| Kudernatschs Kolumne |
Wo
sollen wir hin?
Schön hier geblieben! Draußen ist es viel zu heiß. Und scharf geschossen wird
nicht nur beim Fußball.
Es ist wirklich schwer, in diesem Jahr ein schönes und sicheres Urlaubsziel zu
finden. In der Beziehung hat die Fußball-WM schlimme Spätfolgen. Denn alle
Länder, die Deutschland rausgeschossen hat, werden sich wenig freuen, die Sieger
nun bei sich einmarschieren zu sehen. Das gab's schon mal, und das kam nicht so
gut an. Obwohl es an einem fiesen Österreicher lag, aber die haben zur WM
gekniffen und sich nicht gezeigt, also müssen wir herhalten. Menno! Die Ösen
sind die Bösen!
Heißt das, wir sind nun dazu verdammt, daheim im Lande zu bleiben und Urlaub in
Bayern zu machen? Bloß nicht, da wird man gleich erschossen, wenn man stark
behaart ist. Fragt Bruno!
Sachsen legt ebenfalls gleich die Flinte an. Dort hat man eine Löwin gesichtet,
die bei der zweiten Sichtung zum Puma wurde, bei der dritten zum Luchs und
schließlich zur fetten Hauskatze. Wenn nun auch träge, fette Katzen, die in
ihrem Körbchen festklemmen, gleich wie Bruno weggepustet werden, gilt die alte
Katzenregel: "Dicke Katzen machen Mi / Jau das schaffen sie ja nie."
Aber das sind natürliche Verluste. Sonne wie in Afrika erzeugt eben Bilder wie
in Afrika. Schon früher gab es diesen Witz: "Afrika kann nicht weit sein - ich
hab' vorhin zwei Farbige auf einem Klapprad gesehen." Das war noch zu Zeiten,
als es Solidarität gab und Mocambiquaner bei uns das Schrauben lernten, um dann
mit einer Simson S 51 wegzufahren.
Wenn die Temperaturen und die Visionen wie in fernen Ländern sind, können wir
doch gleich wieder auspacken und uns auch hier rösten. Sonnenschutz gibt es
haufenweise: Deutschland-Fahnen werden nun nicht mehr benötigt und dienen
wunderbar als Markisen oder Strandtücher, Sonnendach oder Wickelrock. Also hier
geblieben - der Sommer ist schwarzrotgold.
Der Patriot verschanzt sich daheim und denkt vor dieser Kulisse noch einmal
daran zurück, wie schön es war mit Miro Klose, Podolski und Lehmann - wie sie
alle im Duplo steckten, und sogar Goleo, das Maskottchen ohne Hose, irgendwie
erträglich wurde, als es endlich weniger als die Hälfte kostete. Alle hatten
gute Laune, die Deutschen waren die besseren Brasilianer, und Klinsmann war der
Kaiser.
So döst man in der Sonne und schläft mit einem Lächeln im Gesicht ein. Aber
irgendwann wachen alle wieder auf - bis auf Bruno. Dann ist der
schwarzrotgoldene Sommer vorbei.
Termin:
"Kudernatschs Kautsch" mit Knorkator, Subcultura und den Russian Doctors am 3.
August, 20 Uhr, in der Erfurter Engelsburg, Open Air
www.kudi.de
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| Wort: André Kudernatsch / Bild: Ernie Le Coq |
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