Minimal-Frickler

DreikommanullDreikommanull ruft: Tanzen! Tanzen!

Wenn Großes entsteht, muss dies auch mit minimalen Mitteln möglich sein, sonst ist es einfach aufgeplustertes Bombast-bombardement für die Ohren.


Die Dreikommanull-Crew hat sich pionierend dem Minimal-Frickel-Sound verschrieben, einer musikalischen Variante der elektronischen Musik, die Feinheiten und Überraschungen zurückbringt, dorthin, wo allerorten stupide Töne die Tanzflächen bestreichen.
"Wir sind Dreikommanull, weil wir drei Leute sind, außerdem alle über 30 oder gerade 30 Jahre alt und wollen soundtechnisch erwachsenes Club-Publikum ansprechen, welches schon weiß, was es will und bekommt. Dreikommanull ist etwas Exaktes, Definiertes."
Und Joern Kleinschmager, Nikolas Sternberg und Mentell sind da konsequent bis zur Selbstaufgabe: "Wir schenken der Welt seit August 2005 monatliche Parties im Superkronik - Minimalhouse und Minimaltechno, etwas anderes kommt uns nicht durch die Boxen." Dazu holt sich die Crew hin und wieder auch internationale Unterstützung an die Plattentellerdrehmaschinen, amerikanische Neutönerhelden wie (A)pendics Shuff-le, Troy Pierce oder Someone Else. Auch Sascha Funke und Andy VAZ durften schon ran.
Joern, vom berüchtigten Label Mo's Ferry, ist für die bewegende Achse Berlin-Leipzig, das Booking und die technische Umsetzbarkeit verantwortlich. Nikolas, Mitbegründer der Devinitiv-Parties und ebenfalls Mo's-Ferry-Veteran, hält die gestaltungstechnischen Strippen. Und Andy ("Mentell") ist der Dekorator, der Werbetrommler und monatlich auch Einzelauftretender im Erfurter Joue Joue Club - sowie gemeinsam mit Fischer R Kämpfer für gutes Radio auf Radio Blau, bei "Blaulicht - der Plattform für Producer und DJs elektronischer Musik", zweiwöchentlich.
"Wir versuchen, unter den hiesigen Veranstaltern der Underground zu sein. Ich behaupte, dass die meisten Clubs zu Diskos mutiert sind, Hitabspieler - ganz einfach. Bei uns jedenfalls geht es genau um die Musik, wir wollen zurückfinden zur Musik, ohne permanent Widererkennungsmechanismen zu bedienen. Böse gesagt ist unser Minimaltechno intelligenter Techno, der läuft geschmeidige 126/128 BpM."
Da gibt es einiges zu hören im Superkronik in Plagwitz, wenn Zeit ist für Dreikommanull, zwei Floors weit, Neuland & Panoptikum - ein Seelenausdemleibtanzraum und ein chilliger, zurückgelehnter, mit visuellen Häppchen bestückter Moment.
So auch am 27. Januar, wenn die Platteninternetverkaufsstelle Schallrausch.com (mit immerhin 4.000 Online-Kunden) Geburtstag feiert. Da greifen die Jungs von Dreikommanull gern unter Arme und gratulieren musikalisch mit dem Geschenk von Dreikommanull an Schallrausch.com: Sleeparchive aus dem Berliner Hardwax-Umfeld. Und dem Geschenk von Dreikommanull an Dreikommanull: Butane aus den USA. "Da mussten wir irgendwie einen Kompromiss finden, wir sind doch eher extrem, aber das Line-Up ist wunderbar und für's Publikum etwas ganz Besonderes."
Mehr geht nicht im minimalen Sektor, doch mehr muss auch nicht, wenn's Großes sein soll. Tanzen! Tanzen!
www.dreikommanull.de
 
Wort: Volly Tanner / Bild: Ernie Le Coq