| Judoka Jane Uhlig |
Muckis
und Köpfchen
Die Frauen vom Judoteam Lok Chemnitz kämpfen erfolgreich in der zweiten
Bundesliga. Wir haben Jane Uhlig zu einem Wettkampf begleitet.
Hajime!" Der Kampf beginnt. Die zwei jungen Frauen in roter Kampfbekleidung und
braunem Gürtel laufen aufeinander zu und versuchen, sich gegenseitig zu Fall zu
bringen. Für den Laien sieht es zunächst aus wie kontrolliertes Catchen. Aber
dahinter stecken Techniken, Regeln und jahrelanges Training. Wir sind beim Judo.
Die Frauenmannschaft des Judoteams Lok Chemnitz kämpft in der zweiten
Bundesliga. Heute ist ein Wettkampf gegen die Frauen vom TSV Abensberg und vom
TSV Altenfurt angesagt.
Auch die 18jährige Jane ist dabei. Sie ist in ihrer Gewichtsklasse
Mitteldeutsche Meisterin. Ob sie heute kämpfen wird, steht noch nicht fest. Sie
hat sich beim Training die Gelenkkapsel im Daumen verletzt. "Aber keine Panik",
meint Jane, Verletzungen gäbe es bei jeder Sportart. Wenn man sich richtig
aufwärmt und sauber fällt, passiert auch nichts. Deshalb lernt jeder zuerst die
richtigen Falltechniken.
In Chemnitz füllt sich die Turnhalle. Der Trainer hat Jane für die erste
Wettkampfrunde nicht nominiert. "Aber das ist mir nicht so wichtig. Heute ist
die Mannschaftsleistung entscheidend, es geht schließlich um die Platzierung in
der Bundesliga." Also wird angefeuert. Hier zählt Teamgeist. "Die Atmosphäre in
der Mannschaft ist super. Wir halten zusammen und unterstützen uns." Natürlich
gibt es abgesehen von Mannschaftswettbewerben auch Einzelkämpfe. Da kann jeder
individuell zeigen, was er drauf hat.
"Konzentration!" schreit der Trainer. Ein Kampf dauert maximal fünf Minuten und
kann durch einen guten Wurf vorzeitig beendet werden. So ergeht es einer
Judosportlerin vom TSV Abensberg. Die Chemnitzerin nutzt den kurzen,
unkonzentrierten Moment der Gegnerin aus, wirft sie zu Boden und bringt sie in
einen perfekten Haltegriff. Das war ein "Ippon", die höchstmögliche Wertung. Die
Abensbergerin darf aber nicht etwa zornig von der Matte rennen. Beim Judo wird
dem Gegner prinzipiell hoher Respekt gezollt. Also noch einmal verbeugen. Erst
danach ist Schluss. Auch Fairness spielt in dem Kampfsport eine große Rolle. Den
drei Kampfrichtern entgeht wenig. Bei Regelverstößen gibt es eine Strafe.
Peinliches, lautstarkes Beschweren wie man es aus dem Fußball kennt, ist hier
unvorstellbar.
Wenn sich Judoka vor dem Kampf gegenüberstehen, verrät die Farbe des Gürtels
etwas über die Qualität des Gegners. Aber das sollte auch nicht überbewertet
werden. Jane hat den braunen Gürtel, den schwarzen will sie in nächster Zeit
nicht machen. Den bekommt man nämlich nicht durch gewonnene Wettkämpfe, sondern
indem man Prüfungen absolviert. "Es ist einfach sehr zeitaufwendig, die
Techniken alle einzustudieren. Ich möchte mich jetzt lieber auf die Wettkämpfe
konzentrieren", erklärt die Gymnasiastin. Sie trainiert drei Mal in der Woche,
jeweils zwei Stunden lang. Wenn sie in der Schule Klausuren schreibt, ist es
schon stressig. Aber ihren Sport gibt sie nicht so schnell auf.
Ganz billig ist das Hobby allerdings nicht. Im Jahr zahlt Jane 100 Euro
Mitgliedsbeitrag. Hinzu kommen die Judoanzüge, die finanziert werden müssen.
Neben dem Geld gibt es noch andere "Opfer", die Judoka bringen müssen. Sie
denken stets an ihr Gewicht. Die Kampfrichter achten nämlich sehr genau darauf,
dass die Gewichtsklassen eingehalten werden. Eine Klasse höher würde bedeuten,
dass die Gegnerin womöglich viel schwerer und somit im Vorteil ist. Aber die
Einteilungen ermöglichen auch kleineren, schlanken Menschen, im Judo erfolgreich
zu sein. "Eigentlich ist die Statur relativ egal. Die Hauptsache ist, dass man
Techniken und Griffe drauf hat und im Training steht", sagt Jane. Judo ist eine
Sportart, die viele unterschiedliche Muskeln beansprucht. Aber kommt es nun mehr
auf die Kondition oder die Technik an? Muckis oder Köpfchen? Jane hält die
Kondition für wichtiger. "Techniken sind zwar unverzichtbar und helfen viel,
aber wenn man körperlich nicht gut drauf ist, sind die Chancen auf einen Ippon
eher gering."
Bei den Chemnitzer Frauen haben heute sowohl die Technik als auch die Kondition
gestimmt. Sie konnten sich gegen die gegnerischen Mannschaften durchsetzen. Am
17. Juni gibt's den nächsten Heimkampf. Da sind Zuschauer herzlich willkommen.
Außerdem sucht das Team Nachwuchs. Jede ab sechs Jahren kann mitmachen.
Jane durfte in der zweiten Runde kämpfen und hat gewonnen. Nun heißt es für sie
erst einmal "Sore-made", der Kampf ist beendet. Aber es geht ja weiter.
www.judo-chemnitz.de
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| Wort und Bild: Anne Hähnig |
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