Kudernatschs Kurzgeschichte

Kudernatschs KurzgeschichteUlli, ich und Moppelkotze

Ulli war ein dufter Kumpel. Mit dem konnte ich über alles reden. Zum Beispiel über Pupsen in der Badewanne und wie man Brötchen mit Moppelkotze isst, ohne dass der ganze Scheiß runtertropft.


Moppelkotze nannte ich Ullis Fleischsalat. Das hatte auch einen Grund: Der sah so aus. Nicht Ulli, sondern der Fleischsalat. Die Packung kam ein bisschen über eine Mark, dazu tranken wir Feldschlösschen. Das Leben war echt billig. Zu Feiertagen holten wir uns einen Döner von unten.
Sogar Camping wollten wir mal machen. Ulli hatte die Idee, da sein Bruder Strom zaubern konnte. Der hatte ein Aggregat geklaut, mit dem wir fließend Licht gehabt hätten. Ich meinte, Kerzen würden es genauso tun oder eine Taschenlampe. Da knallte Ulli mir eine, weil ich seinen Bruder und das Aggregat mies machte. Aber das mit dem Zelten ging in die Hose. Keiner hatte Bock, den ollen Opel zu fahren. Jeder wollte nur saufen. Dabei besaß Ulli sowieso keine Fleppen mehr, weil die Bullen die kassiert hatten, als er im Tee unterwegs gewesen war. Da wir uns nicht einig wurden, blieben wir zu Hause. Sieben Wochen später war der Sommer gelaufen - und der Urlaub vertagt.
Die sechs Eier, die ich angespart hatte, trug ich zu Frau Grabecki. Die schnitt alle. Ich kriegte eine neue Frisur und Ulli Stielaugen. Das stand ihm, Ulli konnte nur gewinnen.
"Mann, das ist ja voll die Platte. Kann die dich nicht leiden?" "Das weißt du doch nicht." "Drum frag' ich ja." "Frag' doch." "Kann die dich nicht leiden?" "Das weißt du doch nicht." "Drum frag' ich ja." "Frag' doch."
So landeten wir bei unserem Lieblingsgespräch. Davon hatten wir noch eins: "Wo gehst'n hin?" "Ins Kino." "Was kommt'n da?" "Quo Vadis." "Was heißt'n das?" "Wo gehst'n hin?" "Ins Kino." "Was kommt'n da?" "Quo Vadis." "Was heißt'n das?" "Wo gehst'n hin?"
Wenn wir fertig mit reden waren, hörten wir laut die Onkelz und schauten bei Ulli aus dem Fenster. Die hatten direkt vor dem Haus die Straße umgebaut und einen Kreisverkehr mitten reingesetzt. Das sollte den Verkehrsstrom steigern. Tatsächlich reduzierte es ihn um fünf Autos pro Woche. Ulli führte eine Strichliste und kam sich vor wie der Verkehrsminister persönlich. Er hatte total den Höhenflug. Ich holte ihn da runter und schubste ihn nach der sechsten Dose Feldschlösschen aus dem Fenster. Ulli flog voll auf die Fresse. Der war zu blöd, die Arme vorzustrecken. Als er nach den zwei Stockwerken unten aufklatschte, drehte er sich auf den Rücken und bläkte hoch: "Wirwahmwewohlwinwiewunkelwewiwen?" Das sollte heißen: "Dir haben sie wohl in die Runkel geschissen?" Ich schmiss zwei leere Dosen und ein Brötchen mit Moppelkotze als Antwort auf ihn. Dann schloss ich die Wohnungstür gut ab. Der Hausmeister kehrte Ullis Zähne in den Gulli, und jemand hatte jemanden angerufen. Die Bullen rauschten ran, und Ulli wurde brüllend in einen Krankenwagen gesackt. Das guckte ich mir noch an, und danach versteckte ich mich mit den restlichen Dosen Feldschlösschen im Schrank. Auf in den Märchenwald! Es klopfte an die Wohnungstür.

Leicht gekürzt, die Langversion findet Ihr in Kudernatschs Buch "Suffis Welt", erschienen im Fünf Finger Ferlag.

Fürchterlich? Finster? Gruselig?
Die Gruselkautsch mit Kudernatsch und Gästen am 9. Februar, ab 21 Uhr, in der Engelsburg Erfurt.

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Wort: Kudernatsch