| Kudernatsch wird 100 |
Ganz
kurz vorm Fuchsberger
Wittenberg ist nicht unbedingt eine Weltstadt und Kudernatsch nicht
Popkultur. Dafür haben beide Tradition und ziehen ihr Ding durch, egal was
Frischgehypte gerade über sie in ihre zynischen Kritiken schmunzeln.
Und vor allem sind sie sympathisch: Kudernatschs Geburtsstadt, dort im
Anhaltischen, und der Meister selber. 1970 wühlte sich André ans Licht der Welt,
um über diese möglichst schnell Geschichten und Gedichte erfinden zu können. Die
erzählte er erst seinen Eltern und später einer wachsenden Anhängerschar - in
Büchern und auf Bühnen. Da war von "Suffis Welt", einer pädagogisch äußerst
wertvollen Textsammlung (Thema: "Der Goldbrand, der Goldbrand/ stand
ausgetrunken/ am Sandstrand" - so etwas läuft heutzutage unter Ost-Revival) bis
hin zu seinem aktuellen Manifest gegen verkniffene Gesichter "Alles Wurscht -
Reime gegen Käse". Da ist kein Zaunspfahl Gottes nötig, nur Fleiß und Spaß am
Leben. Und auf den Bühnen steht Kudernatschs Kautsch, die Show zum Möbelstück,
die 99 Mal Lachtränen über Wangenhaut rollen ließ und nun ihre 100. Ausgabe
erlebt. In Leipzig, in der Moritzbastei. Die 101. dann in Erfurt, in der
Engelsburg.
Angefangen hat alles in Ilses Erika, 1998. "Und dann ging's nach zwölf Shows
aus'm Keller ans Tageslicht, nur um im nächsten Gewölbe versenkt zu werden",
sagt Kudernatsch. Und Anhalt erlebte ihn in Halle an der Saale und wehrte sich
standhaft gegen gutgemachte Unterhaltung. Doch Erfurt wurde Lebensmittelpunkt,
dank der seit zehn Jahren geliebten Ricky Fuchs: "Sie ist auch die erste, die
auf die Sachen draufschaut, die ich mache. Ich ignoriere dann ihre Meinung - und
sie hat trotzdem immer Recht." Erfurt wurde Showstadt, inklusive Kautsch, von
nun an ging es immer hin und her, Leipzig, Erfurt, hin, zurück und so weiter ...
Der André kann's aber auch im angesehenem Profilager, da macht er Radio bei MDR
Figaro und feuilletoniert sich durchs Tagesgeschehen oder im Fernsehen, auch
MDR, in der Sendung "Artour".
Die Kautsch jedoch ist Baby Nummer 1 und sein Herz und seine Liebe und immer
auch Bewunderung: "Am meisten hat mich Assistentin Sanne begeistert, die trotz
verwirrter Kommentare einer Tageszeitung (da war wohl etwas Stutenbissigkeit
dabei - d.A.) bei der Stange blieb und weitertanzte." Und natürlich die Gäste:
"Die ganz Großen haben sich hinter den Kulissen immer als sehr umgänglich
erwiesen. Achim Mentzel, Roberto Blanco oder Olaf Schubert - die haben es nicht
nötig, durch arrogantes Getue oder absurde Cateringwünsche Leute kleinzumachen.
Es gibt Leute, die diese Größe nicht haben, so mittleres Entertainment, die sich
dann als sehr humorlos herausstellen - Peter Escher oder Dagmar Frederic."
Doch nun wird gefeiert, die 100., am 8. Juni in der Moritzbastei, mit Dolly
Buster, "die ja auch viel vorzuweisen hat". Zum Beispiel einen
Beziehungsratgeber, mit welchem sie so einige Verbindungen über die WM retten
will. Auch der neue Chef im hiesigen Rathaus, Burkhard Jung, kommt und Makarios,
der damals 1998 der allererste Gast gewesen war.
Entertainment braucht Tradition - vom Kudernatsch zum Fuchsberger ist nur ein
ganz, ganz kleiner Schritt.
www.kudi.de
Termin:
08.06. Leipzig, Moritzbastei
Die 100. Kautsch mit Dolly Buster, Burkhard Jung, Siegfried & Roy ("Die
tigerlosen Originalkopien"), The Russian Doctors und Zärtlichkeiten mit Freunden
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| Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie LC |
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