| Köstritzer Spiegelzelt |
Kleinkunst
vor Fußball
Das Köstritzer Spiegelzelt steht in Weimar. Vom 27. April bis 11. Juni zum
dritten Mal. Als Heimstätte eines hochkarätigen Kleinkunst-festivals, das diesmal
"Vorpro-gramm zur Fußball-WM" ist, wie die Veranstalter sagen. Es wurde um einen
Monat vorverlegt. Die Festspiele des runden Leders beginnen am frühen Abend des
9. Juni in München, das Festival im Spiegelzelt endet in den frühen
Morgenstunden des 12. Juni in Weimar.
Wenn also der Löwe ohne Hose und sein runder Freund Pille das Zepter übernehmen,
habt Ihr schon beinahe alles gesehen, gehört, betanzt und mit Applaus bedacht,
was da in Weimar mondän über die Bühne ging. Angefangen vom World Quintett,
aufgehört mit Ray Collins' Hot-Club. Doch eins nach dem anderen: Am 27. April
wird die Saison eröffnet "mit einem furiosen Mix aus Jazz-Improvisationen und
virtuosen Elementen der abendländischen Klassik, aus sinnlichen Balladen und
exotischen Melodien des Mittelmeerraumes" - das World Quintett spielt auf! Und
nach diesem Start - den Ihr am 28. April noch einmal erleben könnt - geht es
Schlag auf Schlag und beinahe Tag für Tag weiter. Wir picken ein paar Rosinen
aus den Rosinen ...
So Georgette Dee, die am 6. und 7. Mai ihre "Bar-Lieder" singt, "wobei man Gott
nicht genug dafür danken kann, dass er Matrosen erschaffen hat; und sei es nur,
damit sie im Leben von Georgette Dee vorkommen. Diese wiederum teilt uns ihre
Erlebnisse
auf so eindringliche wie selbstironisch eingefärbte Weise mit, dass wir glauben,
dabei gewesen zu sein, damals in Paris, als sie 'neben sich an der Bar' stand",
wie der Kölner Stadtanzeiger sagt. "In der Distanz zu sich selber liegt bei
alldem das Geheimnis der Dee, egal ob es peinlich, schmerzlich oder egoistisch
zugeht", ergänzt die Welt. Und die Berliner Morgenpost weiß: "... doch wenn sie
sich allzu weit in Sehnsucht, Schmerz und Kitsch hineingearbeitet hat, wischt
sie den ganzen Schmus mit rascher Ironie wieder weg." Es folgt Götz Alsmann und
der stellt im Spiegelzelt einen literarischen Klassiker vor: Jerome K. Jeromes
"Drei Mann in einem Boot". 8. Mai, Karten nur noch an der Abendkasse.
Rainald Grebe & die Kapelle der Versöhnung werden am 13. und 14. Mai hymnisch in
Weimar. "Zwischen Dänemark und Prag, liegt ein Land, das ich sehr mag. Zwischen
Belgien und Budapest, liegt: Thüringen. Das Land ohne Prominente, na ja, gut,
Heike Drechsler, aber die könnte auch aus Weißrussland sein ..." Zum Trost:
Brandenburg kommt noch schlechter weg. Und Grebe ist ein Genuss. Einer, über den
man sich erst wundert, und den man dann immer wieder erleben will.
Weiter
geht das Ganze unter anderem mit Roger Willemsen und seinem Abend "Und du so?"
(17. Mai), mit dem Programm "Miss Amerika" der Denglisch-Expertin Gayle Tufts
(19. Mai), mit dem Katja Riemann Oktett (24. Mai, auch hier Karten nur noch an
der Abendkasse), ehe am 11. Juni der eingangs erwähnte Hot-Club des Ray Collins
zum Finale bläst. Collins und sein Club stehen für wilden Rhythm & Blues, wie er
in den späten 1940er und frühen 50er Jahren gespielt wurde, als sich Swing und
Blues zum Rock'n'Roll wandelten. Damals ging es vor allem darum, die Bühne zum
Wippen und den Tanzsaal zum Kochen zu bringen. Und darum geht es immer noch!
Übrigens: Das Köstritzer Spiegelzelt ist ein historischer "dans paleis"
(Tanzpalast) aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Damals waren solche
Zelte die Attraktion auf Jahrmärkten in Holland und Belgien. Mit seiner
einzigartigen Kombination von Samt, Holz und Spiegeln wird das historische Zelt
nun zum Schauplatz von Musik, Theater und Kabarett in Weimar. Mehr als 11.000
Besucher kamen allein im vergangenen Jahr.
www.koestritzer-spiegelzelt.de
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| Wort: Bastian Cramer / Bild: P.D., Thomas Leibe |
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