-Krise oder kleineren Weltgefechten am Anfang der 1940er Jahre?
Gegen so viel Abwiegelung ist ja selbst der Ulle eine auskunftsfreudige Wahrheitsplaudertasche! Ich gehe mal davon aus, dass er uns die Beweise seiner Unschuld in Sachen Doping demnächst bringen wird. Kann er auch gleich das Zeug vom Landis, dem Gatlin, der Jones oder dem Jaksche mitbringen. Um nur mal ein paar Erwischte zu nennen. Wenn ich mir Sportwettkämpfe anschaue, frage ich mich immer öfter, an welcher Position eigentlich der erste Nicht-Gedopte kommt? Was noch viel schlimmer ist - ich will es gar nicht mehr wissen.
Ganz sicher nicht gedopt ist Sachsens Landtagsdirektor Metz. Er benötigt für längere Strecken allerdings auch keine Muskelkraft, er hat nämlich ein eigenes Dienstfahrzeug mit Chauffeur! In Zeiten der Arschbackenzusammenbeißerei ist es diesem Monatlich-etwa-8.500-Verdiener (Euro!) nicht zu dämlich, das einmalige Privileg sächsischer Steuerzahlergroßzügigkeit privat zu nutzen. Jetzt werden manche sagen: Das kann doch nicht wahr sein! Stimmt: Er verdient wahrscheinlich nicht nur 8.500 Euro, sondern bekommt sicher noch ein paar Zuschläge. Irgendwo habe ich gelesen, er sei in 16 Monaten etwa 41.000 Kilometer privat (!) mit dem Dienstwagen gefahren, was ihm juristisch keiner vorwerfen kann. Aber nachrechnen kann man das. Er ist also in circa 480 Tagen 41.000 Kilometer privat gefahren. Das macht am Tag etwa 85 Kilometer. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h sind das täglich fast eineinhalb Stunden private Fahrten. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was rechnerisch herauskommt, wenn ich die Tage abziehe, an denen er mal nicht privat fahren konnte oder wollte, bzw. seine Freundin das Auto mal nicht brauchte. Ist auch egal, aber eine Idee kommt mir dabei: Wenn der Typ so gern unterwegs ist, dann soll er doch auf Bus und Bahn umsteigen und nebenbei auf herumstehende Koffer achten. Dann hätten wir alle etwas von seiner Reisewut.
Leicht angesäuert, Euer Mario


"Vorsicht! Thiel!"
feiert am 21. September im Kabarett Breschke und Schuch seine 60. Veranstaltung, Gast ist Dirk Zöllner, Rockmusiker aus Berlin und Jesus Christ Superstar an der Staatsoperette Dresden.
Karten unter 4904009

www.vorsicht-thiel.de
 
Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade