Toni Gerkowski

Toni GerkowskiKöpfchen, Kraft und Kondition

"Boxen ist ungefährlich für den Körper und prägt die Persönlichkeit mehr als jede andere Sportart", sagt Toni Gerkowski vom Boxclub Chemnitz 94.


Und ihr wollt echte Kerle sein? Kommt Jungs, bewegt euch, ihr schlaft ja gleich ein!" Während Trainer Olaf Leib die Junioren vom Boxclub Chemnitz 94 anbrüllt, schwitzen die Jungs auf jeden Fall schon wie echte Kerle. Bei 30 Grad ist das allerdings auch verständlich. Doch anstatt zu jammern, wird fleißig trainiert. Wie jeden Tag. Toni Gerkowski kennt das. Seit neun Jahren kommt er jeden Tag ins Sportforum in der Reichenhainer Straße 154. Toni ist eines der viel versprechenden Talente der "Wölfe", wie sich die Boxer selbst nennen.
Im Trainingsraum hängen fette Sandsäcke von der Decke und die Luft ist stickig. Die unverputzten Backsteinwände tun ihr Übriges. Hier werden einige Klischees bestätigt. Auch die Sprüche des Trainers könnte man als Laie falsch verstehen beziehungsweise über deren pädagogischen Wert diskutieren. Da wird Toni schon mal als "fette Sau" bezeichnet - er hingegen weiß, wie es gemeint ist. In Wirklichkeit hat er eine Figur, von der viele andere seines Alters nur träumen. Das hilft ihm im Boxsport jedoch nicht so viel. Toni ist für seine "Zwergengestalt", wie Olaf Leib sie nennt, zu muskulös. Die meisten Gegner in seiner Gewichtsklasse sind viel größer, und das ist immer ein Nachteil. Also muss Toni unbedingt wendiger und schneller sein als die anderen. Das bedeutet auch, dass er mehr trainieren muss.
Warum er sich das antut? Boxen gehört zu seinem Leben ganz einfach dazu. Auf der Sportschule hat Toni begonnen, intensiv zu trainieren. Mittlerweile ist er 18 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker und gestaltet den ganzen Tagesablauf nach seinem Sport. Er verkörpert jene Einstellung, mit der nur noch wenige seines Alters etwas zu tun haben wollen: Hart trainieren, durchhalten und nicht gleich aufgeben, wenn etwas schief geht - weitermachen um irgendwann erfolgreich zu sein. Und warum hat er sich gerade fürs Boxen entschieden?
"Es macht mir einfach Spaß. Außerdem ist die Verletzungsgefahr viel geringer als anderswo", erklärt Toni. Das klingt zunächst widersprüchlich. Eine Sportart, bei der sich die Gegner prinzipiell mitten ins Gesicht oder auf den Oberkörper schlagen, erweckt nun tatsächlich nicht den Anschein, als sei sie ungefährlicher als zum Beispiel Fußball. Aber dieser Eindruck täuscht, der Trainer bestätigt das ebenfalls: "Im Boxen gibt es kaum ernsthafte Verletzungen. Mal eine kleinere Blessur oder ein Nasenbruch, aber das ist alles nicht so dramatisch."
Zudem betont der Trainer vor allem die Trainingsvielfalt: "Schwimmen, laufen, Rad fahren, Krafttraining und spezielle wettkampfnahe Übungen - das alles bietet sich hervorragend fürs Training an." Dabei ist es vor allem im Boxen möglich, "die Jungs zu schleifen", sie zu erziehen, ihren Charakter zu stärken. Ohne Disziplin und Fairness geht eigentlich gar nichts. Strategische Überlegungen sind außerdem unverzichtbar, erklärt Olaf Leib: "Ein Dummkopf wird auch im Boxen nicht weit kommen."
Mit Grips, Kondition und Kraft ist letztlich die Chance, als Boxer erfolgreich zu sein, viel größer als in anderen beliebteren Sportarten; einfach weil die Konkurrenz geringer ist. Da gibt es viel eher Lohn für den Ehrgeiz.
Das regelmäßige harte Training hat sich bei Toni Gerkowski ausgezahlt. Er war schon Süddeutscher und Sächsischer Meister und hat kürzlich am 23. und 24. Juni am Internationalen Boxturnier in Chemnitz teilgenommen. Das wurde mittlerweile zum 15. Mal von den Chemnitzer Wölfen organisiert. Am Start waren hochkarätige Kämpfer aus mehreren Ländern. Toni belegte in seiner Gewichtsklasse den zweiten Platz. Ein solches Turnier motiviert ihn besonders.
Am Engagement mangelt es dem Boxclub Chemnitz 94 sicherlich nicht. Allerdings am Nachwuchs. "Wir haben einfach nicht mehr genügend Junioren", sagt Olaf Leib. "Die meisten kommen erst mit 15, und das ist zu spät, um wirklich erfolgreich zu sein." Toni hat es richtig gemacht. Er begann als Neunjähriger. Das ist das perfekte Einstiegsalter. Bereut hat er es nie, schließlich will Toni ein "echter Kerl" sein und kein "Jammerlappen, wie alle anderen", so sein Trainer.
www.boxclub-chemnitz94.de
 
Wort und Bild: Anne Hähnig