| Theater-Sommer |
Jubiläen, Freiluft und Spektakel
Im Sommer gibt es gewöhnlich jede Menge Theater in der Stadt, so auch in
diesem Jahr. Da wird mit Puppen gespielt, mehrfach die Burg Giebichenstein
belagert, der Rote Turm lässt sich zum Geburtstag gratulieren und die gesamte
Stadt spielt verrückt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass Petrus im Himmel selbst
ein Freund der Bühne ist.
Figurensommer
Magie entsteht Jahr für Jahr, wenn Studenten und Diplomierte der Hochschulen
Burg
Giebichenstein Halle und "Ernst Busch" Berlin skurrilen Puppen Leben
einhauchen. Das zauberhafte Ensemble haust vom 20. bis 23. Juli im Burggraben
des Giebichenstein und lädt zum dritten Figurensommer. Wie in den beiden Jahren
zuvor trägt Puppenspielerin Steffi Lampe den Hut der Verantwortung. In der
Open-Air-Galerie dürfen täglich ab 11 Uhr Kobolde, Krokodile, die komplette
weiße Flotte, Kugelfische und anderes bestaunt werden. Am 22. und 23. öffnet
sich jeweils 16 Uhr der Vorhang, zunächst für die Kiddies wenn "Petterson und
Findus", aber auch "Die kleine Hexe" die Bühne entern. Lustiger, schriller und
origineller wird es am Abend und das Programm erwachsen. 20 Uhr startet die
Nacht mit Musik und Comedy. Danach dürfen sich Mutti und Vati bis weit nach
Mitternacht mit Puppen vergnügen. Gezeigt wird unter anderem "Die Suche nach dem
heiligen Gral", für dessen Geschichte Monthy Pythons Ritter der Kokosnuss
verantwortlich zeichnen.
Himmel
und Halle
Merkwürdige Dinge geschehen auf Burg Giebichenstein, seltsame Vorbereitungen
werden getroffen auf Halles geschichtsträchtigem Felsen. Kabel werden verlegt,
Sonnenkollektoren aufgebaut, Abschussrampen und Landeplätze präpariert,
Funkstationen installiert. Was wird da erwartet? Worum geht es hier? Und was
macht ein Mann mit einem Boot dort oben? Fragen über Fragen und nicht die
unwichtigste: Was hat die Himmelsscheibe da zu suchen? Soviel scheint klar: Vier
ernsthafte Männer gehen zu Werke und scheinen wichtige Ereignisse für Halle, ja
die ganze Welt zu erwarten. Um welche es sich handelt und ob noch Rettung
möglich ist, erfahrt Ihr ab sofort - auf der Oberburg beim Sommerspektakel der
Theatrale. Euch erwarten nicht nur die vier geerdeten Schauspieler der Theatrale,
sondern auch ein außerirdisch gutes Männergesangsquartett. Die Premiere ist
schon durch, aber bis 22. Juli gibt es täglich (außer am 17.) ab 20.30 Uhr
dieses abgefahrene Sommertheater.
Das
Salz in der Suppe
Zum 1.200-Jahre-Stadt-Jubiläum erwartet das Geburtstagskind ein weiteres
Highlight: Das Straßenfest vom 20. bis 23. Juli ist das Salz in der
Jubiläumssuppe. Über zehn Theatergruppen aus dem In- und Ausland werden an
verschiedenen Orten der Stadt über 15 öffentliche Vorstellungen geben. Zur
Eröffnung des Festes werden mehrere Theater eine Parade veranstalten, die mehr
als nur Neugierde wecken wird. Die Stelzer aus Landshut sind Perfektionisten auf
Stelzen und beweisen das zur Parade am 20., ab 14 Uhr, auf dem Boulevard. Das
französische Walk-Act-Theater Rue Pietonne wird unter anderem am Nachmittag des
21. Juli über den Markt kriechen, bevor mit der Dämmerung, verschiedene
Feuer-Shows die Peißnitzbühne abfackeln. Der 22. Juli spielt sich komplett auf
den Peißnitzwiesen ab, ehe am Tag darauf das Festival, auf dem Stadtgottesacker
mit einer "literarisch-szenischen Begehung" sein jähes Ende finden wird.
Der
arme Heinrich
Was entsteht, wenn Altgermanisten Textbruchstücke aus dem Mittelalter für die
Bühne rekonstruieren?
Heidnische und christliche Kulturen prallen aufeinander und verschmelzen zu
experimentellem Theater und einem Schmuckstück des diesjährigen Theatersommers
am Peißnitzhaus. Figuren tanzen durch dunkle Nebelschwaden und ein vergessener
Kopf schreibt eifrig Verse nieder. Er denkt sich kostbare Gewänder mit seidenen
Tüchern, schöne Leiber in prächtigen Palästen und in die ganze Szenerie seinen
gottvergessenen Helden Heinrich. Denn das Glück verlässt Heinrich, die Krankheit
packt ihn an den Füßen und zerrt ihn in eine trostlose Welt. Ein Heiler
verspricht ihm Genesung, wenn er einer Jungfrau bei lebendigem Leib das Herz
herausschneidet und das frische Blut gewinnen kann. Diese Geschichte macht das
Theater Diu halben Birn am 30. Juli, ab 18.30 Uhr, am Peißnitzhaus bildhaft.
Cyrano
der Bergerac
Nach dem großen Erfolg der letzten Open-Air-Saison des Thalia Theaters hat
Monsieur Bergerac auch in diesem Sommer wieder den richtigen Riecher für die
Liebe und die Sprache. Das Stück von Edmond de Rostand lässt es an nichts
mangeln und erhebt mit seinem Reichtum an Dramatik, Witz und Fabulierlust den
Universitäts- erneut zum Schauplatz der Weltliteratur. Die Komödie in Versform
schien schon 1897 altmodisch und gegen den Zeitgeist geschrieben. Das sie bis
heute überlebt hat, liegt vor allem an der legendären Hauptfigur, die
unsterblich geworden ist: Cyrano de Bergerac, der für seinen unerschrockenen Mut
und für seine riesengroße Nase bekannt ist. Letzterer Makel wird zum Verhängnis
im Kampf um die Liebe. Die bleibt zum Schluss so unerreicht, wie sie schon immer
war. Ein herzzerreißend schönes Gedicht. Die Premiere ist gelaufen, aber vom 19.
bis 26. Juli gibt es täglich 21 Uhr eine Aufführung (außer am 23.).
Il
Corso am Roten Turm
Der Rote Turm feiert zum Jubiläum der Stadt seinen eigenen runden Geburtstag.
Ein halbes Jahrtausend hat er hinter sich und das soll entsprechend begangen
werden. So hat man am 29. Juli "Il Corso" geladen, eine preisgekrönte und in
Europa momentan die meistgespielte Theaterproduktion. "Il Corso" ist ein
Open-Air-Spektakel. 25 Akteure aus Schauspiel, Artistik und Musik entfachen ein
Feuerwerk emotionaler Bilder und verbinden das mit Aktionen inmitten des
Publikums. Der gesamte Markt wird zur Bühne, Ihr als Zuschauer müsst immer
wieder Euren Standpunkt wechseln, geratet in Bewegung und erlebt Euch somit
selbst als Teil einer prächtigen Inszenierung. In einem surrealen Bilderreigen
wird von der Suche nach Erfüllung und Glück erzählt. Grundlage ist das "Buch der
Fragen" von Pablo Neruda. 10.000 Hallenser werden erwartet - im Mittelpunkt der
Rote Turm.
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| Wort: Thomas Leibe / Bild: Matt Aust, P.D. |
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