| H.I.M. |
Dunkles Licht aus Suomi
Über H.I.M. und ihre schillernde Zentralfigur Ville Hermanni Valo ist schon viel geschrieben worden. Zum Jahrtausendwechsel schoss diese Band mit ihrem typisch finnischen Goth'n'Roll plötzlich ganz nach oben. Kritiker schrieben dies dem ungeheuren Charisma Ville Valos zu, dessen androgyne Aura
sich mit der eines Jim Morrison messen könne. Das allein kann der Erfolgschlüssel nicht gewesen, denn die Teenager(innen), die Valo nach dem Singlehit "Join Me In Death" scharenweise zu Füßen lagen, dürften mit The Doors herzlich wenig anfangen können. Ville ist eben was ganz Eigenes.
Im Februar kommen er und die Jungs mal wieder für ein paar Tage nach Deutschland. Im Gepäck das neue Album "Dark Light", mit dem die konsequente Härte, die seit dem Vorgänger "Love Metal" wieder in den H.I.M.-Sound Einzug gehalten hatte, nur wenig düster-gedämpft fortgesetzt wird. Das erste Konzert
im Leipziger Haus Auensee war binnen weniger Stunden ausverkauft, so dass ein Zusatztermin angesetzt werden musste. Zum Gespräch mit BLITZ!-Musikredakteur Frodo Wawrzyniak fand sich allerdings nicht Ville selbst, sondern interessanterweise dessen bester Kumpel und
Urmitglied Migé (sprich: Mischeee) ein. Migé Armour heißt natürlich nicht wirklich so, denn so heißt man in Finnland einfach nicht. Stattdessen wuchs er mit dem gutbürgerlichen Namen Mikko Heinrik Julius Paananen auf (der Familienname hat - das nur so am Rande - nichts mit der bekannten Gelbfrucht
zu tun, die heißt auf finnisch Banaani), bevor er sich entschloss, Rockstar zu werden. Doch das erzählt er besser selber.
BLITZ!: Hi Migé, schön Dich zu sehen. Du weißt ganz sicher genauso viel über H.I.M. wie Ville. Ihr kennt Euch schon ewig …
Migé: Ville und ich machen jetzt seit 15 Jahren zusammen Musik. So 1991 hat das angefangen. Damals allerdings noch mit ganz anderen Projekten, das klang noch nicht wie H.I.M.
BLITZ!: Das neue Album "Dark Light" habt Ihr, das erste Mal für Euch, in den Vereinigten Staaten aufgenommen. Kenner orakelten, dass dies das Signal zum Sturm auf den amerikanischen Markt gewesen sei. Hatten sie Recht?
Migé: Der Aufnahmeort war eher Zufall. Unser neuer Produzent kommt aus den Staaten, da haben wir auch gleich in L.A. aufgenommen. Es ist kein großer Unterschied, im Prinzip tust du genau denselben Job, da drüben wuseln nur mehr Leute um dich herum.
BLITZ!: Eigentlich ist Eure Art von Musik doch eine typisch europäische, oder? Die Amis stehen eher für einen anderen Geschmack …
Migé: Ja. Amerika ist im Grunde ganz anders, manchmal ziemlich nervend. Aber es gibt auch hier eine Art Bedürfnis nach Musik wie der unsrigen. Wir haben Konzerte in New York und L.A. gespielt und hatten beide Male fast 5.000 Leute. Wir freuen uns darüber, für uns
ist das nicht selbstverständlich, wir nehmen es als ein Geschenk.
BLITZ!: Gerüchten zufolge hat sich einer aus der Band ernsthaft verletzt. Müssen wir um die vor uns liegenden Konzerte zittern?
Migé: Ja, Linde, unser Gitarrist, hat sich die Hand gebrochen. (Linde heißt eigentlich Mikko Viljami Lindström, sein offizieller Künstlername ist Lily Lazer - d.A.). Ärgerliche Sache, wir mussten einige Konzerte in England absagen. Aber er hat einen guten Doc und
ist fast wiederhergestellt. Die Konzerte in Deutschland werden auf jeden Fall stattfinden.
BLITZ!: Und was erwartet uns? Härterer Love Metal oder eher melancholische Razorblade Romance?
Migé: Wir werden einen Mix spielen, natürlich viel vom neuen Album. Am Ende wird es wohl ein deutlich härterer Weg sein, als viele noch von früher kennen. So ein bisschen in Richtung Black Sabbath. Auf jeden Fall wird eine ordentliche Portion Heavyness von der
Bühne dröhnen.
BLITZ!: Ihr bringt noch zwei weitere Bands aus Finnland mit. Muss man sich die Szene bei Euch wie eine Familie vorstellen?
Migé (grinst): Finnland ist ein sehr kleines Land, wir kennen uns alle untereinander. Klar helfen wir uns. Das ist aber durchaus ein wechselseitiges Geben und Nehmen, wir stehen da auf gleicher Augenhöhe. Gerade The Rasmus sind ja auch bei Euch ziemlich bekannt,
oder?
BLITZ!: Sicher! Erinnerst Du Dich eigentlich noch an Euren ersten Gig in Leipzig?
Migé: Klar, obwohl wir damals eine Menge von Eurem unglaublich kostengünstigen Bier tranken. Für uns Finnen das Paradies! Es muss ´98 gewesen sein, wir spielten die ersten Konzerte in Deutschland, alles war sehr aufregend. Ein schöner Club, diese Moritzbastei.
BLITZ!: Es waren knapp 200 Leute da …
Migé: …und es war herrlich!
Termine:
H.I.M., The Rasmus & Negative
16./17.02. Leipzig, Haus Auensee
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| Wort: Frodo Wawrzyniak / Bild: P.D. |
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