Stefan "Witwe" Schmidl

Des Scheddels TätowiererDes Scheddels Tätowierer

Er hört Heavy Metal seit den 1980er Jahren, hat einst selbst bei Shark Attack getrommelt und dann das Schlagzeug gegen ein Motorrad getauscht. In seinem Laden am Lindenauer Markt dröhnt immer noch Schweres aus den Boxen...

Witwe ist von Anfang an dabei, besuchte schon die ersten Scheddel-Konzerte in der alten Blues-Bar von Tonelli. Als Stammgast blieb er immer bis zum Schluss, lernte die "Heavy Metal - nix im Scheddel"-Leute kennen, und als die irgendwann Verstärkung brauchten, war er dabei. Seither macht Witwe den Einlass, baut auf, baut ab. "Alle machen alles", sagt er. Den Scheddel auf Scheddel-Ringos Unterarm allerdings hat er ganz allein tätowiert. Witwe ist Tätowierer. Zunächst als Lehrling in einigen Studios, da musste er "abgucken, Fragen stellen, Nadeln löten, Maschinen zusammenbauen ...", und seit fünf Jahren im "Rattlesnake" am Lindenauer Markt.
Als Stefan Schmidl war er schon einmal Lehrling gewesen, hat Maschinenbauer gelernt, betätigte sich später im Fassadenbau und einige Zeit lang auch als Abrissunternehmer. Über eigene Tattoos und Bekannte in der Szene kam er schließlich zu seinem heutigen Beruf. Witwe verziert Arme, Beine und so weiter virtuos und mit ruhiger Hand, obwohl er erst als Tätowierer mit dem Zeichnen begann. Verblüffend, denn: "In der Regel wird das Motiv erst auf Papier gezeichnet und dann auf den entsprechenden Körperteil."
Auf eine Zehe hat er eine Spinne aufgebracht, auf den zugehörigen Fuß das Spinnennetz mit Fliege darin. Eine Frau ließ sich den Leuchtturm von Hiddensee auf die Wade tätowieren. Witwes Freundin wiederum wollte eine Ärzte-Wade mit den Porträts von Bela, Farin und Rod. Hat sie jetzt auch. "Ein Gesicht würde ich gern mal wieder stechen", sagt der Meister. Ebenfalls gern bringt er "Biomechanik und Fraktale" auf die Haut. Zur Zeit beliebt seien jedoch chinesische Zeichen und Katzentatzen.
Witwe, der in der Innenstadt, in Grünau und Eutritzsch aufgewachsen ist und heute wieder im Zentrum wohnt, veranstaltet am 18. und 19. März die Tattoo Expo auf der Agra mit. "Hauptsächlich wird dort tätowiert. Tätowierer aus dem In- und Ausland sind da, abends werden auf einer Bühne Tattoos gezeigt und prämiert - das größte, das schönste, das verrückteste -, es gibt Klamotten und Schmuck und wahrscheinlich auch ein Konzert." Rock'n'Roll statt Heavy Metal. Doch eine Woche darauf, am 25., ruft wieder der Scheddel ...


Termin:
18./19.03. Tattoo Expo, Agra
 
Wort und Bild: Ernie Le Coq