Vorsicht Thiel!

ThielWir machen nicht jeden Trend mit!

Leider meckert der Dresdner lieber einmal mehr, als sich zu oft zu bedanken. Darum mache ich das: Danke, Stadtväter von Dresden! Ihr habt die Fußball-WM von unserer Stadt ferngehalten. Dank Euch können wir voller Stolz sagen: Wir machen nicht jeden Trend mit! Wir sind anders! Wir sind Dresden!


Durch den Verzicht auf "Pablik Fiuing Bereiche" blieben unserer Kunst- und Kulturstadt hässliche Verwüstungen und Zerstörungen erspart, die das barocke Kulturgut auf immer vernichtet hätten. Ganz zu schweigen, von den Tausenden gewaltbereiten Dynamo-Fans aus aller Welt, vor allem aus Dynamo-England und Dynamo-Polen. Ist nicht Fußball gleich "Dynamo-Hulligän"? Warum will eigentlich gerade Dynamo ein neues Stadion? Warum sollen das die Sportfreunde von Trachenberge, Mickten oder Löbtau nicht auch verdient haben? Fragen, die sich in der Stadt niemand stellt und darum auch niemand beantwortet. Mit dem Verzicht auf die Fußball-WM konnten übrigens unsere vielen Dresden-Besucher ungestört durch die Stadt laufen und dem Drehorgelspieler (weltberühmt!) oder dem russischen Stehgeiger (Hochschulstudium!) ungestört lauschen. Also die, die noch laufen und lauschen konnten …
Schließlich ist der durchschnittliche Dresden-Besucher etwa 70 Jahre jung, kulturinteressiert und fährt nach knapp drei Stunden Sightseeing rund um den Theaterplatz weiter nach Moritzburg, nachdem er früh am Morgen schon Pillnitz gesehen hatte. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie der liebe Dresden-Besucher - mit Trekking-Sandalen (Brutto), Walking-Hemd (Schibo), Kniebundhose (Liedl) und Fotoapparat (Geiz macht geil) perfekt für den Stadtbummel gerüstet - vor dem Zwinger auf Fußball-Fan-Horden reagiert hätte, die ihm die Annahme, die Semperoper sei eine Brauerei und der Ossi ein Säufer, bestätigt hätten. Der liebe Besucher wäre doch niemals wiedergekommen. Gut, macht er so wahrscheinlich auch nicht, weil er ja schon mal da war. Warum sollte er noch mal drei Stunden um Zwinger, Schloss, Oper und Frauenkirche latschen? Das sieht doch dann immer noch so aus! Davon abgesehen wäre das noch die gute Variante gewesen. Schlimmer wäre es geworden, der liebe Besucher hätte sich plötzlich von Ukrainesen, Ghanaesern oder Togolanten umzingelt gesehen. Bekommt man eigentlich sein Geld zurück, wenn das Reiseziel voll von verrückten Ausländern ist? Schließlich hatte man ja Deutschland gebucht …
Mal ehrlich, ist nicht jeder brave Bürger froh, wenn er sich nach der Arbeit in sein ruhiges Heim zurückziehen kann, ungestört von nationalistischen Fan-Horden mit ihren Deutschland-Rufen. Und sitzen wir nicht alle lieber in der leeren Bahn, als in der vollen zu stehen? Da habe ich garantierten Schweiß und Mundgeruch noch gar nicht erwähnt. Übrigens weiß ich seit kurzem, warum hier manche Autos mit der Deutschlandfahne geschmückt sind. Das sind gar keine Minister, sondern Deutschland-Fans. Je länger ich mir das Schreckenszenario einer möglichen WM-Party in Dresden vor Augen halte, um so mehr hoffe ich, dass es Einigen in Dresdens CDU gelingt, noch mehr sachdienliche Argumente gegen ein neues Stadion und damit den Fußball in Dresden zu finden. Was ist eigentlich, wenn in der Bauphase eine Monsterwelle vom Lockwitz-Bach in den Großen Garten schwappt? Und wer übernimmt die Kosten, wenn Dynamo nur noch in der zweiten Staffel der 1. Stadtklasse spielt? Warum das Stadion überdachen, wo doch der Rasen Wasser braucht? Warum Rasen? Wer mäht den? Alles Fragen, die von Dresdens Finanz-Vorjohann noch gar nicht gestellt wurden, obwohl sie doch den wahren Finanzbedarf beim Bau des Stadions verschleiern! Apropos verschleiern: Wo ist eigentlich unser Oberbürgermeister? Ach ja, vor Gericht. Dort hat er gesagt, dass er nun nichts mehr sagt. Mehr davon! Apropos: Man kann sagen, was man will, aber Ingolf Roßberg muss sich wenigstens für ein paar Sachen rechtfertigen, die er gemacht hat. Sein Vorgänger musste sich am Ende der Amtszeit für gar nichts rechtfertigen. Im Gegensatz auch zu Jan Ullrich. Wenn der im Baumarkt Verdünnung kaufen geht, fragt der Verkäufer wahrscheinlich: "Fürs Blut?" Allerdings ist das immer noch besser, als das, was dem Bär Bruno passierte. Der folgte nur seinem Instinkt und hat gefressen. Dafür wurde er erschossen. Bei "Ulle" war das Gier. Dafür wurde er aber nicht erschossen, sondern als bester deutscher Radprofi geehrt. Die Welt ist völlig verrückt! Apropos: Wer kam eigentlich auf die Idee, mit roten (!) Plakaten für Dresdens Stadtjubiläum zu werben? Derselbe Nobelpreisträger, der die neue Eishalle rot (!) streichen wollte? Geht der Fußballhass hier so weit, dass man schwarz-gelb sogar aus dem Stadtbild tilgen möchte? Ich mache mir Sorgen. Übrigens auch um unsere Angela, denn die hat nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer weitere Steuererhöhungen vehement abgelehnt. Um dann die Krankenkassenbeiträge zu erhöhen. Hinterher sprach sie von einer Reform … Ich kann mir das nur mit der langen Hitze und Trockenheit erklären, denn die macht bekanntlich die Birne weich. Also passt auf Euch auf!
Schönen Sommer,
Euer Mario
 
Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade