| Fee Isabelle Lingnau |
Zum Handeln braucht's keine Flügel
Es gibt Namen, die sind einfach zu schön, um hinter einer Discounterkasse Pieptöne zu erzeugen oder herdschrubbend und bierbringend in der Eheeinöde zu versumpfen. Fee Isabelle ist so einer, mit hinten einem Lingnau dran. Prädestiniert dafür, in der Öffentlichkeit zu wirken.
Und das macht Fee dann auch, kulturinteressiert und festgebissen am Theatergeschehen hat sie mit Micha Braun und Michael Wehren das Magazin "Elend & Noblesse" aus der schmerzgeborenen Diskussionsreihe "Theater wozu?" gestrampelt, um Gespräche anzuheizen und teilzuhaben am Darstellenden.
"Theater ist ein gesellschaftliches Instrument, nicht nur Kunst um der Kunst willen - auch ein Möglichkeitsraum zum Ausprobieren, Experimentieren und Reizen." Zu solch schlauen Worten führte der Weg jedoch nicht geradeaus. Da humpelte Fee über eine Buchhändlerausbildung, die unglücklich machte, und
vorneweg eine nordelbische Kindheit in Hamburg. Auch Lyrik, selbstverfasst und zum Bändchen gebunden und suchend, suchend - bis ihr Leipzig Liebe wurde und das Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik bot, obwohl auch Berlin Ausweg gewesen wär. "Leipzig hat da einfach eine spannendere
Szene, hier ist die Richtung noch nicht so festgefahren."
Im März des vorletzten Jahres gab's eine Praktikumszeit beim Hamburger Abendblatt, und journalistisches Schreiben im Kulturmorast wurde Berufung. Bis jetzt ist Fee auch noch dort - frei und schreibend. "Glücklicherweise hat mein Chef Spaß daran, wenn man eine eigene Meinung mitbringt und
ungewöhnliche, interessante Themen aufwirft." Nun aber "Elend & Noblesse" in einer 2.000er Auflage, zweimonatlich und kostenfrei und rührend in der Theaterszene. Fee redigiert und korrigiert, feilt Worte in druckbare Form, layoutet und findet Themen, die brach im Theatergetümmel unserer Stadt
herumstreunen. Und bringt zum Heft noch Gespräche zwischen Menschen.
"Auf Grundlage des Magazins wollen wir zu jedem Heft eine freie Diskussion, mit Moderation, aber ohne Form und Bühne zustande bringen. Wir schaffen den Raum und die Gedankenanstöße für Interessierte." Salon ist's, Elend & Noblesse und nächstmalig am 19. Februar, ab 18 Uhr, in Horns Erben zu erleben.
Im neuen Heft schielt der Blick über den Theatertellerrand. "Nicht nur Bühnentheater - auch Theatrales aus anderen Gebieten, wie die FDÄ (Front deutscher Äpfel), Arts & Politics, Schrumpfende Städte oder die Performance eines Bettlers." Diskussionsanregung, weg vom uniformen Unterhaltungswirrwarr -
die Arme in die Seiten gestemmt, die Fee, ohne Flügel, aber voller Tatendrang. Und damit da ja keine Langeweile aufkommt, zieht sie halt hin und wieder um in Leipzig. In den letzten sechs Jahren sechs Mal. Na ja, ist auch ein Hobby.
elend_und_noblesse@gmx.de
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| Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie Le Coq |
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