Jungunternehmer in Leipzig

Mit Erfahrung in die Selbstständigkeit
Sein eigener Chef sein


Selbstständig machen, der eigene Chef sein - viele wollen, manche müssen es versuchen. Erfahrungen in Beruf oder Branche sind da von Vorteil.
Man weiß, wo es langgeht, sieht die berühmten Lücken im Markt, kann Fehler vermeiden. Unterstützung tut dennoch gut. Das ugb prüft Existenzgründer-konzepte, berät und hilft konkret.



Madeleine HeerdeMadeleine Heerde ist Krankenschwester. Nach der Geburt ihrer Kinder verlor sie ihren Arbeitsplatz. Und was machte sie? Sich selbstständig! Im Oktober 2005 eröffnete die heute 28jährige in Mannschatz bei Oschatz eine Wohngemeinschaft für Senioren und ist immer noch froh über diesen Schritt. Vier Bewohner hat die WG momentan, Platz ist für sechs. Madeleine Heerde und zwei Angestellte betreuen und pflegen und bieten am Rande der Stadt eine idyllische Alternative zum Alters- oder Pflegeheim. "Viele Ältere wollen nicht ins Heim", weiß die Jungunternehmerin aus eigener Berufserfahrung. Aus diesem Wissen und dem Bauch heraus entstand die Idee zur WG. Das ugb unterstützte "schnell und reibungslos", so dass Madeleine Heerde in gerade einmal drei Monaten ein seniorengerechtes Haus neben das Eigenheim ihrer Familie stellen konnte. Sie wohnt also gleich nebenan und ist immer dienstbereit.
Oschatz, Straße der Zukunft 1d

Steffen ReiglSteffen Reigl kommt aus Frankfurt am Main. Dort hat er den Beruf des Hochbaufacharbeiters erlernt, später auf Verkäufer umgeschult und anschließend zehn Jahre lang Berufserfahrung gesammelt. Vor drei Jahren kam er nach Leipzig, um etwas Eigenes zu wagen. Die Zentrale von ABC-Jalousien setzte auf Erweiterung im Franchise-Prinzip, und Steffen Reigl fragte sich: Gibt es neben Frankfurt eine Stadt in Deutschland, die mir gefallen würde? Eine Woche zuvor war er zufällig in Leipzig gewesen und antwortete: Das wär die Stadt! Seitdem handelt er hier mit Sonnenschutztechnik für innen und außen, mit Jalousien, Rollos, Markisen und ähnlichem. Seit Januar in neuen Räumen in der Jahnallee 38. "Eine traditionsreiche Straße, die jeder kennt und deren Lage man niemandem am Telefon erklären muss", erklärt der 34jährige die Standortwahl.
Leipzig, Jahnallee 38

Zafer AltunaySeit sechs Jahren in Leipzig und die ganze Zeit in Zschocher lebt Zafer Altunay. "Es gefällt mir hier sehr gut", sagt der 30jährige, der aus dem Süden der Türkei stammt, dorther, wo andere zum Ausspannen hinfliegen. Er arbeitete im Tourismusgewerbe, kam über hier lebende Freunde nach Leipzig, arbeitete in deren Döner-Läden und wollte schließlich sein eigenes Geschäft haben. "Ich habe überlegt, was man hier im Stadtteil machen kann - ein Eiscafé fehlte!" Folgerichtig eröffnete er im Dezember 2005 an der Ecke von Dieskau- und Creuzigerstraße das "Café Paradiso". Die ehemalige Apotheke hat Zafer Altunay zuvor selbst umgebaut und umgestaltet. Sein Paradiso ("Der Name sollte schnell im Kopf bleiben!") ist Eiscafé und Tagesbar. Der Gastronom bietet neben Gemütlichkeit und Freundlichkeit mehrere Sorten Eis, Kaffee, Kuchen sowie alkoholfreie und alkoholische Getränke. Momentan noch allein, obwohl er ansonsten in Leipzig nicht allein ist: Die erwähnten Freunde leben hier, seine Frau und sein Kind.
Leipzig, Creuzigerstraße 1

Steffi Dähne, Manuela Berger, Astrid Mühlenberg, Nancy DähneDie "Grüne Tomate" findet Ihr im Peterssteinweg, an dessen belebter Kreuzung mit der Härtelstraße. Das im Juni 2005 als Sandwichcafé eröffnete Lokal ("Im Laufe der Zeit hat sich das Angebot erweitert!") wird von drei Frauen betrieben, eine vierte kümmert sich um das Kaufmännische. Letztere, Steffi Dähne (40), ist berufsgestählte Finanzkauffrau. Manuela Berger (26) und Astrid Mühlenberg (30) wiederum sammelten als Angestellte Erfahrungen in der Gastronomie, so dass allein die gelernte Krankenschwester Nancy Dähne (31) als Quereinsteigerin gelten kann. Die "Grüne Tomate" befindet sich wie das "Café Paradiso" in Räumen, in denen vorher Apotheker hantierten - und inmitten jeder Menge Konkurrenz! Die Innenstadt ist nah, die Karl-Liebknecht-Straße und vor allem die Münzgasse. Also fragten sich die Frauen: Was gibt es noch nicht hier in der Gegend? Sie wollten sich "abheben vom Neumodischen" und richteten ihr Lokal im Stil des namengebenden Filmklassikers ein. "Unsere stärkste Zeit ist der Mittag", sagen sie, dann kämen Geschäftsleute, Studenten und Arbeiter, Leute aus der benachbarten LVZ-Redaktion oder von den Gerichten in der Harkortstraße. Der Standort ist also gut gewählt, umgeben von Gebäuden, aus denen zur Mittagszeit die Angestellten strömen, zum "Ausschöpfen der Pause". Und darum geht es in der "Grünen Tomate" sehr schnell zu; für den, der Zeit hat, aber auch ungemein gemütlich.
Leipzig, Härtelstraße 27
 
Wort und Bild: Ernie Le Coq