Lobet den Herrn!

Potentia AnimiPotentia Animi predigen
den Psalm II


Sie sind die neue große Hoffnung der lebendigen Mittelalterszene. Die Musiker sind allerdings alles andere als Neulinge, sondern haben allesamt eine Menge Erfahrungen auf den Bühnen und Märkten des Landes gesammelt.


Sparsame, historisch inspirierte Musik trifft hier auf witzige Texte, die sofort klar machen: Bei Potentia Animi sollte man das gesprochene Wort nicht immer so ganz ernst nehmen. Zum zweiten Album "Psalm II", das in wenigen Tagen erscheint, sprach BLITZ!-Musikredakteur Frodo Wawrzyniak mit Bruder Liebe. Ja, "Bruder", denn es handelt sich hier um eine Bruderschaft im mönchischen Sinne ...

BL: ... ja, wir sind ein religiöse Gemeinschaft! Wir gehören nicht mehr zu den Jüngsten und unser bisheriger Wandel auf Erden war nicht immer frei von Sünde. Mit tugendhaftem Tun wollen wir nun uns und andere bekehren. Wir halten öffentliche Andachten ab, die wir musikalisch auf das Frömmste gestalten. Unsere Kollekten finden allerdings bereits vor der Tür statt. Jeder muss löhnen.

BLITZ!: Aha. Sehr löblich.
BL: Ja, wir sind sehr auf Ordnung bedacht. Unser Ziel ist, ein Kloster mit festen Regeln zu gründen. Hier soll wirklich Buße getan werden, die gute alte Geißel kommt bei uns noch zu ihrem Recht. Ein gemischtes Kloster, das auch dem sündigen Weibe in all seiner Verderbtheit offen steht. Leider hat sich noch keins beworben. Die Aufnahmeregeln sind natürlich auch nicht ganz ohne ...

BLITZ!: Auch Eure Musik nicht.
BL: In der Tat. In Bälde erscheint der zweite Tonträger. Die Empfängnis, das kann ich versichern, war unbefleckt! Ich glaube, das Album ist ein gerüttelt Maß ruppiger geworden. Haben wir auf dem ersten Tonträger doch noch hin und wieder musikalisch gealbert, so legten wir uns diesmal selbst die Zügel an und schwangen heftig die Peitsche. Du merkst, ohne ordentliche Geißelung geht bei uns gar nichts!

BLITZ!: Mal ohne Flachs: Es gibt jene Mittelalterensembles, die sich so authentisch wie möglich den Originalen der Zeit annähern wollen. Andere ziehen Phrasen, Textfragmente und Lebensgefühle ins Hier und Jetzt, um es mit moderner Musik - häufig Metal - zu kreuzen und so etwas Neues zu schaffen. Wo ordnet Ihr Euch ein?
BL: Sagen wir: Wir verbinden das authentische Lebensgefühl des gar nicht so finsteren Mittelalters behutsam mit den heutigen Hörgewohnheiten. Bestimmte Sachen, die damals toll klangen, will heute eben keine mehr ...

BLITZ!: Sehr salomonisch. Wo hast Du eigentlich Musik gemacht, bevor Du mit Potentia Animi den steinigen Pfad der Tugend betratst?
BL: Nun, ich gerbte einst die Felle bei einer Kapelle namens Inchtabokatables. Soll ich buchstabieren?

BLITZ!: Nein danke, wer kennt diese legendären Chaoten nicht! Wie lange ist das jetzt her, dass Ihr Euch aufgelöst habt?
BL: Du irrst, lieber junger Bruder...

BLITZ!: Danke für das "jung", Bruder Liebe ...
BL: ... aber gern, mein Sohn! Du irrst trotz allem: Wir haben uns nämlich gar nicht aufgelöst, sondern uns nur eine kreative Auszeit von ungefähr zehn Jahren verordnet. Das war Anno Domini 2002. Seitdem treffen wir uns alljährlich zu einem fröhlichen Schwatz und jedes Mal wird die gleiche Frage gestellt. Nämlich, ob wir wieder mal gemeinsam etwas machen wollen. Und bis dato war die Antwort jedes Mal: Ach, na ja, eigentlich ... nöö! Die anderen Inchies stehen stark unter dem Joche des Eheversprechens. Ein Jammer. Nur ich bin frei und fröne dem fröhlichen Zölibat!

BLITZ!: Wer sind denn die anderen Potentia-Animi-Mitstreiter?
BL: Nun, Bruder Nachtfraß - es ist unsere Art, die Brüder nach bestimmten markanten Eigenschaften zu benennen - und ich haben das Ensemble ins Leben gerufen. Verstärkt werden wir durch Bruder Schaft, einen früheren Schmierenkomödianten. Wir haben auch einen Novizen, unseren lieben Schnapsus Rex.

BLITZ!: Äh ...
BL: ... ja, der Name deutet tatsächlich auf eine gewisse Vorliebe zu geistigen Getränken hin, die der Bruder hegt. Das hindert ihn jedoch nicht daran, eine sehr feine Geige zu spielen. Er wohnt übrigens in Eurem schönen Leipzig, war vorher unter anderem bei der sündhaften Dresdner Formation DEKAdance aktiv ...

BLITZ!: ... Hansi Noack! Keine Feier ohne Meier! Hier ist er ja eher bekannt als Meister der schrägen Töne. Na, das schauen wir uns mal an!


Termine:
26.04. Dresden, U-Boot
29.04. Erfurt, Museumskeller
26.05. Jena, Rosenkeller
 
Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D.