| Vorsicht Thiel! |
Gedanken eines 66jährigen
Nun kommt die Rente mit 67 Jahren doch. Aber, lieber mit 67, als in 67 Jahren! Es heißt, das Rentensystem muss entlastet werden, wir haben zu viele Rentner und zu wenig Beitragzahlende. Irrtum, es ist genau andersherum!
Zu verdanken haben wir dies den älteren Menschen! Zum Beispiel Roberto Blanco. Anstatt sich altersgemäß zurückzuhalten, tanzt der auf jedem Fest vor jeder Kamera mit jeder Frau, die zu langsam weggerannt ist. Man muss sich schon wundern ... Überhaupt weigern sich immer mehr Rentner, mit Beginn des
Rentenalters, Rollstuhl zu fahren oder wenigstens mit einer Krücke rumzulaufen. Im Gegenteil, die Rentner von heute sehen noch, hören noch und sind so schnell zu Fuß, dass es selbst geübten Autofahrern schwer fällt - rechtzeitig zu bremsen, wenn die loslaufen. Der erschreckende Höhepunkt war doch
Olympia in Turin: "Greis holt dreimal Gold!" Davon abgesehen fahren immer mehr Alte selbst Auto. Zum einen behindert das ständige 50-Fahren in der Stadt den flüssigen Verkehr und zudem bezweifle ich, dass wir in Dresden eine Waldschlösschenbrücke bräuchten, wenn die Rentner nicht auch noch Auto
fahren würden!
Früher konnten gute Rentner nicht mehr so weg, oftmals nicht mal mehr raus, aber heute? Fliegen in den Süden, machen Nordkapfahrten oder Kaffeereisen nach Hrensko. Manche sind ja so dreist und nutzen FRÜHBUCHERRABATTE. Andere gehen nicht nur provokativ vormittags und nachmittags einkaufen, sondern
rammeln ihre Einkaufswagen absichtlich knallvoll, nur um uns Jungen zu zeigen: He, guckt mal, ich mach noch eine Weile! Bei soviel Vitalität können die Alten auch arbeiten gehen, so der logische Gedankengang von Franz Müntefering (SPD).
Fragt sich nur, warum dem das jetzt erst auffällt, wo er doch seit 1999 mitregiert. Andererseits, wer eine Mehrwertsteuererhöhung von zwei Prozent bekämpft, um dafür drei Prozent zu erzielen, der ist wahrscheinlich generell anders im Denken ... Denken vorausgesetzt.
Nachdem der Franz also seine Renten-Idee rausgelassen hatte, kam es zu heftigen Diskussionen. Man hatte nämlich vergessen, ihm zu sagen, dass es ein paar wenige Berufsgruppen gibt, die körperlich arbeiten und daher einem gewissen physischen Verschleiß unterliegen. Gut, man hat ihm auch nicht gesagt,
dass diese Menschen meistens ab 50 arbeitslos sind. Auf den Hinweis hin, versicherte Franz: "Natürlich ist es für Prostituierte schwierig, mit 65 noch anzuschaffen."
"Nein, Franz", erschraken da seine Vasallen, "es geht um Berufsgruppen wie zum Beispiel Straßenbauer."
"Aha", sagte der Franz, "dann müssen wir eben einen Maßnahmenkatalog erstellen, für Berufsgruppen, denen man die Arbeit bis 67 Jahre nicht zumuten kann. Wie wäre es mit einer ERWERBSUNFÄHIGKEITSRENTE?"
"Super, Franz! Toll, Franz!", riefen da die Getreuen, "Das geht nicht. Die hast Du Ende 2000 mit dem Gerhard zusammen abgeschafft und durch eine ERWERBSMINDERUNGSRENTE ersetzt."
"Aha", sagte da der Franz, "ich war das ... Starke Leistung! Da kann man mal sehen, wozu ältere Herren mit etwas Willen noch in der Lage sind!"
Da blieben seinen Getreuen verblüfft die Münder offen stehen. "Warum kann man im Alter nicht trotzdem arbeiten?", so der Franz weiter. "Da liegt mir was dran, als alter Sozi! Dann sollen ältere Straßenarbeiter eben Nebenstraßen bauen, ist viel leichter. Warum können Stahlkocher nicht Essen kochen?
Oder Eisengießer Blumen gießen? Bauarbeiter ins LEGO-Land! Autobauer in die Matchbox-Herstellung! Dachdecker zum Schneeschieben auf die Dächer. Zu schwer? Dann eben tote Vögel aufsammeln. Das löst bei einer Ansteckung gleich doppelt das Rentenproblem. Ältere Polizisten könnten eine Rollstuhlstaffel
bilden, zur Jagd auf Rollstuhl fahrende Täter. Und warum soll "Alte ins Altenheim" nur für Patienten gelten? Können nicht gleichaltrige Altenpfleger viel besser auf die Betreuten eingehen? Geteilte Prostatabeschwerden sind halbe Beschwerden! Bestes Beispiel für die Integration alter Menschen ist
doch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Waldi, Frank Elstner, Karl Moik, Marianne und Michael, Florian Silbereisen. Ach nee, der tut bloß so. Beim MDR sitzen oft jüngere Menschen vorm Fernseher, als aus diesem rausgucken. Ich rufe auf: Becker in die Bäckerei, Kohl in die Ernte, Beckenbauer in die
Sanitärabteilung ...
Und während sich der Franz M. in Euphorie steigerte, waren seine Getreuen schon längst auf dem Weg zu den CDU-Kollegen. Denn eines ist beim Zuhören des 66jährigen Müntefering klar geworden. Die Rente mit 67 bei Politikern ist ganz gefährlich und gilt es, unbedingt zu verhindern!
Ciao, Mario
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| Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade |
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