| Vorsicht Thiel! |
Mit Profil ins Flachfernsehen
Jetzt, wo der Februar fast rum ist, wird es mancher bereits bemerkt haben: 2006 wird der Brüller! Wirtschaftlich, innenpolitisch und überhaupt. Ein sensationelles Jahr für Deutschland!
Die Binnenkonjunktur, bisher das schwächste Glied in unserer schwachen Wirtschaft, wird nicht nur steigen, sie wird der Mars-Sonde hinterher fliegen! Hamsterkäufe werden normal, weil endlich jeder verstanden hat, dass wir kaufen müssen, um überleben zu können. Fünf-Millionen-Pixel-Digis müssen
massenhaft verschrottet werden, um den Sieben-Millionen-Pixel-Digis im Wohnzimmerschrank Platz zu machen. Klar, dass die Fußball-WM nur auf einem Flachbildschirm zu schauen lohnt. Gar nicht vorstellbar, unsere Elite-Kicker kämen live aus einer Bildröhre ... Die spielen so schon Schrott und dann auch
noch in schlechter Bildqualität? Danke, nein! Natürlich besteht die Gefahr, dass unsere Jungs im Flachfernsehen an Profil verlieren. Aber, ich kann Euch beruhigen: Die hatten nie eins! Übrigens gehe ich davon aus, dass Dynamo Dresden als einzige Mannschaft während der WM noch Heimnachholpunktspiele
hat. Das Problem ist, sie wissen nicht, wo sie die spielen sollen. Der DFB will nämlich ab März das Harbig-Dingsda mit Sichtblenden zustellen, damit die Fußballwelt nichts von diesem Schandfleck sieht. Davon abgesehen geht der Trend, neben dem Flatscreen, deutlich zum Dritt-Car. Schon bemerkt? Nein?
Nun aber los Mädels, zum Händler! Und wehe, er bleibt unter den versprochenen 5.000 Euro für Euren Alten ... Doch nicht nur die Binnenkonjunktur wird losrasen. Auch der DAX, oftmals das einzige Tier, das auch Kinder in der Stadt kennen, wird mit durchschnittlich 12.000 Punkten abschließen. Ganz zu
schweigen von der Tatsache, dass Deutschland Exportweltmeister war, ist und immer bleiben wird! Und das, mit der kranken Wirtschaft ... Kurz zusammengefasst: Die Entlassungsproduktivität wird 2006 ungeahnte Höhenflüge erfahren! Sechs Millionen Arbeitslose sind kein Wunschtraum mehr, liebe
Ackermanns, da geht was!
Doch nun zu etwas Ernstem: Mich, und Milliarden Deutsche auf der ganzen Welt, erschütterte die unglaubliche Aussage der Stiftung Warentest, dass es in vier deutschen Fußball-WM-Stadien zu Sicherheitsproblemen im Panikfall kommen könnte. Panikfall? Na, wenn die Deutschen spielen ... Alle wollen
wegrennen, aber können nicht auf's Spielfeld, denn da fönt unser Micha Ballack gerade sein Haupthaar. Ohne Strom? Na, "wireless". Nun hätte der DFB oder das Organisationskomitee (übrigens OKA gesprochen, nicht OKAY!) der WM einfach sagen können: "Danke für die Hinweise, liebe Tester, wir sehen das
auch so. Franz kümmert sich gerade ... schön, dass ihr das vor der WM sagt und nicht hinterher." Egal, damit wäre Ruhe gewesen. Aber nein, das OK und der DFB waren empört, erschrocken, geradezu erschüttert. Gerhard Mayer Vorfelder fiel sogar völlig besoff..., äh, betroffen beim Skifahren vom
Sportgerät. Dabei haben die Fußball-Bau-Experten alle Fakten auf ihrer Seite. "Das kann gar nicht sein. Alle Stadien sind neu!" oder " Es ist doch noch nie was passiert!" Das sind unschlagbare Beweise. Mir fällt ein, die Titanic war auch neu und ist nur einmal gesunken. Mein Lieblingsargument ist
aber, gerade nach der Dach-Katastrophe in Bad Reichenhall: "Die Stadien sind alle nach Bauvorschrift und DIN gebaut!" Nach James Dean? Es muss schön sein, in einer eigenen Welt voller endgültiger Vorschriften und Gesetze zu leben. Okay, bei MV sollte noch eine Bar in der Nähe sein, zur
Vollkommenheit der Scheinwelt.
Einer, der keine Bar, höchstens ein Barbecue braucht, das ist unser Axel Schulz! Völlig überraschend verkündete er, wieder in den Boxring zurückkehren zu wollen. Erst dachte ich, ja gut, beim letzten Kampf gegen Wladimir Klitschko war er panisch auf der Flucht und hat dabei was verloren. Jetzt, wo
der Klitschko weg ist, will Axel zurückkehren und das Verlorene suchen. Dann überlegte ich mir, vielleicht will er auch nur für Stern TV den Ring kehren? Inzwischen weiß ich, Axel will boxen! Er sagt, es ist nicht das Geld. Logo, Axel! Er sagt, er vermisst die Kämpfe, die Freude am Kampf Mann gegen
Mann. Axel, woher willst Du das denn kennen? Ich kann mir auch nichts Schöneres vorstellen, als mal so richtig vom Klitschko durch den Boxring geprügelt zu werden. Andererseits, was kann ihm schon passieren? Schließlich hat er den "einen Kampf zu viel" schon hinter sich. Oder dachtet Ihr, das
Dauergrinsen ist normal? Hat er danach eben zwei Kämpfe zu viel. Und seine Augen sind sowieso für immer zugeschwollen. Zumal, wenn er für, sagen wir, fünf Runden, etwa drei Millionen Dollar bekäme, dann ist das immer noch ein besserer Stundenlohn, als bei Gasprom gezahlt wird, stimmt 's Gerhard? Ich
gehöre ja zu den wenigen Verteidigern von Gerhard Schröder, was seinen Job im Aufsichtsrat bei Gasprom betrifft. Wenn man bedenkt, wie doof die Amis dagegen sind. Die brauchen eine Riesenarmee, riskieren einen Haufen Menschenleben, bombardieren ebenso viele Städte, nur um an die Rohstoffe zu kommen.
Da ist mir der Stil von Pazifist Gerhard lieber. Hauptsache, er singt nicht irgendwann: "Hol mir mal 'ne Flasche Bier - oder ich dreh Euch den Gashahn zu!"
Mit Hoffnung sage ich:
Ciao, Euer Mario
Vorsicht Thiel! am 16. Februar, 20 Uhr, im Kabarett Breschke & Schuch, Gäste: Dr. Bettina Hauswald (Leiterin HNO an der MedAk, Akkupunktur-Expertin und DJane!), Beppo Pohlmann (Berlin, Gebrüder Blattschuss & Comedy-Autor), dazu wie immer 2HOT (Hausband), Holger (Hausmeister) und Thiel (?)
Karten unter 4904009
Infos unter www.vorsicht-thiel.de
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| Wort: Mario Thiel |
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