| Historisches Sportspektakel |
Knochenhockey,
Rammbocken und Stocksumo
Ludus Maximus heißt das neue Historien-Spektakel auf der Neuenburg in
Freyburg an der Unstrut. Championate in Disziplinen wie Knochenhockey,
Rammbocken, Fassziehen, Stocksumo und Seilwickeln stehen an.
Erstmals werden von Heureka die großen Spiele initiiert und ausgerufen in einer
offenen Meisterschaft mit ligaartigen Spiel- und Sportkämpfen. Dabei kommt es zu
einem eigenartigen Gaudium bei dem versessene Kämpfer als auch Zuschauer ihren
Spaß erleben", freut sich Heiko Guter, erfahrener Veranstalter geschichtlicher
Ereignisse, auf den 19. und 20. August.
Um und in der Neuenburg finden an diesem Wochenende nicht nur Recken und
Naturburschen ihren Zeitvertreib, sondern auch deren Begleitung. Neben den
Wettkämpfen gibt es Konzerte - mit Spilwut, In Validus und Scharlatan -,
Schauspiele, Prozessionen und einen historischen Markt. Wer will, kann mit
Oswald, dem unerbittlichem Buchmacher, das Pferdetauziehen betreiben ("bis es
stehen bleibt"), und Ludus Minimus empfängt die Sieger von morgen, unter anderem
zu Mitmachaktionen, Geschicklichkeitsspielen und Märchenstunden.
Wir sprachen mit Heiko Guter:
BLITZ!: Ihr bietet dem Volk Brot und
Spiele - steht da ein Fürst dahinter?
H.G.: Als Fürsten bezeichnen wir uns
nicht, aber tatsächlich steht die Firma Heureka-Gastro für Brot und die
Historienkontorei Heureka-Leipzig für die
Inszenierung der Spiele.
BLITZ!: Knochenhockey, Rammbocken und
Stocksumo - wie historisch sind Eure Disziplinen?
H.G.: Also, mit einer Ramme gegen
geschlossene Türen zu rennen, war Massensport in kriegerischen Zeiten. Und das
Baculum, von mir Stocksumo genannt, ist tatsächlich als Körperertüchtigung für
Knappen überliefert. Knochenhockey gilt als eines der ältesten überlieferten
Spiele überhaupt. Die Steinzeithorden waren daran gewöhnt, beweglichen Zielen
hinterherzulaufen. Von ihrem Jagdglück hing schließlich das Überleben ab. So
liegt es nahe, dass man dazu kam, die für die Jagd benötigte
Ausdauer und
Schnelligkeit zu trainieren. Mit einem Stock oder Knüppel trieb man einen
kleinen Gegenstand - Stein, Holzstück, Knochen - vor sich her, einem Ziele zu.
Durch Zeugnisse belegt ist diese Art von Stockball seit fast 5.000 Jahren im
alten China. Aber auch die Griechen und Römer haben uns zahlreiche Bild- und Text-quellen zu diesem Thema hinterlassen.
BLITZ!: Gibt es Quellen, die von
Spielen wie den Euren hier im Gebiet berichten? Zu welchen Anlässen fanden einst
solche Wettkämpfe statt?
H.G.: Fuchsjagden zu Fuß als auch zu
Pferd sind seit vielen hundert Jahren sehr beliebte Suchspiele. Ausgeführt vom
einfachen Bauernkind wie vom Königssohn. Anlass waren Geburtstage der
Herrscherkinder als auch Vermählungen hoher Würdenträger und andere
Staatsfeierlichkeiten, wie gewonnne Kriege und Raubzüge. In unseren Breiten sind
große Turniere zu Pferd überliefert aus Dresden, Meißen, Torgau und Wittenberg.
Die Spiele am Rand solcher Turniere waren für den kleinen Mann. Vom Ringen,
Zielwerfen und diversen Ballspiele berichten die Chronisten.
BLITZ!: Wer kann am Ludus Maximus
teilnehmen?
H.G.: Am Ludus Maximus sollte man
teilnehmen, wenn man Spaß an Körperertüchtigung hat und kuriose Spielideen
ausprobieren möchte. Immerhin sind die deutschen Meistertitel mit Siegprämien
bis zu 400 Euro dotiert! Lediglich modernes Sportoutfit ist verpönt. Vom
Steinzeitmensch, Wikinger, Ur-Germanen, Römer, dem Ritters- oder Bauersmann über
den Landsknecht des 30jährigen Krieges bis hin zum napoleonischen oder
preußischen Infanteristen sind uns Darsteller aller historischen Zeitepochen
willkommen.
BLITZ!: Welche Parallelen können wir
Heutigen zu den Spielen der Ahnen ziehen?
H.G.: Im Altertum hat es mit den
historischen olympischen Spielen der Griechen einen geschichtlichen Höhepunkt an
Sportspielen gegeben. Aber immer wichtig war die Volksbelustigung durch das
Spiel. Man kann seinem Favoriten zujubeln, mit ihm bangen und hoffen, aber auch
selig feiern, wenn er in Siegerpose heimkehrt. Gerade die vergangenen irdischen
Fußballspiele hypnotisierten ganze Volksstämme in dieser Art.
www.heureka-leipzig.de
Termin:
19. und 20. August in Freyburg an der Unstrut
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| Wort: Bastian Cramer / Bild: ELC, P.D. |
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