Local Heroes

Große Hoffnungen

Einmal mehr gibt es heiße Neuigkeiten aus den BLITZ!-Musikredaktionen in Chemnitz, Dresden, Erfurt und Leipzig. Bei uns erfahrt Ihr, was in den Nachbarstädten gerade angesagt ist und wahrscheinlich über kurz oder lang ohnehin über die regionalen Grenzen schwappt.



Dresden

Mëdlz - "Mëdlz"
Ganz neu und doch nicht: Seit Oktober letzten Jahres und einem Deal mit dem MëdlzMajor-Label Sony firmiert der Dresdner Frauen-Pop-Chor Nonets unter dem Namen Mëdlz. Damit treten die fünf Schönen nach ziemlich genau zehn Jahren Bandgeschichte ein in das große Biz. Zumindest könnten sie das schaffen mit dem ersten Album unter neuem Namen: "Mëdlz" startet mit einer lustigen Hommage an des großen Grönemeyers "Männer", gewürzt mit der ironischen Leichtigkeit von Niemanns "Osten": Vocal Pop, eingängig und melodiös, mit charismatischer Ausstrahlung und viel Witz in den zuweilen ziemlich frechen Texten. Das kennen wir in Sachsen. Schließlich waren es die Leipziger Prinzen, die der Nation mal gezeigt haben, wie man mit einer solchen Melange ordentlich abräumen kann. Und die Mëdlz sind eben Mädels und so können sie noch eine Prise Tic Tac Toe (als die noch frisch waren) und einen Schuss rosenstolzes Schlampenfieber (ziemlich cool: "Die Party ist vorbei") unterrühren. Live sind sie ohnehin absolut souverän - vielleicht starten sie jetzt tatsächlich BLITZ!artig durch nach ganz oben. Wir werden sie dabei begleiten...
www.medlz.de


Leipzig

Sequoyah - "Crossfades"
Ziemlich neu am Leipziger Rock'n'Roll-Himmel ist diese Band aus Zugereisten. Doch schon rasch nach ihrer Gründung im Jahr 2004 lernten viele den komplizierten Namen (Sequoyah ist ein Krieger der Cherokee) zu buchstabieren: Noch im Gründingsjahr Sequoyahhatten sie sich beim Leipzig-zeigt-Courage-Jugendfestival beworben und waren mit ihrer Performance so widerstandslos durch die Konkurrenz geglitten wie ein heißes Messer durch Butter: Im Mai 2005 standen sie vor vielleicht 10.000 Leuten vor dem Völki - und überzeugten auch da. Ein Jahr später liegt nun das Album vor, dessen Produktion sie seinerzeit gewannen: "Crossfades" bannt die musikalischen Basics der Band auf Datenträger. Ami-Indie in der allerbesten Tradition, von Pearl Jam bis Kyuss. Ziemlich heftig natürlich, aber auch mit einem hohen Songwriting-Anspruch - das ist weit weg von flotten, tanzbaren Rhythmen. Aber ebenso weit auch von grimmiger Metal-Pose. Die ist Sänger und Liedschreiber Mischa sowieso fremd. Er ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Unternehmung. Vor allem live setzt er mit einer fast unheimlichen Präsenz die entscheidenden Akzente; die ständigen Vergleiche mit Pearl Jams Eddie Vedder sind da kein Zufall. Dieses Album ist weniger für den beschaulichen Ohrensessel, sonders als Appetizer für einen Konzertbesuch gedacht!
www.sequoyah.de


Erfurt

Clueso - "Weit weg"
Der Typ hat's echt drauf. Entdeckt bei Stefan Raabs Anti-DSDS-Contest (man kann von dem Mann halten, was man will, für diese Talentebörse kann man ihm nur dankbar sein), machte sich der Erfurter binnen kurzem in ganz Deutschland einen Namen. CluesoJetzt ist er bei Four-Music unter Vertrag. Da denkt man erst mal an deutschen HipHop, Fanta-4-Umfeld und so. Tatsächlich weiß Clueso sehr genau, wie rhythmisch genau auf den Punkt gereimt wird. Doch dabei bleibt es nicht. Dieser Typ tanzt sich ganz locker durch die Stile. In Nullkommanichts surft er von Norbert Leisegangs charismatischer Lässigkeit zum trockenen Reggae-Groove von Bob Marley (nachzuhören auf der Single "Bleib einfach hier") und wieder zurück. Unterwegs hat er noch ein wenig den Wanderklampfen-Singer/Songwriter gegeben und natürlich immer mal wieder bei seinen Homie-Roots im deutschen Rap vorbeigeschaut. Die Label-Connections haben diesbezüglich ein cooles Duett mit Max Herre möglich gemacht.
Unbedingt nachhörens- und -denkenswert sind die Texte. "Bleib einfach hier" ist als Aufforderung an die jungen Leute im Osten, in ihrer Heimat zu bleiben, tausendmal mehr Wert als irgendwelche Pakete, die der Verkehrsminister verschickt. Gesamtprädikat: In jeder Beziehung vollstens korrekt, eine der größten Hoffnungen, die der Osten seit langem im Rennen hatte. Wenn es einen Weg aus der Krise des deutschen HipHop gibt, dann liegt der irgendwo hier und nicht bei Aggro-Bu-shido ...
www.clueso.de


Annaberg-Buchholz

Cyborg Attack - "Stoerf***tor"
Die Elektro-Cyber-Punk-Formation Cyborg Attack wurde im Jahre 1995 ins Leben gerufen. Nach ihrer Eigenproduktion-MCD "Toxic" und ihrem offiziellen Debütalbum Cyborg Attack"Blutgeld" bringen die Annaberger am 2. Juni ihr zweites Full-Lenght-Album namens "Stoerf***tor" auf den Markt. Der Albumtitel ist Programm, sieht sich doch die Band fernab vom kommerziellen "Mainstream-Einheitsbrei" in der schwarzen Szene selbst ein wenig als "Störfaktor" und liefert dabei auf ganz gegenteilige Kost ab, sprich feinsten Old-School-EBM. Wobei alles ziemlich hart, treibend und kompromisslos daherkommt und die Stimme des Sängers Sandro Franz eher an eine Black-Metal-Band erinnert als an eine "herkömmliche" Electro-Formation. Die 13 Songs sind musikalisch noch vielschichtiger als die vom Vorgängerwerk; thematisch werden gesellschaftskritische Töne laut, u.a. zum "Superstar-Gemache" und der daraus resultierenden "Volksverdummung" und zum Streben nach Macht und Geld auf Kosten anderer. Ein gelungenes Werk.
www.cyborg-attack.de
 
Wort: FW, CF Tara / Bild: Frank Thiele, P.D.