| Höröya Kán |
Musik,
Tiefe, Mystik und Freiheit
Die Band Höröya Kán wurde 2000 von Claudia Lippmann, Fabian Bochmann und
Marcus Barthold ins Leben gerufen. Im Laufe der Zeit hat sich die Formation um
Jens Heurex erweitert. Damit nicht genug, denn mit acht Kollegen aus Leipzig und
Chemnitz sowie vier Tänzerinnen besteht auch die Möglichkeit einer
Big-Band-Formation.
BLITZ!: Höröya Kán - das klingt ein wenig
mystisch?
Marcus: Höröya heißt übersetzt Freiheit und
Kán soviel wie die Stimme, das Sprachrohr, der Ausdruck. Also die Stimme der
Freiheit, was für uns bedeutet, das zu tun, wozu wir uns berufen fühlen, und in
Kontakt zu treten mit dem, was hinter dieser Musik an Tiefe, Mystik und Freiheit
liegt.
BLITZ!: Trommeln wird ja vor allem mit
afrikanischer Musik in Verbindung gebracht...
Marcus: Stimmt! Unser Ursprung liegt in der
westafrikanischen Musik und beinhaltet traditionelle Rhythmen und Gesänge aus
Ghana und Guinea, welche wir über zwei Jahre von Kwashie Safroh, einem
afrikanischen Meistertrommler, erlernen konnten. Auf diesem Fundament formten
wir dann unsere eigenen, kreativ arrangierten Kompositionen und interessierten
uns fortan für das ganze percussive Klangspektrum.
BLITZ!: Eure Musik besteht jedoch nicht nur
aus reinem Trommeln?
Marcus: Nein, seit neuestem verwenden wir
zum Beispiel eine Kora. Das ist eine Mischung aus Gitarre und Harfe. Die Kora
ist das Soloinstrument der Griots. Das sind die Geschichtenerzähler Westafrikas.
Dazu kommen noch verschiedene kleine Percussions wie Glocken, Rasseln, Krings
(Schlitztrommeln - d.A.) und eben auch traditioneller Gesang. Wir verwenden
vorrangig die traditionellen Instrumente der Malinke-Ethnie aus Guinea. Da wären
die Basstrommeln Doundoun, Sangban und die kleine Kenkeni, die mit Schlegeln und
Glocken gespielt werden. Dazu kommt das passende Gegenstück, die Djembe, eine
aus Lenkeholz bestehende und mit Ziegenfell bespannte Handtrommel. Sie ist das
Begleit-, aber vor allem auch das Soloinstrument der Malinke und eben auch
unserer Gruppe. In unseren experimentellen Percussion-Projekten benutzen wir
Instrumente der Welt wie Congas, Schlagzeug, Udu-Drums, Bassgitarren,
Didgeridoos und so weiter ...
BLITZ!: Wie hast Du überhaupt zu der
Musikrichtung gefunden? Wenn man Trommeln hört, denkt man ja meisten erst einmal
an jemanden, der auf ein Schlagzeug eindrischt und seine Nachbarn an den Rand
eines Nervenzusammenbruchs bringt.
Marcus: Mir gefiel einfach die
Djembe-Trommel und so begann ich mit einem Freund zusammen wie wild darauf
herumzuspielen. Anschließend folgte eine achtmonatige Reise auf die Kanarischen
Inseln, wo ich zum ersten Mal mit afrikanischen Rhythmen in Kontakt kam. Ich
saugte dort alles auf, was ich irgendwie lernen konnte; die Rhythmen
faszinierten mich so sehr, dass ich mehr daraus machen wollte. Zurück in
Chemnitz gründete ich mit zwei Freunden unsere erste Percussion-Band namens Djoo.
Kurz darauf traf ich Kwashie Safroh, bei dem ich über einen Zeitraum von drei
Jahren intensiv Rhythmen und Gesänge aus Westafrika erlernen durfte. In der
selben Zeit hatten wir auch eine Band mit dem Namen Kwashie Safroh & Daye
Drumming Group. Wir spielten viele Rhythmen und Gesänge aus Ghana. Nach drei
Jahren gingen unsere Wege auseinander und ich beschäftigte mich wieder mehr mit
den Rhythmen der Malinke. Ich gründete eine Band mit vier weißen Musikern. Das
war die Geburtsstunde von Höröya Kán. Außerdem spiele ich in einer
Percussion-Band aus Leipzig, die den Namen Ashe Outou trägt, was übersetzt
Trommelgeist bedeutet. Zu dieser Gruppe gehören auch Tänzerinnen, was die Sache
noch spannender macht.
BLITZ!: Du gibst auch Workshops ...
Marcus: Ja, es gibt für mich zwei
verschiedene Methoden, die ich unterrichte, um den Kursteilnehmern die
afrikanische Rhythmik näher zu bringen. Zum einen die traditionellen Rhythmen
und Gesänge aus Guinea. Es geht in den Workshops sehr um das Verstehen der
vielen rhythmischen Möglichkeiten, welche die Basstrommeln mit sich bringen. Bei
der zweiten Methode gestaltet sich der Unterricht freier, da hier verschiede
Rhythmus-Elemente auch aus Ghana sowie eigene Ideen und Arrangements einfließen.
Im Unterricht geht es in erster Linie, um das Lernen durch Spaß und Freude am
Zusammenspiel.
www.percasso.de
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| Wort: Claudia Feger / Bild: Frank Thiele |
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