Jungunternehmer in Leipzig

Existenz gründen als Franchise-Nehmer
Selbstständig mit System


Selbstständig sein wollen oder müssen angesichts der Situation auf dem Arbeitsmarkt viele. Das Franchising-Prinzip bietet Gründern unternehmerische Erfahrungen und dank derer eine gewisse Sicherheit. Franchising ist etwas für Leute, die eigenverantwortlich arbeiten wollen und dennoch kein Problem damit haben, Teil eines Systems zu sein.


Franchising ist ein auf Partnerschaft basierendes Vertriebssystem mit dem Ziel der Verkaufsförderung. Dabei räumt das Unternehmen, das als so genannter Franchise-Geber auftritt, meist mehreren Partnern (Franchise-Nehmern) das Recht ein, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen unter seinem Namen ein Geschäft zu betreiben." So erklärt's der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) und verrät: "Die heutige Form des Franchisings fand ihren Ursprung am 2. März 1955 mit dem wohl heute allen bekannten Franchise-System McDonald's."
Nicole Bergmann vom Unternehmensgründerbüro Leipzig (ugb) sagt: "Gründungen im Franchising verlaufen wesentlich besser als die freien; weil alles schon durchdacht ist, Musterverträge vorhanden und die Produkte entwickelt, getestet und vom Markt angenommen worden sind." Ein Franchise-Nehmer eröffne gleich mit Namen und Bekanntheitsgrad. Das ugb bringt die Ortkenntnis hinzu und die Ansprechpartner. Also alles ganz einfach? Ja und nein. Wie immer gibt es Rechte und Pflichten, Plus und Minus. Wer sich beispielsweise kreativ austoben wolle, ist beim Franchising falsch. Denn das ist ein System mit festen Vorgaben, in der Regel auch eins mit Einstiegsgebühr und laufenden Gebühren - der Franchise-Nehmer führt monatlich einen festgelegten Prozentsatz vom Umsatz ab - und einer Werbekostenpauschale.
Gemeinsam mit dem ugb solltet Ihr überdenken: Was ist das für ein Unternehmen, dessen Franchise-Nehmer ich werden möchte? Ist der Name wirklich bekannt? Ist die Höhe der Gebühren gerechtfertigt? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Rechten und Pflichten? Wie viele Franchise-Nehmer dieses Unternehmens gibt es bereits in Leipzig, in Sachsen, in Deutschland? "Vor der Entscheidung macht es sich gut, mit einem dieser Franchise-Nehmer zu sprechen", rät Nicole Bergmann und weist darauf hin, dass der Franchise-Geber DFV-Mitglied und auf dessen Internetseiten zu finden sein sollte (www.dfv-franchise.com).

Marco HilbrechtMarco Hilbrecht (29) und Steffen Köhler (30) stammen aus Zittau, waren beruflich in Berlin und haben dort Cartridge World für sich entdeckt. Anschließend suchten sie nach einem attraktiven Standort. Leipzig und Dresden waren im Gespräch, ein Grund für Leipzig das ugb. "In Dresden werden kleine Existenzgründer nicht so wahrgenommen - zu klein", sagt Marco Hilbrecht. Das ugb sei da ganz anders, interessiere sich, engagiere sich, biete sehr gute Seminare an und immer einen Ansprechpartner.
Als Franchise-Nehmer nutze er "ein erprobtes System, es gibt 1.500 Shops weltweit". Den in der Georg-Schumann-Straße 30a eröffneten Köhler und er 2004, den in der Karl-Liebknecht-Straße 91 vor wenigen Wochen. "Wir befüllen Tintenpatronen und Laserkartuschen maschinell und handeln mit dem kompletten Sortiment der Druckverbrauchsmaterialien. Außerdem reparieren wir Drucker, Kopierer und Faxgeräte. Ein dynamischer Markt, da ist es für Einzelkämpfer schwer."

Thomas Schmidt (38) ist Tabacon-Partner und handelt mit der "Dreierachse Lotto, Zeitung, Tabakwaren". Dazu kommen Raucherbedarfsartikel und Süßigkeiten. "Das Thomas SchmidtSortiment sollte richtig schön breit sein, damit sich viele angesprochen fühlen", sagt der Rand-Hallenser, der in Weißenfels auch eine Postfiliale im Laden hat und im Angebot seines Paunsdorfer Standortes die Fahrscheine der Leipziger Verkehrsbetriebe.
2003 sei er auf Anregung seines Franchise-Gebers nach Leipzig gegangen, in ein kleines Center in der Goldsternstraße 58. 2004 kam das Geschäft in Weißenfels dazu und am 1. September eröffnet Schmidt im Schkeuditzer Rathaus-Quarree. "In der Branche bemühen sich die Franchise-Geber um die Standorte", sagt der Selbstständige, "als Einzelkämpfer in den großen Centern aufzutauchen, wäre aussichtslos."
Thomas Schmidt war ein Jahr lang arbeitslos gewesen, als er von einem Laden in Hettstedt las. Er bewarb sich, wurde mit Tabacon einig und legte los. "Ein halbes Jahr rackerte ich von früh bis spät, allein. Doch es lief nicht." Tabacon zeigte sich kooperativ und suchte anderen Standort. In Paunsdorf funktionierte es von Anfang an. Dort, im Neubaugebiet, kam Schmidt auch mit der Sparkasse in Berührung, eine Filiale befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Zuge der Neueröffnung in Weißenfels wurde er dann an das ugb verwiesen - und ist zufrieden. "Ich bekomme all das, was ich brauche, um vernünftig zu arbeiten. Es funktioniert hervorragend", sagt Schmidt und erläutert: "Die Branche ist sehr kapitalintensiv. Wer die beste Bank und die besten Kundenbetreuer hat, verdient am meisten."
Von Anfang an, denn eine Franchise-Einstiegshürde sei das Geld, die Einmalgebühr. "Da braucht man ein risikofreudiges Kreditinstitut".


Gute Verbindungen:
www.ugb-leipzig.de
www.sparkasse-leipzig.de
www.dfv-franchise.com
 
Wort und Bild: Bastian Cramer