| Eine Thüringerin in Brisbane |
Auszeit in Australien
Australien - Land der Gegensätze, Kängurus und Kreisverkehre. Was der Kontinent auf seiner acht Millionen Quadratkilometer großen Fläche vereint, ist umfassend: Tropische Hitze und Regenwälder im Norden des Landes, wüstenartige Trockenheit im Landesinneren, boomende Millionenstädte hier und das
unbewohnte Outback dort. An der Ostküste, in Brisbane, trafen wir Julia aus der Nähe von Erfurt.
Julia ging im Juni letzten Jahres als Au-Pair-Mädchen ins ferne Australien, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und nach dem Abitur selbständig zu leben. Mit ihrer ersten
Gastgeberfamilie hatte sie wenig Glück, denn mit sieben Wochen alten Zwillingen konnte sie nur wenig kommunizieren. In der zweiten herrschten menschlich eher raue Sitten. Also entschloss sich die 18jährige Thüringerin, ihre Kenntnisse für ein späteres Tourismusstudium auszubauen und sich in den
Hotels von Brisbane zu bewerben. Aber dafür reichte das Schulenglisch nicht aus. Ein neuer Weg musste her, und so richtete Julia ihr Augenmerk auf eine Coffee-Shop-Kette namens "Spoon", welche
in der Metropole mehrere Shops betreibt. Coffee Shops sind sehr beliebt in Brisbane, aber auch Saftbars, denn eine kleine Erfrischung tut bei den dort herrschenden Temperaturen immer gut.
Julia hörte von einer freien Stelle als Kellnerin, bewarb sich und landete den Glücktreffer in Paddington, einem beliebten Stadtteil von Brisbane, in dem viele Jugendliche leben, mit kleinen Läden zum Stöbern und einer Menge Flair. Eine WG war schnell gefunden, denn bei solch netten und
hilfsbereiten Menschen wie den Australiern bleibt die Suche nach einem WG-Zimmer nicht geheim. Ein paar Straßen vom "Spoon" entfernt wohnt Julia jetzt in einem Wohngemeinschaftshaus mit neun anderen Jugendlichen. Deutsche Bekannte, die schon seit mehreren Jahren in Brisbane leben, halfen bei der
spärlichen Einrichtung des Zimmers und standen auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. "Das WG-Leben ist hier sehr schön, die Leute sind aufgeschlossen, gehen auf einen zu, auch wenn sie einen nicht wirklich kennen", sagt Julia.
Den besten Überblick über Brisbane, eine der flächenmäßig größten Städte der Welt, hat man vom Mount Coot-tha Lookout. Von Mitte September bis Oktober erscheint die Stadt dem Betrachter
violett, denn der Jacarandabaum blüht zu dieser Zeit überall in der Gegend. Am Abend ist der Mount Coot-tha ein Ort, an den so mancher australischer Junge seine erste Liebe hinführt ...
"Ich liebe an dieser Stadt die zahlreichen Gärten", erzählt Julia, "die Grillplätze in den Parks, die schnell zu Partylocations werden können, und die liebevoll gestalteten Bodenmosaiken, die überall die Gehwege schmücken. Aber auch die Badelandschaft mit der Salzwasserlagune mit Aussicht auf den
Brisbane-River, welcher sich durch die ganze Stadt schlängelt, ist großartig."
Southbank ist ein neu angelegter Vergnügungsstadtteil auf dem ehemaligen Expo-Gelände. Vom gegenüberliegenden Ufer des Flusses startete unsere Tour zum Koala Sanctuary, einem wunderbaren Park, in dem wir auf Tuchfühlung mit Koalas und Kängurus gingen. Der Wegweiser am Eingang, welcher die Entfernung
zu einigen Großstädten der Welt zeigte, ließ Heimatgefühle aufkommen, die mit einem Koala im Arm aber schnell wieder verflogen.
Zurück in Paddington zeigte Julia uns die typischen Queenslandhäuser, welche fast ganz aus Holz erbaut und rundherum mit Balkon oder Terrasse bestückt sind. Meist werden die Häuser in Brisbane auf Stelzen gebaut, die Stadt liegt auf hügeligem Gelände und man gleicht so die Unebenheiten aus. Außerdem
kann dadurch die Luft unter den Häusern zirkulieren.
Hügel, Täler, Nachtleben: Bei Ausgehern ist der Stadtteil Fortitude Valley beliebt. Dort finden sich die berühmtesten Clubs, wie beispielsweise das "Family", ein Nachtclub über vier Etagen mit sehr guten DJs und Lasershow, oder auch das "Fridays", ein etwas schickerer Laden. Der belgische Biergarten
ist Julias Abendweggehtipp, denn in dem gibt es 23 verschiedene Sorten Bier. Allen Shopperinnen und Shoppern bietet die Queen Street Mall, eine lange Einkaufspassage mit den beiden
großen Einkaufzentren Myer und David Jones, jede Gelegenheit zum Einkaufsbummel.
So muss Julia in der Ferne keine Abstriche machen und kann ihre Nach-Abi-Auszeit noch bis Juni genießen. Derzeit weiß sie nicht, ob es danach mit ihrem angestrebten Studium in Heide an der Ostsee klappt, ob sie sich irgendwo anders dem Tourismus widmet oder vielleicht gleich in Australien bleibt ...
|
| Wort und Bild: Sabrina Frauenberger |
|