Sommersilvester

SommersilvesterAlice, Clara und der liebende Andreas

In der warmen Jahreszeit zieht's uns hinaus zu Badeseen, Fanmeilen und ins Theater. Keine Bühne in der Stadt, die nicht zum Sommer Bestes gäbe. Ab dem 22. Juli können wir uns vor "Das Schlafzimmer von Alice" setzen und verfolgen, wie die gute Gattin des Mordes verdächtigt wird.

Klar, steht stets der Falsche vor ihrem Bette und liegt drin. Die Polizei hat's mit der Recherche schwer, schwerer noch ihr Präsident, denn dieser entdeckt in Alice seine Frau fürs Leben. Es wird gelacht werden müssen. Es ist das Sommertheater vom Leipziger Schauspiel im Clara-Park. Intendant Wolfgang Engel inszeniert.
Der verliebte Polizist heißt Andreas Rehschuh und ist Leipzigs Bühnen kein Unbekannter. Anno 69 in Magdeburg geboren verlebte er seine Jugend in Dresden-Ost, spielte Geige und bereits in "Staatsanwalt" und "Geschichten übern Gartenzaun" mit. Dann studierte er die Kunst des Schauspiels hier in Leipzig. Als Neonazi betrat Andreas 1992 die Bühne des Kellertheaters. Dieser "Bunker" war ein Stück ostdeutscher Gegenwart und Depression. Andere Gewalt ließ Andreas als eine der "Zofen" spüren. Solch Stück hatte Leipzig selten: 125 Mal in sieben Jahren. Da spricht man von Erfolg. Na klar. Wir sahen Andreas oft, letztens in "Bis Denver" als bizarren Ehemann und Vater. Auch da ist am Ende einer tot. Oder zwei?
Seit fünf Jahren ist Andreas Rehschuh frei, frei als Künstler. Familiär ist er gebunden, zweifacher Vater und glücklich. "Die Prioritäten haben sich verschoben." Logisch. Auch beruflich wurde der Horizont weiter. In Altenburg und Gera sang Andreas im Musical den Maler Lautrec. Bei "Titanick" begab er sich in große Höhen und an artistische Grenzen. Sein Gesicht zeigte er bei der "SOKO Leipzig" als Spurenleser der Kripo. Wir hörten ihn via CD und sahen ihn auswärts bis hin nach Barcelona. Außer dem Spielen führt Andreas Regie. Voll der Erfolg schon seine Inszenierung No. 1. Diese "Ringelnatz-Geisterstunde", empfand die Kritik als genial, und von "Theater heute" wurde Andreas Rehschuh 2004 als "bester Nachwuchsregisseur" nominiert. Derzeit inszeniert er fürs Societätstheater Dresden "Die unterbliebenen Worte". Ein Stück Gewalt und Jugend, also nah dran an uns und uns'rer Gegenwart.
Diesen Sommer ist Andreas Rehschuh in Leipzig und verliebt in Alice. Doch diese Frau steht unter bösem Verdacht. Brachte sie den Gatten um? Neben allem Mordgerede gibt dieses Theater und Stück einen lustigen Einblick in die Machtverhältnisse unserer Zeit. In Zeitung, TV und Radio ist Politik 'ne ganz ernste Sache. Auf der Bühne im Park können wir drüber lachen. Und das ist gut so. Danach geht's auf Tournee.
www.schauspiel-leipzig.de 

Termine:
22. (Premiere), 23. und 26. bis 30. Juli, 2. bis 6., 9. bis 13. sowie 16. bis 19. August
Kartentelefon 126 81 68
 
Wort: Henner Kotte / Bild: Tobias Kade