Gregor Meyer

Gregor MeyerAuch im Winter Sommeroper

Der Herr ist gut situiert und verliebt. Natürlich standesgemäß. Doch vor der Herrin steht die Magd. Und die hat auf den Alten selbst ein Auge geworfen, weil mit ihm gesellschaftlicher Aufstieg möglich wäre. Der potenzielle Gatte ist nicht zu überzeugen, da muss nachgeholfen werden. Also gibt sich die Magd als ihr eigener Bruder aus; und mit einigen Lügen und Märchen bekommt sie, was sie will: Reichen Mann, gesellschaftliches Ansehen, Sex.


Anno 1730 war die sonderliche Mär auf Opernbühnen ein Hit. Das heitere Intermezzo wurde in den Pausen der tragischen Längen auf kleiner Bühne gegeben. Mitnichten ein Pausenfüller: "Die listige Magd" begeistert uns auch heute. Jana Hruby ist die Angestellte, Axel Thielmann gibt den tumben Tor. Regie: Andreas Knaup. Aber Oper wäre keine Oper, gäbe nicht einer den Musikern Takt - Gregor Meyer sitzt am Cembalo und steht der Camerata Leipzig vor. Der Mann ist 26 und Student im Aufbaukurs, was heißt: Eigentlich fertig, Zusatz macht besser.
Geboren ist Gregor zwischen den Gipfeln und Randfichten des Westerzgebirges. Musische Hanglage. In Johanngeorgenstadt stand sein Vater der Kirchgemeinde vor. Der talentierte Bub blies Klarinette, spielte mit Hut und Uniform im traditionellen Bergmannsblasorchester und wechselte 1993 aufs musisch orientierte Gymnasium Zwickau. Nahe liegende Studienperspektive: Kirchenmusik. Aufnahme an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig. Studienabschluss. Zusatzstudium. Und neben aller Bildung und Probe: Auftritte in vielen Sparten und Spielarten.
So sitzt Gregor bei den Five Gentlemen am Klavier. Die Herren sind keine Parodie der Comedian Harmonists, sondern interpretieren das Liedgut der 1920er Jahre bis hin zur Gegenwart mit eigenem Ton - nachzuhören auf "Sommersprossen" (erschienen bei Querstand). Wir sahen Gregor, eingesprungen für seinen Lehrer Schuldt-Jensen, mit Gewandhauschor im Bildermuseum beim Experiment: Meisterwerke an der Wand und in der Musik als Einheit. Denn die Trennung der Kunst in Gattungen scheint eher willkürlich, denn notwendig und angebracht. Back to the Roots. Yeah, und Perspektive? Gregor Meyer könnte sich vorstellen, einen Chor zu leiten. Erste Erfahrungen hat er gesammelt. Und weitere Termine stehen fest, z.B. mit dem Vocalconsort Leipzig vom 17. bis 19. Februar in der Thomaskirche. Und warum nicht als idée fixe eine eigene Oper schreiben? So im Stile des Barocks mit absurd verquerer Handlung? Das unbekannte Leben von August dem Starken ist doch ein Thema, das nur zum Hit geraten kann. Wir glauben, da liegt Gregor Meyer richtig. Herrlich: August auf der Bühne.
Nicht im August, im September hatten wir "Die listige Magd" bereits im Sommertheater der Moritzbastei gesehen. Jetzt sehen wir sie im Winter. Liebe, Arbeit und Kunst kennen keine Jahreszeiten. Oder?


Termine:
29.-31. Januar, Moritzbastei
 
Wort: Henner Kotte / Bild: Ernie Le Coq